Streit um Kollegahs "Zuhälter-Rap"

Kritiker fordern Absage des Auftritts in Bielefeld

Der deutsche Rapper Kollegah, mit bürgerlichem Namen Felix Blume, betitelt seinen Stil als "Zuhälter-Rap". - © FOTO: SCHROEDER
Der deutsche Rapper Kollegah, mit bürgerlichem Namen Felix Blume, betitelt seinen Stil als "Zuhälter-Rap". | © FOTO: SCHROEDER
Streit um Kollegahs "Zuhälter-Rap" - © KULTUR
Streit um Kollegahs "Zuhälter-Rap" | © KULTUR

Bielefeld. "Porno"- und "Gangsta"-Rap, frauenverachtende, sexistische und reaktionäre Ideologien, Diskriminierung von Homosexuellen – die Texte des Musikers Kollegah strotzen vor Egozentrik und Tabu-Brüchen. Am Freitag, 16. Dezember, soll der Deutsch-Rapper im Bielefelder "Kamp" auftreten – jetzt werden Forderungen laut, das Konzert zu kippen.

Ein offener Brief mit der Forderung an das Kulturkombinat JZ Kamp, Stellung zu beziehen und das Konzert abzusagen, lag vor einigen Wochen im Briefkasten des Programmverantwortlichen Cayan Cankatli. Unterschrieben vom AStA der Uni und der FH Bielefeld, des Feministischen Referats, der AntiKnastGruppe und der Autonomen Antifa Bielefelds. "Wenn jemand frühzeitig das Gespräch gesucht hätte, wären wir zu Verhandlungen und einer anderen Lösung bereit gewesen", sagt Cayan Cankatli, der für das Programm des Kamp verantwortlich ist. Jetzt, zwei Wochen vor dem Konzert, gebe es kaum Spielräume mehr für einen Konsens.

"Kollegah polarisiert, überschreitet Grenzen, bricht Tabus durch Provokation. Aber das ist die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen, die hierher kommen", sagt Cankatli. Für ihn und seinen Verein des Kulturkombinats sei klar, dass sie sich nicht vom Künstler distanzieren werden. "Wir stellen uns nicht als Richter auf."

Felix Blumes fragwürdige und verachtende Inhalte

Denn die Texte des 26-jährigen Rappers, der den bürgerlichen Namen Felix Blume trägt, stünden auf keinem Index und würden nicht gegen Gesetze verstoßen. Außerdem, so betont Cankatli, seien viele Texte, gerade auch alternativer Bands, ebenso voll von gewaltverherrlichenden und sexistischen Inhalten. "Aber die sagen es nicht so direkt oder auf englisch."

Das ansonsten anspruchsvolle und abwechslungsreiche Programm des Kamp generiere wenig Einnahmen, so Cankatli. Da müssten solche Konzerte her, die die anderen finanziell abfingen. "Auch wenn das nicht zum Geschmack des gesamten Vereins passt", sagt Cankatli. "Wir finanzieren uns immerhin über eigene Einnahmen."

Für die studentischen Initiativen ein Hohn. In ihrem offenen Brief schreiben sie: "Enttäuschend mussten wir feststellen, dass das Kulturkombinat des JZ Kamp anscheinend doch keine Probleme damit hat, Rappern wie Kollegah eine Bühne für ihre mehr als fragwürdigen und verachtenden Inhalte zu geben." Und im Grunde ist die ganze Situation, die öffentliche Aufregung und Diskussion genau das, was die Berühmtheit des Rappers aufwertet. "Uns ist bewusst, dass die öffentliche Entrüstung über die Texte verschiedener Rapper Teil ihrer Marketingstrategie ist", heißt es im Brief.

Flugblätter mit verbalen Angriffen

Zu spät, denn mittlerweile hat sich sogar das Jugendamt beim Kulturkombinat JZ Kamp gemeldet und um ein Gespräch gebeten. "Das wird in den nächsten Tagen stattfinden", sagt Cayan Cankatkli. Dienstagnachmittag war das Jugendamt für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Am Mittwoch wird das Kulturkombinat JZ Kamp eine Stellungnahme auf der Homepage veröffentlichen.

Cankatli ärgert sich vor allem über die Art der Kritik: Flugblätter mit verbalen Angriffen hätten mittlerweile das JZ Kamp erreicht und seien seiner Aussage nach auch in der Uni verteilt worden. "Mit einem frühzeitigen, freundlichen Gespräch hätte die Sache nicht so eskalieren müssen, wie sie es jetzt ist."

Copyright © Neue Westfälische 2016
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group