Schon lange lotsenlos: Der Tower auf dem verwaisten Flugplatz an der Marienfelder Straße. - © Patrick Menzel
Schon lange lotsenlos: Der Tower auf dem verwaisten Flugplatz an der Marienfelder Straße. | © Patrick Menzel

Gütersloh Das plant die Stadt für den Flugplatz an der Marienfelder Straße

Rainer Holzkamp

Gütersloh. Strom und Heizung abgeknipst; Instandhaltung auf äußerster Sparflamme. Derlei Umstände beschleunigen naturgemäß den Verfall baulicher Substanz. Auch solcher, die sich bis dahin kaum etwas anhaben ließ, weil sie militärischen Zwecken diente und überhaupt genutzt wurde. Und auch solcher, die eigentlich als erhaltenswert, weil von historischer Bedeutung, eingestuft wurde. Vor diesem Hintergrund fragen sich Vorbeifahrende auf der Marienfelder Straße und Besucher immer öfter und immer sorgenvoller: Wann geht?s denn nun los mit der Konversion auf dem Flughafen, der korrekterweise als Flugplatz bezeichnet werden muss, weil er militärischen und nicht zivilen, gar touristischen Zwecken diente? Also wann? Eine eher enttäuschende Antwort auf diese Frage liefert ein von der Stadt erstelltes Dokument, das am kommenden Montag den Beratungen im Hauptausschuss zugrunde liegt. Es handelt sich um die Fortschreibung des 2016 erarbeiteten Integrierten Handlungskonzepts (IHK) zur Konversion, der Umwandlung der bis vor einem Jahr bestandenen Kaserne "Princess Royal Baracks" in ein teils zivil genutztes, teils als geschützter Naturraum definiertes Areal. Und darin steht zu lesen: "Die Zeiträume für die Abläufe im Konversionsprozess können nicht prognostiziert werden." SCHWIERIGE PROGNOSEN Zwar sind die überbauten Flächen des Flugplatzes sowie Areale nördlich der Marienfelder Straße samt Parsevalsiedlung bereits im März der Stadt im Wege der Erstzugriffsoption zum Erwerb angeboten worden. Doch sie befinden sich nach wie vor im Eigentum der Bundesanstalt BImA. Nach derzeitigem Stand, heißt es weiter, sei eine Ansiedlung gewerblicher Betriebe frühestens ab dem Jahr 2020 machbar. Freilich will die Stadt in den kommenden beiden Jahren - mit einiger Verspätung - Machbarkeitsstudien erarbeiten lassen. Außerdem liegt jetzt ein konkretes Konzept für das angepeilte Integrationsprojekt in der von zumeist anerkannten Flüchtlingen bewohnten Siedlung Parsevalstraße vor. HOFFNUNG AUF ZUSCHÜSSE Die Hoffnung besteht, dass sämtliche Vorhaben zu 80 Prozent aus Mitteln des Europäischen Fonds? für regionale Entwicklung (EFRE.NRW) gefördert werden. Von veranschlagten Gesamtausgaben in Höhe von 675.000 Euro verblieben in diesem Fall noch 138.000 als Eigenanteil, der zunächst von der Stadt aufzubringen wäre, eventuell später aber vom gemeinsam mit Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz gegründeten Gewerbepark Gütersloh GmbH erstattet wird. Im einzelnen ist folgendes vorgesehen: INTEGRATIONSPROJEKT PARSEVALSTRASSE Die Angebote sollen aufgrund der bis Ende 2019 befristeten Zwischennutzung als Quartier für Flüchtlinge Modellcharakter haben. Der Fokus liegt laut IHK-Fortschreibung auf diesen Feldern: Früh ansetzende Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien, Elternberatung, Gesundheitsberatung und Übergang von Schule und Beruf. Ein Quartiersbüro soll als Anlaufstelle für Flüchtlingsberatung und Ort der Begegnung dienen. Auch soll die Teilhabe der zurzeit 150 Bewohner an Angeboten außerhalb der isoliert gelegenen Siedlung verbessert werden. ÖKOLOGISCHE UNTERSUCHUNG Besondere Beachtung soll die künftige Übergangszone zwischen Siedlungsbereich und Freiraum finden. Hier seien die gegenseitigen Wechselwirkungen zwischen dem vorgesehenen Gewerbe- und Industriegebiet auf der einen Seite sowie dem Naturschutzgebiet auf der anderen Seite zu beschreiben und Ansätze zur Konfliktlösung zu entwickeln. Stichworte: Lärm, Licht, Stickstoffeintrag, Bauhöhen. UMNUTZUNG DER GEBÄUDE Für das erhaltenswerte Gebäude des Offizierscasinos sollen verschiedene Umnutzungsvarianten im Rahmen des geplanten Gewerbegebietes entwickelt werden. Zuletzt war ein Veranstaltungszentrum angedacht. Das städtebauliche Konzept soll sich auf den Bereich des Offizierscasinos, den vorgelagerten Exerzierplatz und die umgebende Bebauung (Offiziersunterkünfte) beziehen. VERKEHRLICHE UNTERSUCHUNG Dies Projekt kommt - wie die anderen auch - zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Hier liegt der Fokus insbesondere auf der Haupt- und Nebenzufahrt zum Flughafen. Außerdem geht es um die Abbildung des übergeordneten Straßennetzes und "Optimierungsoptionen für den Fernverkehr". Auch soll die Reaktivierung der Bahntrasse für den Güter- und Personenverkehr geprüft werden. Denn der Flugplatz ist über einen 1,5 Kilometer langen Anschluss an die TWE-Strecke angebunden. WIE SCHÄTZT DIE STADT DIE LAGE EIN? Das Verfahren gehe seinen erwarteten Gang, die Erstzugriffsoption sei durch die Kommunen Gütersloh und Harsewinkel ausgelöst, das Nutzungskonzept liege der BImA zur Wertermittlung vor, sagte Stadtsprecherin Susanne Zimmermann. Dieses Gutachten nehme erhebliche Zeit in Anspruch. Stadtbaurätin Nina Herrling rechnet mit mehr als sechs Monaten. "Auch die Regionalplanung bei der Bezirksregierung läuft", sagt Zimmermann. Je nach Fortgang könnten die Kommunen ihre Bebauungspläne aufstellen.

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