Die Rattles: Herbert Hildebrandt / Reinhard "Dicky" Tarrach / Manne Kraski / Eggert Johannsen. - © Alexander Mertsch, www.bsights.de
Die Rattles: Herbert Hildebrandt / Reinhard "Dicky" Tarrach / Manne Kraski / Eggert Johannsen. | © Alexander Mertsch, www.bsights.de

Bünde Interview: Dicky Tarrach von den Rattles

Interview: Legenden zum Abschied: Am kommenden Samstag treten die "Rattles" bei der letzten Veranstaltung des Liverpool-Clubs im Stadtgarten in Bünde auf. Ein Gespräch mit Reinhard "Dicky" Tarrach

Nicolas Bröggelwirth

Dicky, welche Vorteile hat es, als Legende zu gelten? Reinhard Tarach: (lacht) Mit Sicherheit den, dass man anders wahrgenommen wird, als ein Musiker, der gerade erst anfängt. Es wird einem doch eine größere Kompetenz und Erfahrung zugesprochen. Und welche Nachteile? Tarrach: In Deutschland neigt man dazu, dass man in die Oldie-Ecke gedrängt wird. Das gibt es in England und den USA überhaupt nicht. Hier wird dann immer von uns aber auch den Stones oder anderen als "Altrockern" gesprochen. Als ob man erstaunt wäre. Was? Die können noch? Die leben noch? Das ist ganz fürchterlich. Welches ist der größte Unterschied, wenn man heute das Radio einschaltet oder beispielsweise 1960? Tarrach: In der heutigen Zeit gibt es eine größere Vielfalt an Sendern und Musikrichtungen. Damals war man ja schon froh, das Neuste überhaupt zu bekommen. Es war verheerend! Die meisten Stationen haben immer nur Querbeet Schlager gespielt. Dann kam erst die Musik aus Amerika und später dann aus England. Die meisten haben gesagt, das mit dieser gräßlichen Beat-Musik, das ginge schon wieder vorbei (lacht). Dicky, Ihr standet mit den Beatles und den Stones auf der Bühne. Es gibt Band-Geschichten von halben Jahrhunderten. Ist das in der heutigen Zeit mit den ganzen Casting-Shows und der Schnelllebigkeit überhaupt noch möglich? Tarrach: Ich vermute, dass es bei der einen oder anderen Band gehen wird. Aus Deutschland gibt es von damals jetzt nur noch zwei - die Rattles und die Lords. Aber in jeder Dekade wird es ein oder zwei geben. Was an Künstlern nachwächst, da sind ja tolle Leute dabei. Ob es die in fünfzig Jahren noch geben wird, das kann ich natürlich nicht sagen. Welches ist der größte Wandel oder Fortschritt in der Musik? Tarrach: Überall ist der Fortschritt. Im Studio, aber vor allem auf der Bühne. Du meinst also die Technik? Tarrach: Ja. Früher haben wir noch auf zwei Spuren aufgenommen. Aber den größten Unterschied gibt es im Life-Geschäft. Als wir mit Little Richard oder den Stones auftraten, gab es nur zwei Boxen, die von der Decke hingen oder seitlich von der Bühne standen. Meist haben wir in alten Kinos gespielt. Das war damals so üblich in England. Es gab auch noch keine Monitor-Boxen, über die sich die Musiker selbst hören konnten. Der Klang ist heute viel differenzierter. Und besser. Wäre man überrascht, wenn man wüsste, welche Musik die Rattles privat gerne hören? Tarrach: (lacht) Ja! Für die anderen kann ich jetzt nicht sprechen, aber ich liebe ja Indie-Rock und stehe unheimlich auf Metal. Das ist ehrlich und handgemacht. Ich schaue mir auch Wacken an. Ich kann mich daran erinnern, dass ich beim ersten Konzert von AC/DC in Deutschland dabei war. Das war in Hamburg in der Musikhalle und sie waren Vorgruppe von Rainbow mit Ritchie Blackmore. Sie hatten vorne ganz wenig Platz auf der Bühne, und Angus Young, der damals schon genauso aussah wie heute - bloß jünger - hat mit den Jungs sowas von abgeledert. Herrlich. Ich höre aber auch Led Zeppelin. Linkin? Park stehe ich drauf. Ich mag aber auch die deutsche Musik, die es in letzter Zeit gibt, wenn sie gut gemacht ist. Was erwarten die Zuschauer von einem Rattles-Konzert? Tarrach: Erwarten können sie eine Zeitreise von den 60ern bis heute. Eine Reise in ihre Jugend. Wir hatten ja in jeder Dekade mindestens einen Hit. Viele Erwachsene bringen ihre Kinder mit. Die denken auch: "Geh? mir fort mit diesen alten Säcken!" Aber nach 90 Minuten Vollpower gefällt es ihnen meist doch. Denn auch wir spielen nicht mehr wie in den 60ern und haben uns weiterentwickelt. Zu Eurer aktuellen Platte "Hotter than Hell" heißt es, Ihr seid auf Anraten zurück zu den "Roots" gekehrt. Hattet Ihr die denn verlassen? Tarrach: Wir haben auch mal Sachen ausprobiert und mit Computern gearbeitet und life zu den Computern gespielt. Man lässt sich verleiten, auch mal etwas zu doll zu machen, nur weil man die Möglichkeit dazu hat. Jetzt sind wir wieder einfach, aber toll im Klang. Karten für den Liverpool-Club Das letzte Konzert des Liverpool-Clubs Bünde findet statt am kommenden Samstag, 9. April, ab 19.30 Uhr. Einlass in den Stadtgarten ist ab 19 Uhr. Das Ende der Veranstaltung ist für 1.30 Uhr geplant Neben den Rattles werden auch Major Healey und Razzle Dazzle auf der Bühne stehen. „Lasst uns gemeinsam ein letztes Mal im großen Saal des Stadtgarten einen wunderbaren Mix aus Beat und Rock’n’ Roll „live" genießen. Erinnern wir uns an die Zeit ab 1999, als beinahe monatlich international bekannte Bands aus den 60er und 70er Jahren im Stadtgarten zu Gast waren", heißt es in der Ankündigung der Veranstalter. Karten gibt es in der Bünder Geschäftsstelle der Neuen Westfälischen an der Eschstraße 30 unter Tel. (05 21) 55 54 44, oder im Internet unter: www.erwin-event.de

realisiert durch evolver group