Literatur und Musik an besonderen Orten – das ist das Konzept von „Wege durch das Land" – hier eine Veranstaltung an der Antoinettenburg, Schloss Rheder. - © Literaturbüro
 Literatur und Musik an besonderen Orten – das ist das Konzept von „Wege durch das Land" – hier eine Veranstaltung an der Antoinettenburg, Schloss Rheder. | © Literaturbüro

Kultur „Wege durch das Land“ erneut in Gefahr

Kulturfestival: Bielefelds Oberbürgermeister informiert Ausschuss über mögliche Insolvenz

Andrea Rolfes
Stefan Brams

Bielefeld. Das renommierte Literatur- und Musikfestival „Wege durch das Land" (WddL) droht erneut in eine Schieflage zu geraten. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) am Abend im Hauptausschuss der Stadt vorgetragen hat. Dort heißt es: „Unsicherheiten können erneut unter Umständen dazu führen, dass die gGmbH WddL zahlungsunfähig und damit insolvent wird." Die Stadt Bielefeld gehört zu den acht Gesellschaftern der WddL gGmbH und müsste wie die anderen Gesellschafter dann auch erneut Gelder nachschießen, um die Insolvenz zu verhindern. Was auch der Grund für Clausens Mitteilung an die Ausschuss-Mitglieder war. Debattiert wurde dazu nicht. Ob die Härtefallregelung noch greift, ist unklar Wie berichtet, müsste die gGmbH für die Jahre 2013 bis 2015 eigentlich Fördermittel in Höhe von rund 390.000 Euro an das Land zurückzahlen. Ursache: nicht ordnungsgemäß abgerechnete Landes-Fördergelder durch die ehemalige Künstlerische Leiterin Brigitte Labs-Ehlert. Dank einer Härtefallregelung werden aber wie bereits berichtet nur 156.00 Euro fällig. Clausen weist nun in seinem Papier daraufhin, dass offenbar unklar ist, ob für das Jahr 2013 überhaupt die Härtefallregelung in Betracht kommt – was eine höhere Rückzahlung zu Folge hätte. Gründe für seine Annahme nennt er nicht. Zweitens macht Clausen deutlich, dass für die Jahre 2014 und 2015 eine Vermögensschadensversicherung besteht, die die Rückzahlungsforderung übernehmen könnte. Er weist aber auch darauf hin, „dass es darüber keine gesicherten Erkenntnisse gibt". Laut Informationen dieser Zeitung würde die Bezirksregierung bei Übernahme der Kosten durch die Versicherung allerdings die Härtefallregelung aussetzen. Damit müssten die Gesellschafter trotz Versicherung dennoch zahlen. Defizit von 78.000 Euro Clausen erwähnt noch ein drittes Risiko, das er so umschreibt: „Schließlich gibt es noch Unsicherheiten über die finanziellen Verpflichtungen im Rahmen der laufenden Geschäftsführung." Daher sei ein „Kassensturz" erforderlich, „um die Insolvenz der gGmbH beurteilen zu können." Wie zu hören ist, soll ein Defizit von 78.000 Euro aufgelaufen sein. Auch dieses müsste durch die Gesellschafter ausgeglichen werden, gefährdet es doch eine erneute Förderung von WddL durch das Land. Das hatte eine zuverlässige und ordentliche Geschäftsführung als Voraussetzung für eine Wiederaufnahme der Förderung angemahnt.

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