Der Elephant Club am Bielefelder Boulevard schließt seine Türen im Februar. - © Sarah Jonek (Archiv)
Der Elephant Club am Bielefelder Boulevard schließt seine Türen im Februar. | © Sarah Jonek (Archiv)

Bielefeld Ausgetanzt: Mit dem "Elephant Club" stirbt die letzte Diskothek meiner Jugend

Als 18-Jähriger war unser Autor nahezu jedes Wochenende im „Elephant Club“. Im Februar schließt die Bielefelder Diskothek nach 13 Jahren - und damit auch das letzte Lokal dieser Zeit. Ein Abschiedsbrief.

Matthias Schwarzer

Zugegeben: Ich habe überhaupt keine Ahnung, was Du die letzten zehn Jahre so gemacht hast. Hat mich auch nicht wirklich interessiert. Ich war ja viel unterwegs. Studium, Arbeit und so. Weit weg von Zuhause. Keine Zeit. Doch als ich Anfang letzten Jahres zurück kam, habe ich mich irgendwie schon gefreut, dass Du noch da bist. Es muss so 2005 gewesen sein, da fuhren wir mit frisch gebackenem Führerschein in einem viel zu kleinen, verbeulten VW Lupo nach Bielefeld, um Dich zu treffen. Erst einmal, dann noch mal - und dann irgendwann jede Woche. Warum? Darum: Und darum: Und deswegen: Und wahrscheinlich auch, weil wir uns irgendwie für was Besseres hielten. Die Dorfdiskotheken in der Provinz waren uns schnell nicht mehr gut genug. Und Du warst irgendwie anders. So stylisch. Und Deine Musik erst. Ist Dir aufgefallen, wie sehr sich die House-Musik in 13 Jahren verändert hat? Vermutlich nicht. Du spielst ja inzwischen Black. Ist ja auch egal. Mit David Odonkor im Fahrstuhl Wenn wir uns heute mal wieder treffen, reden wir noch oft über Dich. Über die Nächte auf dem House-Floor, auf der Dachterasse oder dem Ü-40-Floor, wo man nur zum Rauchen hin ging. Da lief immer Wham. Und über die Rückfahrten im verbeulten VW Lupo, im Sonnenaufgang durch die ostwestfälische Provinz. Und über David Odonkor, den wir mal in Deinem Fahrstuhl getroffen haben und dann mit ihm in die falsche Etage gefahren sind. Und über diesen DJ mit dem komischen Fuchsschwanz, der immer dieses „Shooting Star"-Bootleg dabei hatte. Was der wohl heute macht? Und über die eine Nacht, in der uns die Autoscheibe eingeschlagen wurde. Es gibt so viele Geschichten. Manchmal finden wir alte Partyfotos und wundern uns, wie scheiße man eigentlich aussehen kann. Ich glaube, jeder hat diese Erinnerungen an seine ersten Partynächte - und an die Diskotheken seiner Jugend. An die durchzechten Nächte, an die erste Liebe, an Freundschaften, die irgendwann zerbrachen oder bis heute geblieben sind. Und an die Morgen besoffen beim Dönermann. Diskotheken verschwinden aus den Städten Spätestens ab Februar ist all das endgültig Geschichte. Nach 13 Jahren schließt Du deine Türen. Und Du bist nicht allein: Von meinen ehemaligen Stammdiskotheken existiert heute keine einzige mehr. Unzählige Kult-Clubs in NRW haben in den vergangenen Jahren dicht gemacht — zunächst die Großraumdiskotheken, später auch die kleineren. In meinem Heimatort befindet sich auf dem Gelände der einzigen Dorf-Disko heute eine Tankstelle. Vielleicht verändert sich die Feierkultur, vielleicht verlagert sie sich woanders hin. Es ist halt nicht mehr 2005. Wenn ich den Stimmen aus dem Internet glauben kann, hält sich die Trauer über Deinen Abgang einigermaßen in Grenzen. Über die Jahre hast Du Dich offenbar ziemlich verändert. Mich hingegen hat die Nachricht ein bisschen traurig gemacht. Und meine Freunde von damals auch. Auch wenn wir uns seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Wir legen jetzt 'ne Platte für Dich auf. Was willst Du hören? Ian Carey oder Fedde le Grand?

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