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Im Gespräch: Matthias Bongard, Joachim Künzel, Ronald Lünser, Heiko Sedlaczek und Hendrik Wüst. - © Dirk-Ulrich Brüggemann
Im Gespräch: Matthias Bongard, Joachim Künzel, Ronald Lünser, Heiko Sedlaczek und Hendrik Wüst. | © Dirk-Ulrich Brüggemann

Mobilitätsforum Barrierefreier Umbau aller Bahnstationen in NRW vereinbart

350 Expertentreffen sich in Bielefeld zum zweitägigen Gedankenaustausch. Verkehrsminister Hendrik Wüst fordert Antworten auf die Fragen der Bürger ein.

Dirk-Ulrich Brüggemann
08.11.2019 | Stand 08.11.2019, 05:38 Uhr

Bielefeld. Über die Möglichkeiten der Verkehrswende im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen diskutierten in Bielefeld mehr als 350 Verkehrsexperten über zwei Tage beim NRW-Mobilitätsforum. Dabei vereinbarten sie auch den hundertprozentigen barrierefreien Umbau aller Bahnstationen in Ostwestfalen-Lippe und in ganz NRW. Ein entsprechendes Papier wurde von den Vertretern der Verkehrsverbünde und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) unterzeichnet. „Es ist eng geworden im Straßenverkehr", stellte Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) zu Beginn der Veranstaltung fest: „Wir stehen ständig im Stau, auch die Busse." Das Stadtoberhaupt wünscht sich eine Attraktivitätssteigerung im Öffentlichen Nahverkehr, sieht aber eine große Klippe in der Infrastruktur, denn die Planungszeiten dauern heute viele Jahre. „Die Zeiten, in denen alles dem Auto geopfert werden soll, müssen zu Ende gehen", forderte Andreas Müller, Verbandsvorsteher vom Nahverkehr Westfalen-Lippe. „Wohnen und Arbeiten passiert nicht mehr am gleichen Ort, sagt Müller und warnt die Politiker: „Wer Mobilität einschränken will, braucht bei der nächsten Wahl nicht mehr anzutreten." Müller sieht mit der neuen Mobilität eine Zeitenwende und die Möglichkeit, die Verkehrswende aktiv mitzugestalten. Die Frustration der Fahrgäste fasste Müller in einer Frage zusammen: „Wieso gibt es überall eine andere Fahrkarten-App?" Den Bürgern auch Antworten geben Verkehrsminister Wüst machte deutlich, dass die Verkehrswende nicht nur beschritten, sondern auch Antworten auf die Fragen der Bürger bringen und Angebote machen soll: „Die Digitalisierung birgt einen ganzen Werkzeugkasten für Lösungsangebote." Heiko Sedlaczek vom Nahverkehr Rheinland versprach: „Die Tarifgrenzen gehen wir gemeinsam an, damit sie verschwinden." „Mobilität als Schlüssel für lebenswerte Städte sehen", forderte Brigitte Bundesen Svarre von dänischen Architekturbüro Gehl aus Kopenhagen. Sie brachte Beispiele aus der dänischen Hauptstadt: Dort fahren 41 Prozent der Bevölkerung Fahrrad, Räder können in den S-Bahnen ohne Schwierigkeiten mitgenommen werden und selbst Taxis haben einen Fahrradträger auf der Anhängerkupplung und transportieren die Bikes kostenlos mit. Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung sah die Städte nur zu Transitzonen umgewandelt: „Das sind Hinterhöfe, in denen keiner mehr leben wolle."

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