Protest: Seit fast einem Jahr hängt inzwischen das große Plakat „Industriegebiet Stukenbrock-Senne? Hier nicht!“ an einer Scheune an der Paderborner Straße. Es soll nicht die letzte Aktion gewesen sein, um das Gewerbegebiet noch abzuwenden. archiv - © Foto: Birgit Guhlke
Protest: Seit fast einem Jahr hängt inzwischen das große Plakat „Industriegebiet Stukenbrock-Senne? Hier nicht!“ an einer Scheune an der Paderborner Straße. Es soll nicht die letzte Aktion gewesen sein, um das Gewerbegebiet noch abzuwenden. archiv | © Foto: Birgit Guhlke

Schloß Holte-Stukenbrock Trügerische Ruhe in Stukenbrock-Senne

Interkommunales Gewerbegebiet: Empörte Anwohner, die sich gegen Industrieansiedlungen vor ihrer Haustür wehren, wollen ihre Protestaktionen fortsetzen. Die Stadt hat aber schon ein erstes Grundstück gekauft

Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Stadtverwaltung zweifelt nicht im geringsten daran, dass das in Stukenbrock-Senne geplante Interkommunale Gewerbegebiet Wirklichkeit wird. Das betont Bauamtsleiter Werner Thorwesten auf Anfrage der Neuen Westfälischen. Er reagiert auf Gerüchte, die in Stukenbrock-Senne kursieren: Der Stadt würden 30.000 Quadratmeter Ausgleichsfläche fehlen, und deshalb würde es nie etwas mit dem Gewerbegebiet. Thorwesten bleibt gelassen. Noch sei gar nicht ermittelt, wie viel Ausgleichsfläche für den 53 Hektar großen Bereich benötigt werde, sagt er. Aber es würden sicherlich mehr als 30.000 Quadratmeter werden. Stemmen müssen das alle beteiligten Kommunen, also neben SHS auch Hövelhof und Augustdorf. Wie berichtet, hätte die Ratsmehrheit ein Gewerbegebiet am Kreuzkrug bevorzugt. Allerdings stellte sich die Bezirksregierung quer, die ein Interkommunales Gewerbegebiet wollte, auch weil sie bei der Gemeinde Hövelhof noch im Wort stand. Um die Chancen auf Genehmigung bei der damals rot-grünen Landesregierung noch zu verbessern, wurde auch Augustdorf ins Boot geholt.„Wir sind in Lauerstellung“ Übrigens sehr zum Ärger von SHS und Hövelhof. Nachdem die Planungen konkreter wurden und die Gewerbepark Senne GmbH gegründet worden war, meldeten sich betroffene Nachbarn zu Wort. Vor einem halben Jahr hatten Stukenbrock-Senner, die sich gegen das Gewerbegebiet vor ihrer Haustür wehren, knapp 600 Unterschriften gesammelt und beim Bürgermeister abgegeben. Seither herrscht Ruhe, offenbar eine trügerische. „Das wird jetzt wieder losgehen“, sagt die Aktive Birgit Grünke. „Wir sind in Lauerstellung und haben noch ein, zwei Ideechen.“ Derweil verhandelt die Stadt mit den verkaufswilligen Grundstückseigentümern. Bauamtsleiter Werner Thorwesten kann einen ersten Abschluss über den Kauf einer kleineren Fläche vermelden, weitere drei, vier Zusagen lägen bereits vor, sagt er. Sechs Grundstückseigentümer, die im Besitz von 19 der 53 Hektar sein sollen, haben der Stadt vor einem dreiviertel Jahr sehr deutlich mitgeteilt, dass sie weder verhandeln noch verkaufen wollen.Mit der Ruhe wär's dann wohl vorbei Zu ihnen gehört Annette Auster-Müller, Betreiberin des Campingplatzes „Am Furlbach. An ihrer ablehnenden Haltung hat sich nichts geändert. Auster-Müller lebt zwar in Gütersloh, aber „man hat auch Verantwortung für das, was man geerbt hat“, sagt sie, nämlich den Campingplatz, der an das Gewerbegebiet mehr oder weniger angrenzt, und Grundstücke an der Paderborner Straße. Ein Industriepark vor den Toren der Senne zerstört ihrer Ansicht nach die Landschaft und biete keinerlei Vorteile für die Bewohner des Ortsteils. Im Gegenteil: Schließlich seien die meisten nach Stukenbrock-Senne gezogen, um ihre Ruhe zu haben. Mit der wäre es dann für die meisten wohl vorbei. Auch den Campingplatz, den sie nach dem Tod ihrer Schwester Roswitha übernommen hat, sieht sie in Gefahr. „Natur pur“ sei der Slogan ihres Betriebes, und der passe dann ja wohl kaum noch, wenn ein Industriegebiet in Sichtweite ist. 10.000 Touristen locke der Campingplatz pro Jahr mit Leichtigkeit an. Das bringe der Stadt Kaufkraft und Imagegewinn, und beides ist aus ihrer Sicht durchaus rettenswert. Von der Stadt hat sie „schon ewig nichts mehr gehört“. Denn die kümmert sich erst einmal um die anderen Grundstückseigentümer und hofft, dass es sich der ein oder andere Verweigerer dann doch noch überlegt.

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