Prada Meinhoff: Christin Nichols und René Riewer im Dolbi. Die ungewohnte Mischung aus Punk-Rock und Elektrobeats kam an. - © Ralf Bittner
Prada Meinhoff: Christin Nichols und René Riewer im Dolbi. Die ungewohnte Mischung aus Punk-Rock und Elektrobeats kam an. | © Ralf Bittner

Bünde "Prada Meinhoff" machen einen Tourabstecher ins Dolbi

Konzert: Mit nur einer Single und einer Handvoll Songs beweist das Duo, dass Musik rockbar ist

Ralf Bittner

Bünde. "Kommt nach vorne oder ich nenn' euch alle beim Namen", fordert Christin Nichols, eine Hälfte der Berliner Band "Prada Meinhoff" die gut 80 Gäste in der Musikkneipe Dolbi auf. Mit ihrem Partner René Riewer an Bass und Elektronik erfüllt sich die Schauspielerin, die am Gymnasium am Markt ihr Abitur machte, einen Traum: "Ich wollte schon lange eine Rockband haben." Mitte 2015 lernte sich das Duo über einen Musikerfreund kennen und arbeitet seither gemeinsam an dem Projekt. Multiinstrumentalist Riewer schreibt und spielt die Musik und baut die elektronischen Beats, von Nichols stammen die deutschen Texte. Obwohl das Duo erst im August die erste Single "Dreck" veröffentlichte, sind Nichols und Riewer bereits auf einer zehntägigen Deutschlandtour mit der Band "Tüsn". Den freien Abend nutzen die beiden für einen Stopp in Bünde. "Masken ab!" heißt der erste Song, der die Richtung vorgibt. Über elektronische Samples und Beats sorgt Riewer am Bass für reichlich Druck nach vorn, Nichols' Stimme deckt die ganze Bandbreite vom wütenden Schreien bis zu leisen Zwischentönen ab. Sie spielt mit dem Mikrofon und dem ostwestfälisch-zurückhaltenden Publikum. Die Songs heißen "Gold", "Zeit", "Strom" oder "Krieg", "Model" oder "Clash". Die Texte verraten einiges über die Autorin - "Ich will mehr, mehr, mehr!" - und über Einflüsse des Duos. Während Nichols mit Prinz-Heinrich-Mütze im lockigen Haar optisch an die junge Annette Humpe von "Ideal" erinnert, erklingen schon mal Fetzen des Auflösungsinterviews von "Tic Tac Toe" oder die von Hanns Eisler vertonte "Resolution der Kommunarden" von Bert Brecht aus den Boxen. "Krieg" heißt der Song, den "Prada Meinhoff" daraus machen, allerdings dreht Nichols die Kanonen nicht gegen die Regierung, sondern gegen die Angst, die Menschen daran hindert ihre Ziele zu verfolgen. "Ich ziehe in den Krieg, der Gegner ist die Angst", eine Ermutigung für einige junge Zuschauer im Publikum, die ein zweites Gesicht von Nichols kennen lernen. Seit einigen Jahren kommt die Schauspielerin, die am Berliner Renaissance-Theater, in TV-Serien und Kinofilmen spielt, in der Villa Kunterbunt Punkrock und im Jugendcafé Kirchlengern Hip-Hop für sich entdeckte, zu Workshops in die Gesamtschule Friedenstal in Herford, nun erleben die Schüler ihre Dozentin mal live. Musik und Texte sind gespickt mit musikalischen Anspielungen. Beinahe melancholische Erinnerungen an Johnny und Dee Dee von den Ramones wechseln mit kraftvollen Neuinterpretationen vom Kraftwerks "Model" oder "Should I stay or should I go" von "The Clash". In dem dazwischenliegenden Musikkosmos bewegen sich die Newcomer wie selbstverständlich. Was die beiden über die Bühne bringen, ist Punk-Rock pur, dem mittels Elektronik noch ein Schuss Energie hinzugefügt wird. Beiden ist anzumerken, dass die Bühne ihre Welt ist, und so fiel das Urteil des Publikums auch einhellig aus: "Wiederholung bitte!"

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