Kunst im öffentlichen Raum: Herford hat da Einiges zu bieten – farbige Trafohäuschen (v. l.), ein Bruchstück der Berliner Mauer oder den „Peacetower" auf den Werrewiesen, der die Debatte ausgelöst hatte. Ein Gesamtkonzept fehlt bisher. - © Ralf Bittner
Kunst im öffentlichen Raum: Herford hat da Einiges zu bieten – farbige Trafohäuschen (v. l.), ein Bruchstück der Berliner Mauer oder den „Peacetower" auf den Werrewiesen, der die Debatte ausgelöst hatte. Ein Gesamtkonzept fehlt bisher. | © Ralf Bittner

Herford Sinnkrise: Kunstbeirat diskutiert seine eigene Bedeutung

Kulturbeirat entscheidet entscheidet Zuschüsse zur Chorarbeit und über Spenden der Freizeiteinrichtungen Stadtwerke Herford für die Kulturarbeit

Ralf Bittner

Herford. Mit der Entscheidung über die Förderung der Chorarbeit, der Beratung über die eingegangen Förderanträge und den eher informellen Tagungsordnungspunkten „Kunst im öffentlichen Raum" und Möglichkeiten der Installation eines Aufsichtsrates schien der öffentliche Teil der Sitzung des Kulturbeirates eher überschaubar. Tatsächlich wurde diskutiert wie lange nicht und zwar über Rolle und mangelnde Wahrnehmung des Beirates selbst. Vorab: entschieden wurde auch. Alle zehn Chöre, die einen Förderantrag gestellt hatten, erhalten jeweils 230 Euro als Förderung für die Chorarbeit. Auch alle elf Anträge, die von Vereinen zur Förderung ihrer kulturellen Aktivitäten an die Freizeiteinrichtungen Stadtwerke Herford (FSH) gestellt wurden, wurden positiv beschieden und das obwohl einige Anträge über der vom Beirat selbst gesetzten Zuschussgrenze von 3.000 Euro liegen. Das gilt für den Shanty-Chor Hansestadt Herford, der zu seinem 30. Geburtstag Großes plant, und den Verein zur Förderung des Chores der Auferstehungskirche Laar, der für zwei Konzerte mehr als 9.000 Euro beantragt hatte. Da trotz dieser großen Einzelbeiträge nur Anträge in Höhe von 24.956 Euro bei den FSH eingegangen waren, empfahl der Beirat dem Rat, die Spenden in voller Höhe zu bewilligen. Die FSH sind die Anlaufstelle im städtischen HVV-Konzernverbund, an den die Förderanträge gestellt werden müssen. Für den Bereich Kultur können bis zu 36.000 Euro im Jahr ausgeschüttet werden. Im Vorjahr hatte die Antragssumme deutlich darüber gelegen. Wo liegen die Gründe für das fehlende Interesse? Neben der Diskussion um die Bewilligung der Anträge stand die Frage nach den Gründen für den Rückgang im Raum. „Grundsätzlich ist es schlecht, einen Etat nicht auszuschöpfen", sagte Claudio Vendramin (Grüne) und stieß auf Zustimmung bei allen Fraktionen. „Wir brauchen andere Strukturen", sagte Jürgen Bollmann (SPD) als Konsequenz aus der Diskussion um die Frage ob das Antragsverfahren zu kompliziert oder den Vereinen zu wenig bekannt sei. Andreas Kornacki, neuer Geschäftsführer von Kultur Herford gGmbH und Marta Herford gGmbH, der erstmals an einer Sitzung des Beirates teilnahm, bot an, zukünftig frühzeitig den Kontakt zu den FSH zu suchen, um eher absehen zu können, wenn es Probleme wie ausbleibende Anträge gibt um dann eventuell nachsteuern zu können. Viele Akteure, doch kein städtisches Konzept Dass es reichlich Akteure in Herford gibt, die kulturell in der Stadt aktiv sind, zeigte sich beim Punkt „Kunst im öffentlichen Raum". Eine beim Marta angedockte Kunstkommission mit lokalen und externen Experten hätte eigentlich am 28. Mai erneut tagen sollen. Marta-Direktor Roland Nachtigäller wies im Kulturbeirat, der die Einrichtung der Kommission angeregt hatte, auf die „unübersichtliche Ausgangssituation" hin, die sich aus der Vielzahl der Akteure in diesem Bereich ergebe – Bauverwaltung, Stadtbildpflege, pro Herford oder Innenstadtverein etwa. „Vermutlich ist vielen gar nicht bekannt, dass es diese Kommission gibt", sagte Nachtigäller und plädierte dafür, dass sich alle Akteure zusammensetzen und überlegen, was die Aufgabe der Kommission sein könne, bevor er externe Experten mit dieser aus seiner Sicht unklaren Ausgangslage konfrontiere. Viele Wege für die Kunst in den öffentlichen Raum Angestoßen worden war die Einrichtung der Kommission durch das Projekt „Peace Tower" des Künstlers Draffoh Rheinmann, der sich 2014 mit Idee und Antrag an den Beirat gewandt hatte. Andere Kunstwerke, Brunnen oder Mahnmale wurden ohne Einbeziehung des Beirates aufgestellt (etwa das Teilstück der Berliner Mauer, Berliner Straße) oder demontiert (Hansebrunnen). Aktuell entfalte der Innenstadtverein „In Herford" viele Aktivitäten in diesem Bereich wie das Bemalen von Trafohäuschen oder die stilisierte Stadtansicht am Steintor. „Die Kommission wird unglaubwürdig, wenn ich den Mitgliedern kein Konzept vorlegen kann, gleichzeitig aber viel in der Stadt passiert", sagte Nachtigäller. „Die Stadt braucht in diesem Bereich ein Konzept statt Wildwuchs", fasste Bollmann zusammen. Als Ergebnis wird Nachtigäller jetzt nicht die Mitglieder der Kunstkommission sondern die lokalen Akteure zu einem Gespräch einladen: „Diese AG soll Vorgaben entwickeln und dann in der Kommission vorstellen." „Kommission und Beirat werden zu wenig wahrgenommen", fasste die Vorsitzende Birgitt Fischer das Problem zusammen. Fakten für die Diskussion um die Frage, ob ein Aufsichtsrat für den Kulturbereich eine Verbesserung bringen könnte lieferte ein von Britta Kurlbaum für die Kultur gGmbH erarbeitetes Papier. Unabhängig davon stellte Fischer fest, dass der Kulturbeirat sich nur mehr Gehör verschaffen könne, wenn er sich zu kulturpolitischen Themen öfter als bisher zu Wort melde: „Da bitte ich alle Mitglieder um Mitarbeit."

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