Erschreckend: Aufnahmen der uniformierten Kinder befanden sich noch bis vor kurzem im Internet. Mittlerweile wurde dieses Foto aus dem sozialen Netzwerk Facebook gelöscht. - © NW
Erschreckend: Aufnahmen der uniformierten Kinder befanden sich noch bis vor kurzem im Internet. Mittlerweile wurde dieses Foto aus dem sozialen Netzwerk Facebook gelöscht. | © NW

Herford Verstörendes Video: Kinder in Herford marschieren im Kampfanzug

Ein Video aus der Herforder Moschee des türkischen Vereins Ditib wirft Fragen auf

Jobst Lüdeking

Es sind Videoaufnahmen, die Fragen aufwerfen und verstörend wirken. Gekleidet in Uniformen mit türkischen Fahnen paradieren kleine, vielleicht vier bis sieben Jahre alte Jungen mit Spielzeugwaffen zu Musik durch einen Raum. Beim Antreten rufen sie militärische Kommandos und salutieren. Dann wiederum liegen einige – offenbar als gefallene Soldaten – unter einer türkischen Fahne. Die Aufnahmen sind offenbar vor Kurzem in Herford in der Moschee des türkischen Moschee-Vereins Ditib entstanden. Parallel zu den Aufnahmen wurden Fotos der Aufführung im Internet auf Facebook veröffentlicht – inzwischen aber wohl zum Teil wieder gelöscht. Ditib will nichts gewusst haben „Die Entscheidung für die Aufführung ist vom Elternbeirat getroffen worden und die Aufführung ist auch von ihm gestaltet worden", erklärt das Herforder Ditib-Vorstandsmitglied Aydin auf Anfrage am Telefon. Der Vorstand sei in das Programm nicht eingebunden gewesen und habe auch nichts davon gewusst. Die Aufführung sei auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen. Innerhalb der Gemeinde sei aber überaus kontrovers über die Aufführung diskutiert worden. Tatsächlich, so Aydin weiter, beziehe sich die Aufführung auf einen militärischen Sieg in Zusammenhang mit dem türkischen Staatsgründer Atatürk (Mustafa Kemal Pascha). Hintergrund ist offenbar die so genannte Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg vor 103 Jahren, in der die Truppen des mit Deutschland verbündeten Osmanischen Reiches britische, australische, neuseeländische sowie französische Einheiten zurückschlugen. Keine unübliche Tradition Damit wurde die von den Alliierten anvisierte Eroberung Konstantinopels, dem heutigen Istanbul, verhindert. Die Schlacht in den Jahren 1915/16 war ein blutiger Kampf. Die Hälfte der eingesetzten Soldaten kam ums Leben oder wurde verwundet. Es ist ein Tag, an dem es in der Türkei in vielen Familien nicht unüblich sei, dass Kinder Uniformen tragen, so eine Türkei-Kennerin gegenüber der NW. Der CDU-Kreisvorsitzende Tim Ostermann, der die Aufnahmen ebenfalls erhielt, hatte den Herforder Moscheeverein der Ditib angemailt, aber bisher keine Antwort erhalten. „Ich finde es hochproblematisch, dass Kinder instrumentalisiert werden. Das widerspricht eklatant jedem Versuch der Integration. Vielmehr ist so etwas ein typisches Zeichen für eine Parallelgesellschaft. Staat und Gesellschaft müssen alles geben, um so etwas zu verhindern", so der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Union.

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