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Bielefeld Tipps für Lehrer in der Islamismusprävention

Zwei Bielefelder Pädagoginnen haben an einer Handreichung für Lehrkräfte der Stiftung „European Foundation for Democracy“ mitgearbeitet

Carolin Nieder-Entgelmeier
11.04.2017 | Stand 10.04.2017, 21:00 Uhr

Bielefeld. Weil Islamismus an Schulen eine immer größere Rolle spielt, fordern Lehrer und Gewerkschaften seit Jahren mehr Weiterbildungsangebote und Präventionsarbeit. Mit Schülern, die Frauen als Lehrkräfte nicht akzeptieren, Gebetsräume fordern oder Andersgläubige beschimpfen werden Lehrer häufig allein gelassen. Die Stiftung „European Foundation for Democracy" mit Sitz in Berlin und Brüssel hat deshalb in Zusammenarbeit mit den Bielefelder Pädagoginnen Birgit und Bärbel Ebel eine Handreichung für Islamismusprävention für Lehrkräfte entwickelt. Die Stiftung um Programmdirektor Ahmad Mansour will mit der Handreichung eine Diskussion über die Anforderungen an Pädagogen im Umgang mit Islamismus einleiten, Lehrer unterstützen und den Lernerfolg von Schülern sichern. „Diskussionen und Konflikte zu politischen Ereignissen oder religiösen Überzeugungen vermischen sich mit patriarchalen Traditionen und dominieren teilweise den Schulalltag", heißt es von der Stiftung. Die Handreichung zeigt Pädagogen für fachlich, rechtlich und emotional herausfordernde Situationen Handlungsoptionen und Wege auf, damit pädagogisch sinnvoll gehandelt und Radikalisierungen erkannt werden können. So gibt die Stiftung Lehrkräften Tipps für Probleme mit Schülern, die Verschwörungstheorien verbreiten, Terrorismus gutheißen oder Ehrenmorde verteidigen, aber auch für den Umgang mit Schülern, die zwangsverheiratet werden, vom Schwimmunterricht befreit werden oder von vollverschleierten Müttern in die Schule begleitet werden. Wichtig sind dabei nach Angaben der Stiftung intensive Elternarbeit und klare Kommunikation, die kulturelle Unterschiede beachtet. Hintergrundgespräche mit Lehrkräften und Sozialarbeitern Ausschlaggebend für die Tipps der Stiftung waren 24 Hintergrundgespräche mit Lehrkräften und Sozialarbeitern, die sich täglich schwierigen Situationen stellen müssen. Mit dabei waren auch die Bielefelder Pädagoginnen und Schwestern Birgit und Bärbel Ebel. Birgit Ebel ist Gesamtschullehrerin in Herford und kämpft bereits seit drei Jahren mit Jugendlichen gegen Salafismus und andere Formen des Extremismus. Mit ihrer Präventionsinitiative „Extrem dagegen" hat sie sich als Expertin über OWL hinaus einen Namen gemacht. Das Interesse ist groß. Bärbel Ebel ist Gesamtschullehrerin in Bielefeld und engagiert sich ebenfalls mit Jugendlichen in der Initiative. Zudem leitet sie im 12. Jahrgang einen Projektkurs mit dem Thema „Literatur und Kunst im Zeichen der Menschenrechte." „Durch den Kontakt zu dem Islamismus-Experten Ahmad Mansour haben wir auch Kontakt zu der Stiftung aufgebaut und an der Handreichung mitgearbeitet", erklärt Birgit Ebel. Die Bielefelderin sieht Pädagogen in der Islamismusprävention in einer Schlüsselrolle: „Lehrer sehen Schüler täglich und können Radikalisierungen frühzeitig erkennen. Allerdings nur, wenn sie die Anzeichen kennen und wissen, wie sie reagieren müssen, wenn Schüler ihr Verhalten ändern." Birgit Ebel arbeitet in der Präventionsinitiative „Extrem dagegen" mit alevitischen, jesidischen, muslimischen und nichtgläubigen Jugendlichen. „Wenn man sich als Lehrkraft engagiert, findet man immer auch engagierte Schüler, unabhängig von der ethnischen und religiösen Zugehörigkeit." Die Arbeit helfe Jugendlichen dabei, andere Perspektiven einzunehmen und sich in der Demokratie angekommen zu fühlen.

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