Viele Fragen: Die Halle der St.-Achatius-Schützen ist voll besetzt. Nach den Impulsreferaten haben die Bürger Gelegenheit, ihre Anliegen loszuwerden. Hier hält Lena Neuwöhner das Mikrophon in der Hand. - © Karin Prignitz
Viele Fragen: Die Halle der St.-Achatius-Schützen ist voll besetzt. Nach den Impulsreferaten haben die Bürger Gelegenheit, ihre Anliegen loszuwerden. Hier hält Lena Neuwöhner das Mikrophon in der Hand. | © Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock Viele Pläne für Stukenbrock-Senne

Informationsabend:Die Zeltstadt soll im Juni abgebaut werden. Bürger in Stukenbrock-Senne sollen ihre Breitband-Geschwindigkeit messen.

Karin Prignitz

Schloß Holte-Stukenbrock. Da mögen die Ferien begonnen haben und die Fußball-Weltmeister gegen die Ex-Weltmeister spielen. Wenn der Verein „Unser Dorf Stukenbrock-Senne“ einlädt, um darüber zu informieren, „was die Senne bewegt“, dann scheint alles andere zweitrangig. 160 Bürger finden sich im neuen Schützenhaus zusammen, um dort ihre Fragen, Anregungen und Sorgen mit Vertretern der Stadt, der Gedenkstätte Stalag 326 und der Biologischen Station zu diskutieren. Vieles ist bekannt, aber es gibt auch Neues. Dank des hartnäckigen Nachbohrens einer Anwohnerin, die sich darüber beschwert, dass die seit einiger Zeit leer stehende Zeltstadt „jeden Abend ab 18 Uhr mit Licht geflutet wird“, gab Hubert Erichlandwehr bekannt: „Sie soll wohl im Juni abgebaut werden.“ Der Bürgermeister hatte zuvor dem Vorsitzenden Hermann-Josef Brummelte und seinen Mitstreitern zu zehn Jahren konsequenten Einsatzes in der Dorfentwicklung gratuliert. Noch einmal wurde ein von Florian Erichsmeier, Marvin Gansauge und Hendrik Deppe im Jahr 2008 entstandenes Video gezeigt, das für die erste Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ gedreht worden war. Seither ist viel erreicht worden: Ems-Erlebniswelt und -Weg, Fußweg „Auf den Holen“, Bürgerradweg an der Hövelrieger Straße, Bau des PSV-Sportheims, Neugestaltung des Dorfplatzes, verkehrsberuhigter Ausbau des Lippstädter Wegs, Breitbandausbau, Boßelstrecke, BMX-Parcours und vieles mehr. „Einige Themen sind gelöst, andere noch genauso aktuell wie vor zehn Jahren“, sagte Hermann-Josef Brummelte und kündigte an: „Heute wollen wir etwas Neues wagen und uns Zeit nehmen, über aktuelle Dinge offen zu diskutieren.“ Ziel sei es nach wie vor, Stukenbrock-Senne „in einer schnelllebigen Gesellschaft fit für die Zukunft zu halten“. Zu verschiedenen Themen gab es Impulsreferate, im Anschluss konnten die Bürger ihre Fragen loswerden. Die Moderation übernahm Julia Wulf. GEWERBEPARK Bürgermeister Hubert Erichlandwehr berichtete von einem „sehr komplizierten Verfahren“, das gerade erst begonnen habe. Viele hätten hier ein Wörtchen mitzureden und man müsse zunächst sehen, welche Flächen überhaupt zu Verfügung stünden. „Fest steht, dass das, was da ist, berücksichtigt werden muss“. Hier gebe es einen Bestandsschutz. Zu derzeit laufenden Grundstücksverhandlungen wollte und durfte sich Erichlandwehr öffentlich nicht äußern. „Es muss auf jeden Fall ein Miteinander geben.“ Das Kerngebiet werde sicherlich für Industrie genutzt werden. An den Rändern werde es aber durchaus Flächen geben, auf denen sich Handwerksbetriebe ansiedeln könnten. Soweit sei es aber noch nicht. Der Bürgermeister kündigte an, dass es zum komplexen Thema eine eigene Bürgerversammlung geben soll. BAULAND „Kein einfaches Thema“, sagte Hubert Erichlandwehr, denn „es ist nicht mehr viel Spielraum vorhanden.“ Grundstücke sind rar. Die Verwaltung sei dran, „auch hier wird es einen neuen Regionalplan geben“. Er solle bis 2020 fertig sein und Wirkung bis 2035 haben“. Alles, was gestalterisch passiere, werde dort festgehalten. „Das ist ein riesen Ding.