In der Notaufnahme begann der Mann ohne Grund, Patienten zu beleidigen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp (Archiv)
In der Notaufnahme begann der Mann ohne Grund, Patienten zu beleidigen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp (Archiv)

Herford Patient greift Ärztin und Pflegerin in der Notaufnahme an

Derzeit ist der 31-Jährige in der Klinik für Psychiatrie untergebracht

Jobst Lüdeking

Herford.Dass Feuerwehrleute und Sanitäter an ihren Einsatzorten angegriffen werden, ist trauriger Alltag. Jetzt gab es einen Übergriff in der Notaufnahme des Klinikums: Ein 31-Jähriger attackierte Sonntagabend eine Ärztin und eine Pflegerin. Die Opfer erlitten schwere Verletzungen. Die Polizei hat die Ermittlungen übernommen. Zu der Tat war es gegen 21.30 Uhr gekommen. Eine Viertelstunde zuvor war der Mann mit Angehörigen in die Notaufnahme gekommen. Er begann, Patienten im Wartebereich ohne Grund zu beleidigen und führte sich aggressiv auf. Zur Entschärfung der Situation baten die Mitarbeiter den Herforder in einen Behandlungsraum zur Abklärung seiner Beschwerden. Dort eskalierte die Situation. Der Mann griff ohne Vorwarnung eine Ärztin sowie eine Pflegerin an. Verletzungen im Gesicht und am Kopf Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes des Klinikums und ein Pfleger schafften es, den Angreifer zu fixieren. Er wurde etwas später von der Polizei festgenommen. Die Ärztin erlitt durch den Angriff Verletzungen im Gesicht und am Kopf und wird zurzeit stationär behandelt, so das Klinikum. Zudem erlitt eine weitere Pflegekraft ebenfalls eine Verletzung. „Der 31-Jährige zeigte sich nach dem Vorfall psychisch verwirrt und auffällig", so die Polizei. Zur weiteren Klärung ist er im so genannten Krisenbereich der Klinik für Psychiatrie untergebracht. Sicherheitsdienst in der Notaufnahme Vor drei Jahren hatte das Klinikum in der Notaufnahme, die jährlich 40.000 Menschen aufsuchen, einen Sicherheitsdienst geschaffen. „In einem so großen Klinikum wie dem Herforder kann es immer Vorfälle geben", erklärt Dr. Wilfried Schnieder, Leiter der Notaufnahme. Allerdings sei der Angriff vom Sonntag schon „ein besonders heftiges Ereignis". Der Angriff sei nicht vorhersehbar gewesen, der Mann sei als nicht so aggressiv eingeschätzt worden. Einen solchen Fall mit mehreren Verletzten und einem Krankenhausaufenthalt habe er noch nicht erlebt. Prinzipiell sei die Situation für die Mitarbeiter in der Notaufnahme ähnlich der von Rettungssanitätern, Polizisten oder Feuerwehrleuten, erklärt der Mediziner weiter. Eine Statistik für die Übergriff gebe es nicht. „Wir machen es seit einiger Zeit aber so, dass Gewaltübergriffe dokumentiert werden.  Deeskalationstraining für die Mitarbeiter Dazu gehörten auch Pöbeleien alkoholisierter Personen. Um aggressive aber auch pöbelnde Patienten in der Notaufnahme möglichst ohne Übergriffe behandeln zu können, wurden bereits vor Jahren Vorkehrungen getroffen. Man habe mit Polizei und Berufsgenossenschaft die Situation analysiert und Handlungskonzepte entwickelt. Zwei Mitarbeiter hätten zudem ein Deeskalationstraining durchlaufen und schulen seit einem Jahr ihre Kollegen, erklärt Schnieder weiter.

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