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Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), Frank Dudda, Aufsichtsratsvorsitzender der Emschergenossenschaft, und Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, (v.l) weihen die neue Emschermündung in den Rhein ein. Bisher stürzt das Emscherwasser an einem Mündungsbauwerk in Dinslaken rund fünf Meter tief in den Rhein. Dadurch konnten Fische nicht stromaufwärts schwimmen. Mit der Renaturierung der Emscher wird der Höhenunterschied nun in einer Auenlandschaft sanft ausgeglichen, die Mündung wurde um rund 500 Meter nach Norden verlegt. - © dpa
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), Frank Dudda, Aufsichtsratsvorsitzender der Emschergenossenschaft, und Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, (v.l) weihen die neue Emschermündung in den Rhein ein. Bisher stürzt das Emscherwasser an einem Mündungsbauwerk in Dinslaken rund fünf Meter tief in den Rhein. Dadurch konnten Fische nicht stromaufwärts schwimmen. Mit der Renaturierung der Emscher wird der Höhenunterschied nun in einer Auenlandschaft sanft ausgeglichen, die Mündung wurde um rund 500 Meter nach Norden verlegt. | © dpa

Renaturierung NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst öffnet neue Emschermündung

Die Renaturierung des Flusses ist erfolgreich abgeschlossen. Wüst bezeichnete das neue Flussdelta als "Anziehungspunkt für die Region".

09.11.2022 | Stand 09.11.2022, 15:38 Uhr

Voerde/Dinslaken (dpa). Die Sanierung der Emscher, die 170 Jahre massiv mit den Abwässern des Ruhrgebiets verschmutzt wurde, ist nach 30 Jahren abgeschlossen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) eröffnete am Mittwoch bei Voerde am Niederrhein symbolisch die neue, naturnah gestaltete Mündung der Emscher in den Rhein.

Der Fluss war zuvor in einem 5,5-Milliarden-Großprojekt und unterirdischen Kanälen seit 1992 abwasserfrei gemacht worden. Seit Anfang 2022 fließt kein klärpflichtiges Abwasser mehr in den einst möglicherweise schmutzigsten Fluss Deutschlands.

Die seit Jahresbeginn komplett abwasserfreie Emscher fließt durch ihr renaturiertes Flußbett. - © dpa
Die seit Jahresbeginn komplett abwasserfreie Emscher fließt durch ihr renaturiertes Flußbett. | © dpa

„Der Fluss wird vom Hinterhof des Reviers zu seinem Vorgarten“, sagte der Chef des Wasserwirtschaftsverbandes Emschergenossenschaft, Proffessor Ulli Paetzel. „Ein Riesengewinn für die ganze Region“, lobte Wüst. Der Umbau werde die Emscher zum Anziehungspunkt machen und werde bereits international beachtet.

Eröffnung mit lautem Signal

An der neu geschaffenen Mündung der Emscher in den Rhein auf der Stadtgrenze zwischen Voerde und Dinslaken wurde ein 20 Hektar großes Flussdelta angelegt. Zur Eröffnung gab Wüst ein akustisches Signal. Dann hoben Arbeiter mit Baggern eine Schubbarriere in die Höhe und gaben das Emscherwasser frei.

Durch die neue Mündung können Fische künftig vom Rhein flussaufwärts in die Emscher schwimmen. Das Flussdelta werde sich auf natürliche Weise mit Pflanzen und Tieren besiedeln.

Schon jetzt seien wieder über 1000 Arten am Fluss registriert - Fische, Fliegen, Krebs und Vögel - sagte Paetzel. „Bürger werden die Gegend als Naherholungsgebiet entdecken“, sagte er. Radtourismus könne auch ökonomisch ein interessantes Thema an der Emscher werden.

Nützlich für die Natur und den Hochwasserschutz

Die neu geschaffene Auenlandschaft diene auch dem Hochwasserschutz. Wie notwendig das sei, habe das katastrophale Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gezeigt, sagte Wüst. Der Umbau der Flussmündung hat rund 70 Millionen Euro gekostet und lief seit 2014. Zur Eröffnung der neuen Mündung waren zahlreiche Schaulustige gekommen.

Bisher war die Emscher in ihrem bisherigen Verlauf an einem Mündungsbauwerk in Dinslaken rund fünf Meter tief in den Rhein gefallen. Fische konnten dieses Hindernis nicht überwinden. Das Bauwerk aus dem Jahr 1949 soll als Denkmal erhalten bleiben.

Die Emscher entspringt in Holzwickede bei Dortmund, durchquert das Ruhrgebiet von Ost nach West und mündet nach rund 83 Kilometern in den Rhein. Ganze Generationen im Ruhrgebiet hatten ihre Abwässer in den Fluss und seine Nebenflüsse geleitet, weil unterirdische Abwasserkanäle in der Region wegen ständiger Bodenabsenkungen infolge des Steinkohleabbaus nicht möglich waren. Im Ruhrgebiet weithin bekannt war die Geruchsbelästigung am Fluss, der wegen seiner Belastung mit Exkrementen auch „Köttelbecke“ genannt wurde.

Vor 30 Jahren begann dann mit dem Rückgang des Bergbaus die Flusssanierung mit dem Bau von rund 430 Kilometern unterirdischer Kanäle, die jetzt das Schmutzwasser zahlreicher Ruhrgebietshaushalte aufnehmen.

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