Auch Ex-Nationalspieler Dieter Burdenski (l.) wurde in den 70er Jahren vom damaligen Mennighüffener Pressechef Karl-Heinz Dedert (daneben) begrüßt, als die VfL-Altliga im August 1973 auf eine verstärkte ostwestfälische Presseauswahl (unter anderem mit Horst Szymaniak und Ex-Arminia-Trainer Norbert Lessle) traf.
Auch Ex-Nationalspieler Dieter Burdenski (l.) wurde in den 70er Jahren vom damaligen Mennighüffener Pressechef Karl-Heinz Dedert (daneben) begrüßt, als die VfL-Altliga im August 1973 auf eine verstärkte ostwestfälische Presseauswahl (unter anderem mit Horst Szymaniak und Ex-Arminia-Trainer Norbert Lessle) traf.

ZURÜCKGEBLÄTTERT Sensationeller Transfer auf der Trainer-Bank

FUSSBALL: Traditionsklub VfL Mennighüffen feiert im Sommer seinen 80. Geburtstag / Am 14. Mai 1931 gegründet

Löhne-Mennighüffen. In wenigen Wochen feiert der VfL "Viktoria" Mennighüffen einen runden Geburtstag. 80 Jahre wird der Jubilar am 14. Mai. Aber das "Geburtstagskind" kann sich noch nicht ganz einschätzen, ob es nun 80 Jahre jung oder 80 Jahre alt wird. Legt der Beobachter die derzeitigen Ergebnisse, den Tabellenstand oder die derzeitigen Leistungen zugrunde, dann sieht der VfL nicht nur bei den Experten derzeit ganz "schön alt" aus.

In der Tat hat der VfL Mennighüffen in den vergangenen acht Jahrzehnten schon bessere Tage erlebt, als in der Geburtstags-Saison 2011. Derzeit rangiert die 1.Mannschaft im "gehobenen" Mittelfeld im Herforder Kreis-Oberhaus und nur die ganz treuen Mennighüffener erinnern sich noch gerne an vergangene Tage und Jahre, wo der "Verein für Leibesübungen" in Ostwestfalen für viel Furore sorgte und zu besten Landesliga-Zeiten am heimischen Drosselhain bei vielen Gegnern Angst und Schrecken verbreitete, wenn die an die Reise an die Lübbecker Straße dachten.

Obmann Gerd Cardinal (r.) und Geschäftsführer Friedel Kassebaum (l.) begrüßen Günter "Ali" Sibilski.
Obmann Gerd Cardinal (r.) und Geschäftsführer Friedel Kassebaum (l.) begrüßen Günter "Ali" Sibilski.

Wir möchten mit der heutigen Ausgabe von "Zurück geblättert" noch einmal einige Stationen der Fußball-Abteilung vom Drosselhain in Erinnerung rufen, über die auch heute noch respektvoll gesprochen wird. Zeitzeugen von der Geburtsstunde an jenem 14. Mai 1931, als der Verein in der Gaststätte "Tümpelkrug" aus dem "Taufbecken" gezogen wurde. Dabei gab es schon damals den ersten Stress, als die Gründungsväter schon über den Vereinsnamen stolperten. Sollte der Verein nun VfL Mennighüffen oder VfL "Viktoria" Mennighüffen heißen? Nach einem Patt bei der Abstimmung sollte dann die Stimme des Versammlungsleiters Gustav Reinking zugunsten des VfL Viktoria entscheiden, nachdem ein Vorschlag von Lehrer Redecker, den Verein "Rasen-Sport-Verein" zu nennen, im Vorfeld abgewiesen wurde. Kuhlmann wurde zum Vorsitzenden gewählt, der später von dem Zigarren-Fabrikanten Krammeyer abgelöst wurde.

Schon bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte sich der VfL die ersten Erfolge an die Fahnen geheftet, aber so richtig rund ging es erst in den Fünfzigern, als die 1. Mannschaft in der Saison 1952/53 erstmals in die Landesliga aufstieg. Damals die höchste Spielklasse in Westfalen, als es der VfL mit Klubs wie Union Herford, Teutonia Lippstadt, VfB Bielefeld, Schwarz-Gelb Rheda oder der SG Bünde 08 zu tun hatte.