“ In der Regel dauere es vier bis fünf Jahre, bis es wirksam werde. Die eine oder andere Fläche habe man bereits im Auge. INTERNET Auch dies ist nach Aussage des Bürgermeisters „ein ganz schwieriges Thema“. Der vor Jahren realisierte Breitbandausbau sei heute schon wieder überholt. Überall in der Stadt habe die Telekom die Kabelverzweiger aufgerüstet und die Geschwindigkeit damit deutlich erhöht, „nur in einem Bereich, der dazwischen lag, nicht.“ Betroffen ist die Vorwahl 0 52 57, die auch Stukenbrock-Senne hat. Die Stadt stellte mit anderen Betroffenen einen Förderantrag, der jetzt bewilligt worden ist. „Es steht aber noch nicht fest, wo im Kreis Gütersloh begonnen wird.“ Mit etwas Glück in der zweiten Hälfte 2018, schlimmstenfalls erst im Jahr 2020. „Wir führen mittlerweile Gespräche auch mit anderen Anbietern“, betonte Erichlandwehr. Hermann-Josef Brummelte rief alle Stukenbrock-Senner auf, ihre Breitbandgeschwindigkeit zu unterschiedlichen Tageszeiten zu messen (www.breitbandmessung.de) und die Ergebnisse per Mail an die Adresse unserdorf@stukenbrocksenne.de zu schicken. „Wir leiten sie dann gebündelt weiter.“ SENIOREN Christiane Vornholt, seit knapp einem halben Jahr Leiterin des Fachbereichs Soziales bei der Stadt, berichtete von einer Fragebogenaktion „Älter werden in SHS“ zu den Themen Mobilität, Freizeit, Wohnsituation, die sich an alle Bürger ab dem 60. Lebensjahr richtet. 6.873 Briefe würden demnächst verschickt. Rückantworten sind bis zum 15. Mai möglich. „Die Ergebnisse werden zusammengefasst und präsentiert.“ Mit den Bürgern soll darüber diskutiert, Handlungsempfehlungen entwickelt und ein Plan erstellt werden. „Nutzen sie die Chance, sich für die Zukunft aufzustellen“, legte die Fachleiterin den Betroffenen ans Herz. TRUPPENÜBUNGSPLATZ Peter Rüther, Vorsitzender der Biologischen Station Paderborn/Senne, konnte keine konkreten Aussagen zur Zukunft des Truppenübungsplatzes machen. „Ich weiß es nicht, die Entscheidungen werden auf höchster politischer Ebene, und auch nicht in Deutschland, sondern in England getroffen.“ Die militärische Nutzung habe aber absoluten Vorrang. Rüther beschrieb drei Aufgaben: Monitoring, praktische Landschaftspflege und Öffentlichkeitsberatung. Auch außerhalb des Platzes werde gearbeitet, nannte Rüther etwa das Projekt „Senne für alle Sinne“ in enger Kooperation mit den Kommunen. Naturerlebnispunkte sollen miteinander verbunden und neue geschaffen werden. Beispielsweise Heideflächen außerhalb des Schutzgebietes, kleine Bach- oder Sandabschnitte, die Besucher aktiv nutzen können sollen. Hier seien aber noch Gespräche nötig. GEDENKSTÄTTE Geschäftsführer Oliver Nickel berichtete von gut 50.000 Besuchern in den vergangenen 25 Jahren und 30.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Die finanzielle Situation habe sich verbessert, die räumliche Situation sei nach wie vor „katastrophal“. Ein Lenkungskreis sei gebildet worden, der sich mit der Weiterentwicklung beschäftige. Derzeit werde an einem Konzept gearbeitet. „Wir müssen uns vergrößern und möchten das ehemalige Entlausungsgebäude nutzen“, sagte Nickel. Bundesfördermittel gebe es nur im Kontext historischer Gebäude. „Außerhalb des Geländes, das ist für uns nicht vereinbar.“ Die Idee eines Gedächtnisweges vom Friedhof zur Gedenkstätte hält Nickel für sehr gut. Hier soll es eine enge Zusammenarbeit mit den Stukenbrock-Senner geben. FORELLKRUG Eigentlich hatte Eigentümer Wolfgang Gerdemann persönlich kommen wollen, schaffte es aber wegen eines anderen Termins nicht rechtzeitig. Also gab Hermann-Josef Brummelte Auskunft und konstatierte: „Die Situation ist nach wie vor schwierig.“ Ziel sei es, die Dorfmitte mit einem neuen Gastronomiekonzept attraktiver zu machen. Das klassische Landhaus mit Saalbetrieb sei aber nur schwer umsetzbar und einen Hotelbetreiber zu finden, sei auch nahezu aussichtslos. Inklusionshotel oder altersgerechtes Wohnkonzept das könnten Lösungsansätze sein. „Das alles muss aber analysiert und bewertet werden.“ Eine Besucherin regte aufgrund massiv fehlender Kurzzeitpflegeplätze ein sogenanntes Pflegehotel an.

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