Die Mobbing-Beiträge waren bei Tellonym gepostet und auch bei Instagram veröffentlicht worden. - © picture alliance / NurPhoto
Die Mobbing-Beiträge waren bei Tellonym gepostet und auch bei Instagram veröffentlicht worden. | © picture alliance / NurPhoto

Netzwelt Lehrer-Mobbing in Bielefeld: So reagieren Instagram und Tellonym

Der Fall an der Ehrenberg-Schule wirft Fragen zur Verantwortung der Plattformen auf

Angela Wiese

Bielefeld. Der Fall von Lehrer-Mobbing an der Ehrenberg-Schule in Bielefeld sorgt für Aufsehen. Dort waren in anonymen Schüler-Beichten Lehrer und Mitschüler persönlich beleidigt worden. Die Schulleitung erstattete Anzeige. Doch wie reagieren die sozialen Netzwerke Instagram und Tellonym? Sind sie in der Pflicht, derart heftiges Mobbing zu unterbinden? NetzDG betrifft nicht jedes Unternehmen Trotz des im Sommer 2017 verabschiedeten Gesetzes zum härteren Vorgehen gegen Hass und Hetze im Internet sind Tellonym und Instagram nicht gleich in der Pflicht. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) ist im Oktober in Kraft getreten. Nach einer dreimonatigen Übergangsphase sind Plattformbetreiber ab dem 1. Januar 2018 verpflichtet, "offenkundig strafbare Inhalte" nach spätestens 24 Stunden und weniger eindeutig strafbare Inhalte nach spätestens sieben Tagen zu löschen. Tellonym gehört im Moment nicht zu den im NetzDG angesprochenen Plattformen, denn es hat weniger als zwei Millionen Nutzer. Laut Tellonym-CEO Maximilian Rellin sind es aktuell 800.000 aktive registrierte Nutzer. "Wir können leider nicht verhindern, dass solche Beiträge veröffentlicht werden", antwortet Rellin auf Anfrage von nw.de. Tellonym-Nutzer können jedoch unangebrachte Nachrichten melden. Diese, so Rellin, würden vom Support-Team "geprüft und entsprechend bearbeitet". Das ist auch so in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Plattform festgehalten, auf der Nutzer anderen Nutzern anonym Nachrichten hinterlassen können. Rellin betont, dass der Anteil unangebrachter Nachrichten sehr gering sei. Schnelle Reaktionen? Wie schnell das Unternehmen tatsächlich auf gemeldete unangebrachte Nachrichten reagieren kann, ist dagegen schlecht einschätzbar. Denn auch wenn Tellonym noch deutlich weniger Nutzer zählt als beispielsweise Instagram, sind nach Unternehmensangaben allein im November 2017 rund 13,5 Millionen Nachrichten über die Plattform verschickt worden. Derzeit beschäftige das Unternehmen fünf Mitarbeiter. Im Fall aus Bielefeld sind die beleidigenden Nachrichten zwar zuerst bei Tellonym gepostet worden. Ein Nutzer hat sie allerdings später bei Instagram veröffentlicht. Mit nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Nutzern in Deutschland fällt die Plattform klar unter die Regelungen des NetzDG. Instagram: Team prüft Inhalte Instagram gibt an, weltweit Mitarbeiter zu beschäftigen, die Inhalte überprüfen und gemeldete Posts in Augenschein nehmen und löschen, wenn diese gegen die Richtlinien verstoßen. Auch bei Instagram gibt es eine Melde-Funktion. Bei dem Prüf-Team, das rund um die Uhr weltweit geposteten Inhalte überprüfe, handele es sich um geschulte Experten, lässt Instagram mitteilen. Genauere Informationen, etwa zur Anzahl der Mitarbeiter, gibt es nicht. Sowohl bei Tellonym als auch bei Instagram ist es letztlich also der User, der beleidigende Inhalte wie im Bielefelder Fall melden muss. Um dann auf eine schnelle Reaktion zu hoffen.

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