Schleswig-Holstein "Hör mir zu": Kita führt Buttons gegen handysüchtige Eltern ein

Anstecker sollen Eltern daran erinnern, das Smartphone steckenzulassen

Björn Vahle

Ahrensbök. Weil viele Eltern im Umgang mit ihren Kindern ihr Smartphone ständig in der Hand haben, hat eine Kita in Schleswig-Holstein nun Gegenmaßnahmen ergriffen. Die Kinder tragen dort und zuhause Buttons mit Handy-Verbotsschildern, mit denen sie ihre Eltern erziehen können. Die Kampagne, die zum 2016 gestarteten Plakat-Projekt "Heute schon mit ihrem Kind gesprochen?" der Kampagne Medien-Familie-Verantwortung gehört, stammt aus dem Familienzentrum Ahrensbök (bei Travemünde). Leiterin Birgit Komanns beschreibt das Ziel: "Wir wollten die Kinder mit ins Boot holen, die haben ja eine Meinung dazu." So bastelten die Kinder die Anstecker, auf denen "Hör mir zu!" oder "Sprich mit mir!" steht. "Wir gehen davon aus, dass das den Eltern unabsichtlich passiert", sagt Komanns. Umso wichtiger sei deshalb, dass ihre Kinder sie selbst darauf hinweisen könnten. "Mama hat das Handy lieber" Pädagogen warnen vor zu viel Handynutzung in Gegenwart von Kindern. Besonders sehr kleine Kinder könnten im schlimmsten Fall den Eindruck gewinnen, weniger wichtig zu sein und sogar in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden. "Mama hat das Handy lieber", beschreibt Komanns einen möglichen Gedankengang der Kinder. Sie habe außerdem Auswirkungen auf die Sprachfähigkeit feststellen können, weil Eltern nicht regelmäßig mit ihren Kindern sprechen. Die Kinder nutzen die neu gewonnene Macht gegenüber den Eltern aber nicht nur in der Kita. Ein Vater habe Komanns berichtet, seine Tochter hätte ihn abends auf dem Sofa angetippt und auf den Button gezeigt, als Papa gerade auf sein Handy geschaut hatte. Die in der Kita aufgehängten Plakate sollen einen zusätzlichen Anreiz für Gespräche bieten.

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