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Die Hyalommazecke ist eigentlich in Asien beheimatet. - © Robert Koch Institut
Die Hyalommazecke ist eigentlich in Asien beheimatet. | © Robert Koch Institut

Gesundheit Gefährliche Riesen-Zecke in Deutschland auf dem Vormarsch?

Robert-Koch-Institut: Hyalomma-Larven und -Nymphen kommen mit Zugvögeln aus Afrika und Asien nach Deutschland. Sie können für Menschen lebensbedrohlich sein

Andrea Frühauf
20.02.2019 | Stand 21.02.2019, 05:38 Uhr

Bielefeld. Bei diesen milden Temperaturen fühlen sich nicht nur die Menschen wohl. Auch Zecken, die üblicherweise erst im Frühjahr aktiv werden, können bei mehreren hintereinander folgenden milden Tagen das Laub verlassen und einen Wirt suchen. Im vergangenen Jahr wurden bereits von Januar bis August im Münchener FSME-Referenzlabor sieben Exemplare einer hierzulande seltenen Riesenzecke entdeckt, die etwa zweimal so groß wie heimische Artgenossen ist. Die sogenannte Hyalomma-Zecke, die an ihren gestreiften Beinen erkennbar ist, ist üblicherweise in Teilen Asiens und Afrikas sowie in einigen Regionen Südosteuropas beheimatet. Diese Zecken können nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gefährliche Krankheitserreger in sich tragen – darunter das Krim-Kongo-Virus, das beim Menschen das schwere, bisweilen sogar tödliche Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber (CCHF) verursacht. Die Inkubationszeit liegt bei rund neun Tagen. Bisher wurden diese blutsaugenden Zecken hierzulande nach Angaben von Peter Hagedorn vom Robert-Koch-Institut vor allem an Pferden gefunden. „Pferde können aber das für Menschen so gefährliche Krim-Kongo-Fieber nicht bekommen", sagt der Zeckenexperte. „An Hunden wurden sie hierzulande nicht entdeckt." In ihren Heimatländern befallen diese Riesenzecken nach seinen Angaben vor allem Kühe und Ziegen. Ein Exemplar in Rheda-Wiedenbrück gefunden Im Oktober 2018 meldete sich laut Hagedorn eine Finderin aus Rheda-Wiedenbrück beim Robert-Koch-Institut. Sie schickte ihm die „Überreste einer Hyalomma-Zecke, die zwischen einer Jalousie eingeklemmt war", wie Hagedorn berichtet. Mittels genetischer Untersuchungen konnte das Tier der Gattung Hyalomma zugeordnet werden. „Bakterielle Erreger wurden aber nicht gefunden." Eine Untersuchung auf das Krim-Kongo-Virus konnte nicht durchgeführt werden, da die Überreste des Tieres zu zerstört waren. Insgesamt 22 Exemplare hat das Institut 2018 in acht Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Brandenburg, Berlin, Schleswig-Holstein und eines in NRW) ausfindig gemacht. Keine dieser Zecken trug Infektionserreger wie das Krim-Kongo-Virus in sich. Beim Krim-Kongo-Fieber kommt es zunächst zu grippeähnlichen Symptomen mit Fieber, Kopfschmerzen, Benommenheit und Bauchschmerzen. Der Virus kann auch ein hämorrhagisches Fieber auslösen. Dabei kommt es ganz spontan zu Blutungen im Körper, etwa aus den Augen oder der Nase. Die Patienten erleiden auch innere Blutungen, etwa an Organen und am Gehirn. In diesem Stadium endet die Krankheit meist tödlich. Eine Jägerin so schnell wie eine Maus Der Klimawandel begünstigt nach Ansicht von Experten hierzulande zwar das Überleben dieser schnellen Zecke, die im Unterschied zum hierzulande weit verbreiteten Holzbock nicht auf einem Grashalm auf seinen Wirt wartet, sondern „eine Jagdstrategie" verfolgt und mit ihren langen Beinen „so schnell wie eine Maus ist", wie Hagedorn schätzt. Ob sich die Hyalomma-Zecke hierzulande wirklich verbreiten kann, vermag Hagedorn nicht zu sagen. Die Hyalomma-Larven und –Nymphen (wenn die Larve einmal Blut gesaugt hat) gelangen nach seinen Angaben auf Zugvögeln nach Deutschland. „Diese Zecken legen ihre Eier in die Nähe von Vogelnestern." Aber längst nicht alle Larven und Nymphen überleben die weite Reise. Ausgewachsene Hyalomma-Zecken können zwar Temperaturen bis minus 40 Grad überdauern, „Larven und Nymphen sterben bei tiefen Temperaturen jedoch ab". Es sei daher unklar, ob die im Winter hier überlebenden Tiere ausreichen, um langfristig eine eigene Population in Deutschland aufzubauen. Äußerst zähe Blutsauger Allerdings ist die Riesen-Zecke sehr zäh, wie Hagedorn selbst erfahren hat. Eine unter einer Folie in einem Brief zugesandte Zecke, „krabbelte bei mir drei Tage später unter der Folie hervor. Da war fast keine Luft unter der Folie". Der Forscher hat jetzt wieder fünf Zecken zur Untersuchung bekommen. Ob es sich um die Riesen-Zecke handelt, kann er noch nicht sagen.

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