Arthur Schalm (v.l.), Karl-Heinz Rolfsmeier und Hans Vogt. - © FOTO: NW
Arthur Schalm (v.l.), Karl-Heinz Rolfsmeier und Hans Vogt. | © FOTO: NW

Danach ging es wieder abwärts, aber pünktlich zum 25. Vereinsbestehen schafften die Kicker aus Mennighüffen den erneuten Aufstieg in die Landesliga, inzwischen nur noch die zweithöchste westfälische Spielklasse. Am Wiederaufstieg beteiligt waren damals die Spieler Heini Schwarze als Kapitän, Kröger, Harald Biermann, Harry Trampe, Hugo Nierste, Heinz Kreft, Hans Busse, Paul Irmen, Gerd Cardinal, Erich Schalm und Klaus Hebrock. Das war eine Mannschaft, die über die ostwestfälischen Grenzen einen guten Klang besaß. Nicht viel nach stand die Mannschaft, die sich 1961 in Brackwede vor knapp 2.000 Zuschauern in einem Entscheidungsspiel gegen den Ex-Westfalenmeister TSV Detmold mit 4:1 den Klassenerhalt sicherte. Überragend die Läuferreihe des VfL mit Arthur Schalm, Karl-Heinz Rolfsmeier und Hans Vogt.

Nachwuchsarbeit wurde in Mennighüffen stets ganz groß geschrieben. Ende der 60er Jahre stand eine A-Jugend auf dem Platz, die in den folgenden Jahren viel von sich hören und sehen ließ. Trainer war Martin Scheiding und auf dem Platz standen mit Jürgen Schlattmeier, Bernd Nettingsmeier, Axel Cardinal, Karlfried Stremming, Georg Schmalhorst, Norbert Steinmeier, Jürgen Petrovic, Jürgen Haid, Friedhelm Gödicke, Klaus Fiedler, Klaus Suchowitz und Bernd Halstenberg. Spieler, die im Kampf um die Westfalenmeisterschaft große Erfolge feierten.

Der VfL Mennighüffen mit Willi Kröger (stehend v.l.), Vorsitzender Krammeyer, Betreuer Willi Meier, Harry Trampe, Spielertrainer Ewald Dudeck, Harald Biermann, Heinz Heidemann, Wilfried Poppensieker, Gerd Cardinal, Willi Kassebaum; Egon Biermann (mittlere Reihe v.l.), Heinrich Schwarze und Hugo Nierste; sowie Hans Schmieder (vordere Reihe v.l.), Torwart Eckhard Zernhoff und Karl-Heinz Schmidt.
Der VfL Mennighüffen mit Willi Kröger (stehend v.l.), Vorsitzender Krammeyer, Betreuer Willi Meier, Harry Trampe, Spielertrainer Ewald Dudeck, Harald Biermann, Heinz Heidemann, Wilfried Poppensieker, Gerd Cardinal, Willi Kassebaum; Egon Biermann (mittlere Reihe v.l.), Heinrich Schwarze und Hugo Nierste; sowie Hans Schmieder (vordere Reihe v.l.), Torwart Eckhard Zernhoff und Karl-Heinz Schmidt.

Inzwischen hatte Scheiding die 1. Mannschaft übernommen, wurde aber im Jubiläumsjahr 1971 vom damaligen Jung-Trainer und Ex-Auswahltorhüter Lothar Johanning abgelöst. Schon ein Jahr danach übernahm der Mindener Polizist Hansi Walden die "Erste", der schon bald "wegen auftretender Differenzen" erneut abgelöst werden sollte. Für Walden übernahm interimsweise Heini Schwarze die "Erste", ehe ab dem 1. Juli 1974 der Ennigloher Karl-Heinz Hofbauer verpflichtet wurde. Aber auch Hofbauer musste schon ein Jahr später seinen Platz räumen.

Durch verschiedene Kontakte über den damaligen Geschäftsführer Friedel Kassebaum und Pressechef Karl-Heinz "Hotzi" Dedert gab es in Mennighüffen einen sensationellen Wechsel auf der Trainerbank. Günter "Ali" Sibilski, der in der Jugend von Borussia Dortmund groß geworden war und später über Dortmund 95 zu Arminia Bielefeld kam, übernahm im Juli 1975 den Trainer-Job. Aber vier Monate später musste sich der VfL erneut einen neuen Trainer suchen, denn Sibilski erlag im November 1975 nach einem Autounfall in Hiddenhausen-Schweicheln seinen schweren inneren Verletzungen. Vormittags verlor der VfL mit 0:1 bei der TSG Rehme und auf der Rückfahrt von Sibilski nach Bielefeld passierte das Unglück. Hofbauer, der inzwischen Fußball-Obmann war, sprang wieder als Trainer ein.

