Günter Richter (v. l.), Museumsleiterin Regine Krull und der Historiker Gerd Althoff aus Münster haben viele Informationen zusammen getragen. - © Karin Wessler
Günter Richter (v. l.), Museumsleiterin Regine Krull und der Historiker Gerd Althoff aus Münster haben viele Informationen zusammen getragen. | © Karin Wessler

Enger „Leidenschaft für fromme Werke“

Ausstellung und Vortrag: Informationen über das Leben und Wirken der Königin Mathilde

Karin Wessler

Enger. An den 1050. Todestag von Königin Mathilde soll in Enger in vielfältiger Weise gedacht werden. Am Sonntag, 11. März, wird zunächst eine große Ausstellung unter dem Motto „Königin Mathilde – Leidenschaft für fromme Werke" in der Gerberei eröffnet. Am Nachmittag hält der Historiker Gerd Althoff im Widukind-Museum den Vortrag „Annäherung an eine ferne und fremde Persönlichkeit." Außerdem wird ein Büchlein über Mathilde aufgelegt und es wird ein Film gedreht, der zum Kreisgeschichtsfest präsentiert werden soll. Viele kennen nur den Namen Seit langem schon interessiert sich der Engeraner Günter Richter für Königin Mathilde. „Viele kennen den Namen, wissen aber nichts über die Persönlichkeit", so Richter. „Christoph Ogawa-Müller hatte schließlich die Idee, Mathilde in diesem besonderen Jahr den Engeranern vorzustellen", erläutert Angela Franke vom Gerbereiverein. So wurde die Bitte an Richter heran getragen, eine Ausstellung über Mathilde zusammen zu stellen. „Zeitgleich hatte das Widukind-Museum die Idee, einen Film über die Königin Mathilde zu erstellen", führt Museumsleiterin Regine Krull aus. So wurde der Kontakt zum Historiker Gerd Althoff aus Münster hergestellt, der sogleich zur Zusammenarbeit bereit war. „Er ist der beste Kenner der Geschichte", so Regine Krulls Einschätzung. Gemeinsam haben Richter und Althoff 30 Tafeln mit vielen Informationen zusammen gestellt. „Auf einem Büchertisch liegt darüber hinaus Literatur aus – zum weiteren Nachlesen", betont Günter Richter. Zwei Lebensbeschreibungen „Fast alles, was bislang über Königin Mathilde bekannt ist, stammt aus zwei Lebensbeschreibungen, die von unbekannten Personen zu unterschiedlichen Zeiten und Zwecken wohl im Kloster Nordhausen geschrieben wurden", erklärt Regine Krull. „Dabei wird vor allem die Zeit ihrer Witwenschaft nach dem Tode ihres Mannes, König Heinrich I., beschrieben. Sie hat vier Stifte gegründet – drei im Harz und eines hier." Mathilde hatte wohl starke Befürchtungen, dass nach ihrem Tode die Stifte geschlossen würden und hatte sich stark für den Erhalt eingesetzt. „Sie war durchaus eine emanzipierte und durchsetzungsstarke Frau – und hat gegenüber ihrem Mann und ihrem Sohn Otto nicht gekuscht." In der Ausstellung gehe es zum großen Teil auch im Machtpolitik im Mittelalter. „Damals gab es viel Potenzial für Konflikte – und das macht die Geschichte spannend", findet Regine Krull. Gerd Althoff ergänzt: „Wir wissen über die Königin in der Tat so gut wie nichts, aber sie hatte fünf Kinder und hat wohl stets milde gewirkt, hat auch ihren Mann entsprechend zu beeinflussen versucht." Nach dessen Tod habe sie eine „Leidenschaft für fromme Werke" entwickelt. „So waren die Aufgaben für adelige Witwen im Mittelalter." Mathilde selbst sei in Herford erzogen worden. Dort sei sie Heinrich begegnet, der habe sie dann „mitgenommen." Althoff: „Der Raub vornehmer Frauen war damals nicht unüblich." Vortrag am Sonntagnachmittag Gerd Althoff wird am Sonntag, 6. März, ab 11.30 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung in der Gerberei einführende Worte sagen. Die Gruppe „musici vagabundi" aus Kalletal wird dazu musizieren.  Am Sonntag um 16 Uhr wird Gerd Althoff im Widukind-Museum den Vortrag „Königin Mathilde. Annäherung an eine ferne und fremde Persönlichkeit" halten. Besonders dieser Vortrag widmet sich Mathildes Wirken als Witwe und Gründerin von Klöstern vor dem Hintergrund zeitgleicher Probleme in Sachsen, die den König Otto den Großen betreffen.

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