Die Ultras der Arminia zünden mitten im Gästeblock zahlreiche bengalische Fackeln und Rauchtöpfe. - © Getty Images / Thomas Starke
Die Ultras der Arminia zünden mitten im Gästeblock zahlreiche bengalische Fackeln und Rauchtöpfe. | © Getty Images / Thomas Starke

Bielefeld Arminia-Ultras zünden in Bochum kiloweise Knaller und Bengalos - zwei Polizisten erleiden Knalltrauma

Die Bochumer Polizei spricht von einem enorm großen Einsatz von Pyro-Technik. Beamte sichern 3 Kilo Polen-Böller und Raketen. Drei Bielefelder wegen Körperverletzung angezeigt

Jens Reichenbach

Bielefeld/Bochum. Pyro und Ausschreitungen beim Zweitligaspiel in Bochum. Ungewöhnlich massiv sollen Bielefelder Fans am Montag vor dem Fußballspiel zwischen dem VfL Bochum und Arminia Bielefeld Pyrotechnik gezündet und dabei auch Polizisten verletzt haben. Die Polizei sprach von einem massiven Abbrennen von Pyrotechnik durch DSC-Anhänger auf dem Weg vom Bochumer Hauptbahnhof zum Stadion. Zwei Beamte der Hundertschaft, neben denen Knaller explodiert waren, erlitten dabei ein Knalltrauma. Es kam sogar zu Auseinandersetzungen zwischen Bielefelder Hooligans und der Polizei. Volker Schütte, Sprecher der Bochumer Polizei, zitierte am Dienstag einen Kollegen, der schon lange Fußballeinsätze in Bochum begleitet: "So etwas habe ich seit 20 Jahren noch nicht erlebt. Bochum war zeitweise hell erleuchtet." Kiloweise Pyrotechnik: Die müssen vorher Depots angelegt haben Was war passiert? Die DSC-Anhänger zündeten vor dem Spiel - auf dem etwa zwei Kilometer langen Weg vom Hauptbahnhof zum Stadion - eine riesige Menge von von Raketen, Knallern, Polen-Böllern und Bengalos. "Wir gehen davon aus, dass die Fans vorher Depots mit Pyrotechnik in Bochum angelegt hatten", so Schütte. Denn die Polizei hatte die 750 Fans, die per Sonderzug Bochum erreicht hatten (laut Polizei darunter 150 bekannte Problemfans), den ganzen Weg über begleitet. Ein Entschärfer der Bundespolizei, die als Verstärkung zum Einsatz der Hundertschaften dazugestoßen war, stellte später allein 3 Kilo Pyrotechnik sicher, die nicht zur Zündung gekommen war. "Das waren keine harmlosen Knaller - großteils nicht zugelassene Pyrotechnik", so der Polizeisprecher. Konfrontationsgeschichte war Ursache für ungewöhnlichen Auftritt Zwei Polizisten der Einsatzhundertschaft erlitten bei der Explosion der Polen-Böller ein Knalltrauma. "Sie blieben aber zum Glück dienstfähig", erklärte Schütte. Ole Wolff vom Bielefelder Fan-Projekt bestätigte, dass auf dem Marsch zum Stadion Raketen, Bengalos und Böller gezündet wurden. "Das Gefährliche sind leider die Böller." Der Fanexperte betonte, dass die jüngste Konfrontationsgeschichte zwischen VfL- und Arminia-Fans (siehe Info-Kasten) sicherlich Ursache für den ungewöhnlichen Auftritt der Fans gewesen sei. Lob äußerte Ole Wolff zum Fantrennungs-Konzept der Polizei: "Auch wenn einige Beamte spürbar unentspannt waren und es von beiden Seiten Provokationen gab, hat sich die Polizei sehr diszipliniert verhalten." Der Marsch der Gäste zum Stadion sei sehr kompakt geführt worden, Konfrontationen mit verfeindeten Bochum-Fans seien nicht möglich gewesen. Strengere Kontrollen: Viele Fans kamen viel zu spät ins Stadion "Das war sehr gut. Denn im Vorjahr war die Situation in Bochum eskaliert." Damals hatten VfL-Anhänger die Gäste auf dem Heimweg attackiert. Später kam es dann zu Ausschreitungen von DSC-Anhängern und einem Schlagstockeinsatz der Polizei. Wolff: "Ich würde mir wünschen, dass bei diesem Derby bald wieder das Sportliche im Vordergrund steht." Negative Folge des Pyro-Auftritts für einen Großteil der 2.100 Bielefelder Gästefans: "Viele kamen wegen der strengen Sicherheitskontrollen vor dem Stadion erst gegen 21 Uhr ins Stadion", erklärte Polizeisprecher Schütte. Da lief das Spiel bereits eine halbe Stunde. Doch auch während des Spiels gaben einige der DSC-Anhänger ein mehr als negatives Bild ab. Gegen 21.35 Uhr - also zu Beginn der zweiten Halbzeit - brannten Ultras insgesamt 16 bengalische Fackeln im Block E2 ab, so die Polizei. Entsprechende Anzeigen wurden von der Polizei gefertigt, die Auswertung des Videomaterials aus dem Stadion durch szenekundige Beamte laufe noch. "Einige haben sich nur von ihrer schlechten Seite gezeigt" Die Polizeibilanz des Gästeauftritts lautet: Sieben Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz, eine Anzeige gegen einen Bielefelder wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Polizeibeamte, zwei Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung und eine Anzeige wegen Beleidigung. Ein Bielefelder kam laut Schütte noch vor dem Spiel in Gewahrsam und durfte die Zelle erst nach dem Spiel wieder verlassen. Er wurde um 23.36 Uhr in den Sonderzug nach Bielefeld gesetzt. "Die Bielefelder Fußballer haben hier stark gespielt und 1:0 gewonnen. Aber einige Gäste haben sich nur von ihrer schlechten Seite gezeigt", resümierte Polizeisprecher Volker Schütte. Auch für den gerade erst durch ostwestfälische Unternehmer finanziell geretteten Profiverein wird die immense Pyroshow Folgen haben. Eine große Zahl gezündeter Rauchtöpfe und drei Raketenbatterien am 21. Oktober 2017 im Gästeblock von Holstein Kiel haben Arminia Bielefeld erst am 24. Januar eine Geldstrafe des DFB in Höhe von 15.000 Euro eingebrockt. Die nächste Strafe des DFB für Arminia dürfte nun deutlich höher sein Der Verein schrieb daraufhin: "Arminia ruft seine Fans dringend dazu auf, sich ihren überwiegend fairen Sportsgeist gegenüber allen Stadionbesuchern zu bewahren und Fehlverhalten dieser Art unbedingt zu vermeiden. Unnötige, vermeidbare Geldstrafen dieser Größenordnung schaden dem Verein und belasten ihn spürbar." Die Strafe für die Pyrovergehen in Bochum dürfte erfahrungsgemäß nun deutlich höher liegen.

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