Das Trainer-Karussell drehte sich am Drosselhain aber weiter. Inzwischen hatte der Vorstand gute Kontakte zu dem Bad Salzuflener Stadt-Sportdezernenten Gero Timmer geknüpft, der zuvor bei Minden 05, SV Hövelhof, SC Verl und bei Arminia Bielefeld II als Trainer tätig war. Er nahm 1976 seine Arbeit auf. Unruhige Zeiten wurden damals vermeldet, denn einige wichtige Spieler wie Suchowitz oder Pausch hatten ihren Abschied angekündigt. Auch Trainer Timmer sah keine Perspektive mehr und verschwand im Juni 1976 aus Mennighüffen. Gleichzeitig gab es wieder einmal Fusionsgespräche mit dem SVLO. Am Brückenhaus waren die damaligen Zeitgenossen für einen Zusammenschluss, beim VfL dagegen. Schon ein paar Jahre vorher waren Fusionsgespräche mit Nachbar TuRa Löhne gescheitert.

Nach einem erneuten Abstieg wurde 1978 Wilfried "Butzer" Horst als neuer Trainer verpflichtet, der die VfL-Fußballer in die 80er Jahre führte. Inzwischen hatte die Handball-Abteilung die Fußballer klassenmäßig überholt und die 1. Fußball-Mannschaft wurde bald von Hartmut Vogt trainiert, der wiederum im Jahr 1982 von Wolfgang Brinkmann abgelöst wurde, der zuvor beim Bünder SV am Ball war.

Zur Belohnung für den Aufstieg in die Landesliga gab es für die 1. Mannschaft des VfL Mennighüffen eine Reise nach Westerland, wo sich die Spieler mit dem frisch gebackenen Deutschen Meister Borussia Dortmund auf Sylt trafen. Zu erkennen sind unter anderem die Mennighüffener Otto Abraham, Heinz Heidemann, Friedel Steffen, Karl-Heinz Rolfsmeier, Arthur Schalm, Helmut Rolfsmeyer und Paul Irmen, sowie die Dortmunder Heini Kwiatkowski, Addi Preißler, Freddy Kelbassa und Herbert Sandmann.
Zur Belohnung für den Aufstieg in die Landesliga gab es für die 1. Mannschaft des VfL Mennighüffen eine Reise nach Westerland, wo sich die Spieler mit dem frisch gebackenen Deutschen Meister Borussia Dortmund auf Sylt trafen. Zu erkennen sind unter anderem die Mennighüffener Otto Abraham, Heinz Heidemann, Friedel Steffen, Karl-Heinz Rolfsmeier, Arthur Schalm, Helmut Rolfsmeyer und Paul Irmen, sowie die Dortmunder Heini Kwiatkowski, Addi Preißler, Freddy Kelbassa und Herbert Sandmann.

Mit der Verpflichtung von Karlfried Stremming als neuem Trainer für die Saison 1985/86 wollen wir an dieser Stelle unter die aufregenden Jahre einen kleinen Schluss-Strich ziehen. Mit Stremming wurde ein Eigengewächs geholt. Der heutige Sportartikel-Kaufmann wechselte als junger Spieler vom Drosselhain zum Nachbarn SC Herford, mit dem er viele erfolgreiche Jahre hatte. Als zentraler Abwehrspieler hatte Stremming in Herford auch großen Anteil am Aufstieg in die 2. Bundesliga. Der VfL Mennighüffen aber kickte wieder in der Bezirksliga, feierte aber später den insgesamt fünften Landesliga-Aufstieg, ehe es in der Folge über die Bezirksliga wieder zurück in die Kreisliga A Herford ging, in der sich das Team unter Trainer Thomas Arius heute mit wenig Aussichten auf einen baldigen Wiederaufstieg befindet.

Am Drosselhain gab es gelegentlich auch schon einmal den Hauch von Bundesliga zu bewundern. So gaben sich Arminia Bielefeld, SVA Gütersloh oder Wattenscheid 09 die Ehre. Auch die australische Jugend-Nationalmannschaft gab ein Gastspiel in Mennighüffen – und auch die Begegnungen gegen eine Auswahl der Ruhr-Kicker sowie der Auftritt einer ostwestfälischen Presseauswahl sorgten mitten im Alltagsgeschäft für ein wenig Abwechslung. Derzeit wird, wie zu hören ist, an vielen Fronten für einen würdigen Rahmen des Vereins-Jubiläums gearbeitet. 80 Jahre VfL Mennighüffen! Das ist ein guter Grund, wieder einmal das Gesellschaftliche in den Vordergrund rücken zu lassen.

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