Der unmittelbare Kontakt mit „Ambrosia artemisiifolia" kann zu Tränen, Augenjucken und Heuschnupfen führen. Davon betroffen sind auch Menschen, die bislang keine Probleme mit Allergien hatten. - © Pixabay
Der unmittelbare Kontakt mit „Ambrosia artemisiifolia" kann zu Tränen, Augenjucken und Heuschnupfen führen. Davon betroffen sind auch Menschen, die bislang keine Probleme mit Allergien hatten.
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Kreis Herford Warnung vor Ambrosia - Asthma-Pflanze auf dem Vormarsch

Die Untere Naturschutzbehörde warnt allerdings davor, das Kraut einfach nur auszurupfen

Eike J. Horstmann

Kreis Herford. In der griechischen Mythologie steht der Begriff "Ambrosia" für eine unsterblich machende Speise der Götter oder als Schönheit spendender Balsam. In deutschen Gärten steht er hingegen für das absolute Gegenteil: Hier ist "Ambrosia artemisiifolia", auch bekannt als Beifuß-Ambrosie oder Amerikanisches Traubenkraut, als eingeschleppte Pflanze eine echte Plage - die mitunter zu Hautreizungen, Allergien und zu Atemnot führt. Wahrscheinlich über landwirtschaftliche Produkte, Topfpflanzen und vor allem durch Vogelfutter wurde die Pflanze als sogenannter "Neophyt" nach Europa eingeschleppt. Hier erweist sich die einjährige, krautige Sommerpflanze als überaus hartnäckig - und nicht nur mit Blick auf die hiesige Flora als unangenehmer Neuankömmling. Pollen sind klein, aggressiv und dringen tief in die Lunge ein "Die Pollen des Beifußblättrigen Traubenkrauts gelten als die stärksten derzeit bekannten Allergene aus dem Pflanzenreich und können tränende Augen, Kopfschmerzen oder bei empfindlichen Menschen gleich Asthma auslösen", erklärt Hannelore Frick-Pohl von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Herford. In Australien wird das Gewächs im Volksmund daher auch als "asthma-plant", also als "Asthmapflanze" bezeichnet. "Ambrosia schafft Allergien auch bei Menschen, für die diese Krankheit bisher unbekannt war", sagt Frick-Pohl. "Denn die Pollen sind sehr klein, aggressiv sind und können so tief in die Bronchien eindringen." Die 10 bis 200 Zentimeter hohe Pflanze keimt auf allen offenen Böden. Sie wächst im Frühling und Frühsommer langsam und kann in dieser Zeit durchaus mit der auch als Studentenblume bekannten Targetes, dem Gemeinen Beifuß, der Staudenambrosie oder dem Einjährigen Beifuß oder sogar Möhren verwechselt werden. Wachstumsphase beginnt Mitte/Ende Juni "Aber während alle anderen Pflanzen gleichmäßig gedeihen, legt Ambrosia eine Wachstumspause ein, um dann Mitte/Ende Juni loszuwachsen und Anfang August Blüten auszubilden", berichtet die Expertin. Untersuchungen zeigen außerdem, dass sich Ambrosia in Europa verändert hat. Ihre Samen sind nicht nur deutlich größer als diejenigen der aus Amerika stammenden Populationen, sondern sie keimen mit einer Rate von 92 Prozent auch wesentlich häufiger als ihre amerikanischen Vorfahren (49 Prozent). "Sie keimt hier deutlich schneller und zeichnet sich durch eine höhere Frosttoleranz aus. Und sie hat hier keine Feinde wie den Ambrosiakäfer oder Pilze", sagt Frick-Pohl. Durch Kompost wurde schon manche Fläche verseucht Die Pflanze gelte somit aufgrund ihrer "gesteigerten Fitness" als derzeit aggressivster pflanzlicher Einwanderer und sollte deshalb entfernt werden. Im Kreis Herford wird Ambrosia seit 2007 intensiv beobachtet und bekämpft. "Aber dabei ist Vorsicht geboten", erklärt Hannelore Frick Pohl, die vor jeglichem Körperkontakt mit dem Gewächs warnt und das Tragen von Handschuhen empfiehlt. "Das Berühren der Blätter kann zu Hautreizungen und zur Sensibilisierung führen." Steht die Pflanze schon in voller Blüte, sollte zudem ein Mundschutz getragen werden. "Die Pflanze muss samt ihrer Wurzeln möglichst in einem geschlossenen Beutel im Hausmüll entsorgt werden", sagt Frick-Pohl. "Denn die Samen überleben die Kompostierung - und durch Kompost ist schon manche Fläche mit Ambrosia verseucht worden." Bisher sind im Kreisgebiet lediglich Einzelpflanzen in Privatgärten entdeckt worden. Damit das so bleibt, ist es wichtig nur Ambrosia-freies Vogelfutter zu verwenden. Gleiches gelte auch für Saatgut, etwa beim Anlegen von Blumenwiesen.

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