Unzufrieden: Melanie Dittmer mit Dunja Hayali. - © Barbara Franke
Unzufrieden: Melanie Dittmer mit Dunja Hayali. | © Barbara Franke

Bielefeld Melanie Dittmer wirft Dunja Hayali Überrumpelung vor

Nach der Neonazi-Demo: Die umstrittene Rednerin des "Bielefelder Bürgerwillens" beschwert sich über die Taktik des ZDF

Jens Reichenbach

Bielefeld. Melanie Dittmer, Provokateurin und Rednerin der Neonazi-Demo vom "Bielefelder Bürgerwillen", kannte die ZDF-Journalistin Dunja Hayali nicht und zeigte sich nun nach der Bielefelder Demo überrascht, mit welchen Fragen sie vor der Kamera konfrontiert wurde. "Erst waren die Redakteure supernett, aber dann haben die mich überrumpelt", berichtete sie im Gespräch mit der Lokalredaktion: "Ich sehe kein fern und habe erst nachher über Google erfahren, dass die Frau ja total links und 'pro refugee'" ist", sagte Dittmer über Hayali. Sie fühle sich vom ZDF überrumpelt, da Hayali ganz zum Schluss erst Fragen gestellt habe, die die Stoßrichtung der Berichterstattung erahnen ließen und Dittmer wütend gemacht hätten: "Sie hat gefragt: 'Wie finden Sie Juden'? Und ob wir uns verantwortlich fühlen für die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte? Daraufhin habe ich das Interview abgebrochen." Hätte man Melanie Dittmer vorher gesagt, dass die Reportage - wie berichtet - unter dem Titel "Woher kommt der Hass?" geplant war, hätte Dittmer der TV-Begleitung der Demo nicht zugestimmt. "Ich hasse nicht. Ich akzeptiere nur die aktuelle Politik nicht." Frauke Petry von der AfD soll dem ZDF zuvor abgesagt haben. Dittmer hatte vor allem Hayalis Frage nach ihrer Position zu den Juden nicht verstanden. Dabei hatte sie erst im Juni auf ihrer Facebook-Seite dazu aufgerufen, Stolpersteine zum Gedenken an die jüdischen Opfer des NS-Regimes mit quadratischen Zetteln zu überkleben, auf denen "deutsche Opfer der Gegenwart" vermerkt sind. Diesen Aufruf hätte sie als Provokation initiiert, um möglichst große Aufmerksamkeit zu erhalten. Während der Bielefelder Demo konnte sie die Frage des ZDF nicht mit ihrer Provokation in Zusammenhang bringen. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes aus Aachen hat hingegen Strafantrag gegen Dittmer wegen der Verunglimpfung des Ansehens Verstorbener und Volksverhetzung gestellt. Dittmer war erst im April in Düsseldorf wegen der Störung des religiösen Friedens verurteilt worden. "Vorbestraft bin ich deswegen aber nicht", betont Dittmer und widerspricht damit einem NW-Bericht. "Ich bin in Berufung gegangen und deshalb ist das Urteil noch nicht rechtskräftig." Der "ZDFdonnerstalk" mit der Demo-Reportage aus Bielefeld ist geplant am 28. Juli, um 22.15 Uhr.

realisiert durch evolver group