Da fühlt man sich geschrumpft: Namu-Mitarbeiterin Sabine Palm (links) und Kuratorin Bärbel Auffermann auf dem größten Exponat in der Ausstellung. - © Foto: Tarek Chafik
Da fühlt man sich geschrumpft: Namu-Mitarbeiterin Sabine Palm (links) und Kuratorin Bärbel Auffermann auf dem größten Exponat in der Ausstellung. | © Foto: Tarek Chafik

Bielefeld Das Naturkundemuseum Bielefeld hat Körpergrößen im Blick

Naturkundemuseum: Die Ausstellung „Zwerge und Riesen. Eine Frage der Perspektive“ nähert sich dem Thema wissenschaftlich und zugleich verspielt. Familienfest zur Eröffnung am Sonntag

Tarek Chafik

Bielefeld. Gerade mal vier Jahrzehnte haben ausgereicht: Die Menschen in der DDR waren im Schnitt kleiner als ihre Landsleute auf dieser Seite des Eisernen Vorhangs, sagt Bärbel Auffermann. „Der Größenunterschied zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen war vor allem auf die Versorgungslage zurückzuführen“, erläutert die stellvertretende Leiterin des Neanderthal-Museums in Mettmann Inhalte einer neuen Ausstellung, die ab Sonntag für acht Wochen im Bielefelder Naturkundemuseum (Namu) zu sehen ist. Titel der Schau: „Zwerge und Riesen. Eine Frage der Perspektive.“ Es ist ein häufiger Perspektivwechsel, der auf knapp 150 Quadratmetern geboten wird. Die Ausstellung nährt sich dem Thema auf wissenschaftlicher Ebene anhand zahlreicher archäologischer Funde, darunter auch eines Schädels des Homo Floresiensis, einem unserer Vorfahren, der es vor rund 1,5 Millionen Jahren gerade mal auf einen Meter Größe brachte. Andere Funde wurden in der Vergangenheit gerne mal Zwergen und Riesen zugeschrieben, weil schlichtweg die Kenntnis fehlte, sie einzuordnen. Das galt wohl auch für jenen mächtigen Zahn eines Mammuts, der, so Auffermann, „für die Hinterlassenschaft eines Riesen gehalten wurde“. Eine ganz andere Perspektive bietet jener Raum, in dem ein Stuhl errichtet ist mit einer Sitzhöhe von 1,50 Metern und einer Lehne, die 2,70 Meter nach oben ragt – Draufsetzen erbeten. „Der Besucher bekommt angesichts dieses monumentalen Alltagsgegenstandes zwangsläufig einen ganz anderen Blick auf seinen eigenen Körper“, sagt Auffermann. Nur wenige Schritte entfernt haben die Gäste die Möglichkeit, den eigenen Oberschenkelknochen zu vermessen, um anschließend mit einer Formel die eigene Körperhöhe bestimmen zu können. Wer möchte, kann sich hier aber auch auf Sitzkissen niederlassen und sich Märchen anhören, oder aber, und das dürfte vor allem jüngere Gäste erfreuen, sich als Riese oder Zwerg verkleiden. Gleich nebenan findet sich ein Jugendzimmer, in das sich Besucher begeben können, um das Thema von Riesen und Zwergen in der Literatur zu entdecken – etwa in den Harry Potter-Romanen, in griechischen Sagen oder in Märchenbüchern. Schließlich gibt es noch die Perspektive der Kleinwüchsigen. Dazu zählt die Fotografin Anna Spindelndreier, die selbst 1,20 Meter groß ist. Ihre Bilder machen deutlich, dass der Briefkasten oft zu hoch hängt, der Tresen zu groß ist und der Einkaufswagen von Kleinwüchsigen nicht benutzt werden kann. Auf anderen Fotos wiederum sind nur die Porträts Kleinwüchsiger abgebildet, die auf Texttafeln ihre Alltagsprobleme schildern. Dass die vielfältig sind, davon weiß Hans-Peter Wellmann zu berichten. Er ist stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes kleinwüchsiger Menschen. Dessen Mitglieder setzen sich dafür ein, auf die Probleme kleinwüchsiger Menschen aufmerksam zu machen und ihre Situation zu verbessern. Dies sei dringend erforderlich, so Wellmann“, „immerhin ist unsere Welt für Menschen ab 1,70 Meter aufwärts konzipiert.“

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