Was haben tote Schafe mit vermissten Kindern zu tun? Um solche rätselhaften Fragen dreht sich "Dark", die erste deutsche Serienproduktion, die ab 1. Dezember auf Netflix zu sehen ist. - © Netflix
Was haben tote Schafe mit vermissten Kindern zu tun? Um solche rätselhaften Fragen dreht sich "Dark", die erste deutsche Serienproduktion, die ab 1. Dezember auf Netflix zu sehen ist. | © Netflix

TV & Film "Dark" startet auf Netflix: So düster, so deutsch

Erste deutsche Serien-Produktion beim US-Streamingdienst

Angela Wiese

Darauf haben Serien-Fans lange gewartet. Am 1. Dezember startet mit "Dark" die erste deutsche Serienproduktion beim Streamingdienst Netflix. "Dark" kann mithalten mit internationalen Produktionen. Und ist doch typisch deutsch. "Dark" spielt in Winden im Schwarzwald, einer Kleinstadt, die zum Schauplatz mehrerer Verbrechen wird. Die Mystery-Serie dreht sich um vier Familien, vermisste Kinder und wie deren Schicksale miteinander verwoben sind. Wer nun befürchtet, Regisseur Baran bo Odar (Who Am I - Kein System ist sicher) könnte sich bei den Dreharbeiten für die Serie allzu sehr an internationalen Produktionen des Streamingdienstes orientiert haben, der irrt. Das gehört zu den starken Seiten der Serie: Sie ist nicht austauschbar, sie kann nicht überall spielen. "Dark" ist eine echte deutsche Serie. Kein Abklatsch von "Stranger Things" Dieser Eindruck entsteht zum einen beim Anblick der Kleinstadt. Die Dreharbeiten liefen zwar nicht tatsächlich im Schwarzwald, wie die Bilder suggerieren, sondern hauptsächlich in Berlin. Wer sich "Dark" anschaut, wird aber schon nach wenigen Minuten denken: "Jap, das ist Deutschland." Das liegt an der Kulisse. Wenn Schüler Jonas (großartig gespielt von Louis Hofmann) mit seinem Fahrrad die leere Landstraße entlang fährt, am Mischwald vorbei, hinter dem die Türme eines Kraftwerks auftauchen zum Beispiel. Oder wenn sich aufgebrachte Eltern zur Versammlung vor einer Kletterwand-Kulisse in der Schulsporthalle treffen. Oder auch schon wenn der ständige Regen für tiefe Pfützen auf den Pflasterstraßen sorgt. Zum anderen spielen in der Serie neben Jungschauspielern wie Louis Hofmann und Lisa Vicari bekannte deutsche Schauspieler wie unter anderem Karoline Eichhorn, Jördis Triebel, Oliver Masucci und Mark Waschke die Hauptrollen. Übrigens ist "Dark" kein Abklatsch der Erfolgsserie "Stranger Things", wie man im Vorfeld vermutet hatte, weil es sich wieder um eine Mystery-Serie handelt. Dafür fehlt so etwas wie Goonie-Power, die lockeren und emotionalen Freundschaftsmomente, die "Stranger Things" ausmachen. Spannung am Limit Solche Momente bietet "Dark" zumindest in den ersten drei Folgen, die Netflix Medien vorab zur Verfügung stellt, nicht. Im Gegenteil. Von Beginn an wird die Spannung hochgetrieben. Die schrägen Geigen im Hintergrund, die nahezu permament im Sorgenmodus verharrenden Mienen der Protagonisten, die dunkel-gefiltert wirkende Umgebung sind stellenweise vielleicht sogar ein bisschen zu viel des Guten. Man darf gespannt sein, ob die zehn etwa einstündigen Folgen auch ein paar lockere Entlastungsmomente zu bieten haben oder ob die Spannung bis ans Ende ans Limit gedrückt bleibt. Das kann so eine Serie schon mal anstrengend machen. Man darf auch gespannt sein, ob sich diese erste deutsche Serie bei den nach Netflix-Angaben derzeit über 109 Millionen Abonnenten in 190 Ländern durchsetzen kann. Das Potenzial dafür hat sie.

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