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Mit Plakaten zum Jubiläum: Klaus Dannhaus, Norbert Wellmann und Thorsten Klute vom Bezirksverband OWL. - © Andrea Frühauf
Mit Plakaten zum Jubiläum: Klaus Dannhaus, Norbert Wellmann und Thorsten Klute vom Bezirksverband OWL. | © Andrea Frühauf

Regionale Politik AWO feiert im nächsten Jahr 100. Geburtstag

Die Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr laufen. Zwei neue Ortsvereine für soziales Engagement gegründet

Andrea Frühauf
11.12.2018 | Stand 10.12.2018, 22:48 Uhr

Bielefeld. Die Arbeiterwohlfahrt kämpft wie alle Vereine gegen Überalterung und Mitgliederschwund. In Ostwestfalen-Lippe hat sich die Mitgliederzahl in den 125 Ortsvereinen und sieben Kreisverbänden seit den 90er Jahren auf rund 10.500 halbiert. „Aber wirtschaftlich stehen wir solide da“, konstatiert der Vorstandsvorsitzende Klaus Dannhaus und verweist auf die sozialen Dienstleistungen der AWO wie Kindertagesstätten, stationäre Pflege, ambulante Dienste und offene Ganztagsangebote an Schulen. Insgesamt 170 Millionen Euro Umsatz erwirtschafteten die 4.200 Mitarbeiter des AWO-Bezirksverbandes OWL im Jahr. Zusammen mit den Kreisverbänden arbeiten mehr als 6.500 Beschäftigte für die AWO in OWL. Vor 35 Jahren seien es erst 649 Mitarbeiter gewesen. "Menschen helfen lieber bei Projekten" Mit Projekten wie „Nachbarschaft – gemeinsam geht mehr“ geht die AWO neue Wege. „Wir sind im Aufbruch“, sagt der Präidiums- und Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Wellmann. "Wir brauchen auch Angebote für Jüngere." So haben 40-Jährige in Marienmünster jetzt einen Ortsverein gegründet, um sich vor Ort sozial zu engagieren. Auch in Langenberg ist ein neuer Ortsverein geplant. In der Diskussion sei, eine Beratungsstelle für Eltern mit behinderten Kindern zu bieten. In Bielefeld treffen sich U-45-Mitglieder, um sozial aktiv zu werden. „Menschen wollen sich heute nicht so gerne ehrenamtlich im Verein binden. Sie helfen lieber bei Projekten", sagt Dannhaus. Bedarf gibt es zur Genüge. So könnten sich Menschen gemeinsam für die Wohnsituation älterer Menschen einsetzen. Der Ortsverein Versmold hilft mit einer Sprechstunde für Leiharbeiter. Fest für alle Kinder und Familien Am Donnerstag feiert die am 13. Dezember 1919 in Berlin gegründete AWO (bundesweit 320.000 Mitglieder und 230.000 Beschäftigte) ihren 99. Geburtstag. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für das Jubiläum im nächsten Jahr. Geplant sind Feste, Ausstellungen, Tage der offenen Tür und weitere Aktionen. Höhepunkte werden das öffentliche Kinder- und Familienfest des AWO-Jugendwerkes am 18. Mai im Elfriede-Eilers-Zentrum in Bielefeld sowie die Geburtstagsparty für Mitglieder, Beschäftigte und Ehrenamtliche (3.000 in OWL) am 7. September im Bielefelder Lokschuppen. Abkehr vom Almosendenken Zur Gründung hatte der SPD-Vorstand 1919 den „Hauptausschuss für Arbeiter-Wohlfahrt“ (AW) als eine Partei-Unterorganisation ins Leben gerufen. An Hilfsbedürftige verteilte der Wohlfahrtsverband nach dem Krieg Kleidung und Lebensmittel. Ziel war zugleich die Abkehr vom Almosendenken. Bedürftige sollten ein Recht auf Hilfe haben und selbst für sich sorgen können. 1945 wurde die AWO, die heute überparteilich ist, nach dem Verbot durch die Nazis auch von Frauen wie Frieda Nadig (Herford) und Elfriede Eilers (Bielefeld) neugegründet. Nadig habe es gegen den anfänglichen Widerstand im Unterausschuss geschafft, ihren Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" im Grundgesetz zu verankern. Die AWO-Werte Freiheit, Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität seien bis heute aktuell, betont Wellmann. Im Juni gibt es in Bielefeld erstmals nach 1945 eine AWO-Frauenkonferenz. Jobs für Langzeitarbeitslose Die AWO ist heute auch sozialpolitisch aktiv. Mit dem Teilhabechancengesetz, das im Januar in Kraft tritt und Langzeitarbeitslosen zum Job verhelfen soll, will die AWO für Betroffene viele Stellen schaffen. Bis zu fünf Jahre lang übernimmt der Staat in solchen Fällen die Lohnkosten.

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