In Bielefeld demonstrierten etwa 1.000 Teilnehmer beim Ostermarsch für den Frieden.  - © Barbara Franke
In Bielefeld demonstrierten etwa 1.000 Teilnehmer beim Ostermarsch für den Frieden.  | © Barbara Franke

Bielefeld Ostermarsch: 1.000 Menschen demonstrieren in Bielefeld für den Frieden

Kurt Ehmke

Bielefeld. Der Ostermarsch kehrte 2014 zurück nach Bielefeld – nach zwei Jahren Pause und am Ende nur noch knapp 100 Teilnehmern. In den folgenden Jahren dann kamen jeweils mehrere Hundert, an diesem Ostersamstag erstmals laut Polizei wieder 1.000 Teilnehmer. Jürgen Bäumer von der IG Metall tut das gut. Er verkauft an einem Stand Kuchen, hoffte „auf 500 Menschen". Gut erinnert er sich noch an Zeiten, als es 2.000 bis 3.000 waren, dann aber sanken Rüstungsausgaben, sanken Kriegsängste. Das ist nun vorbei. Bäumer: „Dass die Nato vorrückt und die Bundeswehr wieder 140 Kilometer vor Petersburg steht, das macht mir und meinem Sohn Sorgen." Er wolle Zeichen setzen, auch gegen Militärausgaben seines Heimatlandes in Höhe von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes – „das wäre ja fast eine Verdopplung", so der 60-Jährige am Stand. "Dramatische Entwicklung" „Das Geld wird dringend in sozialen Bereichen gebraucht – und in der Bildung." Es sei ja nicht Geld genug da, sondern es werde hier gespart um die Bundeswehr aufzurüsten. Die Resonanz am Stand? „Positiv." Applaus erhält auch Angelika Claußen, jüngst mit dem NW-Frauenpreis ausgezeichnete Vorstandsfrau und Europavorsitzende des Vereins „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges". Sie geißelt die weltweite neue Aufrüstungsspirale im Bereich der Atomwaffen, die neue US-amerikanische Atomwaffenstrategie sei „eine Blaupause für den Atomkrieg". Lange verdrängte Wirklichkeiten gerieten wieder in den Fokus, die Modernisierung der Atomwaffenarsenale Russlands und der USA sei dramatisch. Beide würde über 14.000 der weltweit 15.000 Atomsprengköpfe verfügen, beide gefährdeten mit dem Anspruch auf taktische und kleinere, einsetzbare Atomwaffen den Weltfrieden. Diese lägen aber um 70 Prozent oberhalb der Wucht der Hiroshima-Bombe, ordnet Claußen die Realitäten ein. Ebenfalls empörend findet sie, dass sich im Syrienkonflikt drei Atommächte gegenüberstehen – „und das kaum einer zum Thema macht". Murat Cakir von der Rosa-Luxemburg-Stiftung empört sich als Redner anschließend darüber, dass „die Medien uns als ewiggestrige Friedensapostel diskreditieren" und warnt: „Wir rauben den Kriegstreibern die Osterruhe, wir haben die moralische Kraft, uns gegen Armeen und Staaten zu stellen". Denn: „Die Mehrheit der Menschen in Deutschland ist gegen Kriege."

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