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Europameister Raphael Kandra (Mitte), Borja Golan (links) und Nicolas Müller (rechts)
Squash Einzel-Europameisterschaften 2019 in Bukarest Sieger Raphael Kandra vom Paderborner SC PSC - © DSQV
Europameister Raphael Kandra (Mitte), Borja Golan (links) und Nicolas Müller (rechts)
Squash Einzel-Europameisterschaften 2019 in Bukarest Sieger Raphael Kandra vom Paderborner SC PSC | © DSQV

Paderborn Paderborner wird Einzel-Europameister im Squash

Raphael Kandra holt als erster Deutscher den EM-Titel. Ein Schweizer Vereinskollege sichert sich Bronze

Frank Beineke
08.09.2019 | Stand 08.09.2019, 11:58 Uhr

Paderborn. Die neue Squash-Saison beginnt für Raphael Kandra mit einem der größten Erfolge seiner Karriere. Der 28-Jährige vom Paderborner Squash Club (PSC) sicherte sich an diesem Wochenende den Titel bei den Einzel-Europameisterschaften in Bukarest. In einem dramatischen Finale bezwang die aktuelle Nummer 27 der Welt den spanischen Titelverteidiger Borja Golan (Nr. 33) mit 11:6, 11:8, 7:11, 7:11 und 12:10. Damit schrieb Kandra zugleich ein Stück Squash-Geschichte, denn ein Deutscher hatte noch nie EM-Gold gewonnen. Für das zuvor beste Resultat hatte PSC-Teamkollege Simon Rösner gesorgt. Deutschlands bester Squashspieler aller Zeiten hatte 2013 bei der EM im belgischen Herentals Silber geholt. "Ich bin überglücklich, dass ich diesen Titel erringen konnte", bilanzierte Kandra. Dessen Sieg war historisch, aber keine große Überraschung. Denn die acht europäischen Spieler, die in der Weltrangliste derzeit vor dem Paderborner platziert sind, verzichteten auf die EM-Teilnahme. Darunter war mit dem Weltranglistenfünften Simon Rösner auch der derzeit beste Europäer. Der Terminkalender ist halt proppenvoll. Und bei der EM gibt es keine Weltranglistenpunkte. Ein Spanier verhindert das Paderborner Finale Nichtsdestotrotz konnte sich das Teilnehmerfeld in Bukarest sehen lassen. Mit dabei war beispielsweise der an Position zwei gesetzte Schweizer Nicolas Müller (Nr. 28 der Welt), der ebenfalls für den PSC aufschlägt. Zu einem reinen Paderborner Finale sollte es allerdings nicht kommen, denn Müller verlor sein Halbfinale gegen Borja Golan glatt in drei Sätzen. Am Ende gab es für den Schweizer aber immerhin die Bronzemedaille. Raphael Kandra feierte unterdessen auf seinem Weg zum EM-Titel zunächst ungefährdete Pflichtsiege gegen den Polen Adam Pelczynski und den Spanier Carlos Cornes. Im Halbfinale wartete dann ein hartes Stück Arbeit. So lag der PSC-Akteur gegen den überraschend starken Ungarn Balasz Farkas mit 0:2-Sätzen im Rückstand, um letztlich noch mit 5:11, 7:11, 11:3, 11:4, 11:3 zu gewinnen. Kandra startet erfolgreiche Aufholjagd Noch weitaus spannender verlief das Finale gegen Borja Golan. Kandra legte gegen den 36-Jährigen aus Santiago de Compostela, der 2016 und 2018 den EM-Titel geholt hatte, zwar ein 11:6 und 11:8 vor. Doch der abgezockte Spanier, der viele Jahre lang selbst im PSC-Kader gestanden hatte, schlug zurück und glich mit zwei 11:7-Satzgewinnen aus. Im entscheidenden fünften Durchgang geriet Kandra schnell mit 2:6 ins Hintertreffen, ehe er eine erfolgreiche Aufholjagd startete. Beim Spielstand von 9:9 ließ sich der Paderborner auch vom Riss einer Saite nicht aufhalten. Kandra verwandelte nach 81 Minuten seinen zweiten Matchball zum 12:10 und war damit am Ziel seiner Träume. "Das ist eine super Sache und es war eine ganz starke Leistung", lobte Bundestrainer Oliver Pettke, der seinen Schützling in Bukarest betreut hatte. Bei den Damen ging der Titel an die topgesetzte Belgierin Nele Gilis, die im Finale die Französin Coline Aumard mit 3:1 bezwang. Bronze sicherte sich Melissa Alves (Frankreich). Saskia Beinhard (Frankfurt) landete als einzige deutsche Teilnehmerin auf Rang 13. Die für den PSC spielende Lettin Ineta Mackevica feierte vier Siege in fünf Spielen, musste sich aber mit Platz neun begnügen. So hatte die 27-Jährige, die in Paderborn lebt, ihr Achtelfinale gegen die Spanierin Cristina Gomez in vier Sätzen verloren.

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