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Im Klarissenkloster Paderborn leben Flüchtlinge. - © Marc Köppelmann
Im Klarissenkloster Paderborn leben Flüchtlinge. | © Marc Köppelmann

OWL Kirche öffnet Flüchtlingen ihre Türen

Katholische Pfarrgemeinden stellen viele verschiedene Immobilien zur Verfügung

Franz Purucker
08.01.2016 | Stand 08.01.2016, 15:08 Uhr

Bielefeld. „Jede Pfarrgemeinde soll eine Familie beherbergen", meinte Papst Franziskus kürzlich in Rom. Inzwischen sind viele katholischen Pfarrgemeinden dieser Aufforderung ihres Kirchenoberhauptes gefolgt. Dies ergab eine stichprobenartige Befragung in Ostwestfalen-Lippe. Dabei nutzen viele Gemeinden freie Wohnungen in kircheneigenen Immobilien. So beispielsweise in Verl (Kreis Gütersloh), wo 20 Flüchtlinge im ehemaligen Küsterhaus untergekommen sind. Die genauen Adressen wolle er aber nicht sagen, „um niemanden auf dumme Gedanken zu bringen", so Pfarrer Hermann-Josef Hölscher. In Bielefeld-Brackwede wurde das Rochus-Spiecker-Haus zur Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge umfunktioniert. Das Gebäude war zuvor für Jugendfreizeiten und Klassenfahrten genutzt worden. Außerdem wurden der Stadt Bielefeld Wohnungen zur Unterbringung von Flüchtlingen mietfrei zur Verfügung gestellt. Irakische Familie im Kloster In der Pfarrgemeinde Heillig Kreuz in Detmold gab es in diesem Jahr sogar einen Fall von Kirchenasyl. Dem 31-jährigen Sudanesen wurde inzwischen aber auch staatliches Asyl gewährt. Zwölf Asylbewerber werden zudem in einem Pfarrhaus in Augustdorf aktuell untergebracht. Seit letzter Woche wurden 40 weitere im Bonifatiushaus Detmold, einem ehemaligen Altenheim, das eigentlich abgerissen oder umgebaut werden sollte, untergebracht. Das Franziskanerkloster Wiedenbrück beherbergte in der Vergangenheit insgesamt vier Familien, die in der Gästewohnung oder in notdürftig hergerichteten Zimmern schliefen. Zuletzt wurde eine irakische Familie mit einem kranken Kind aufgenommen, die auf Rat eines Arztes nicht in der nahe gelegenen Zeltstadt untergebracht werden sollte. Auch in anderen Einrichtungen wird Platz geschaffen. In Steinhagen etwa wohnt eine Familie im Pfarrheim, auch wenn den Räumlichkeiten eine Duschgelegenheit fehlt. Pfarrer Martin Geisler berichtet auch aus Salzkotten das drei Räume in Pfarrheimen bereit gestellt werden. „Das Gemeindeleben geht weiter, aber wir rutschen enger zusammen". Jugendhaus als Flüchtlingsunterkunft Ein Pfarrer im Dekant Herford-Minden ging sogar noch einen Schritt weiter und übergab das Sprechzimmer der Gemeindereferentin für zwei Monate einem jungen Flüchtling. Im Gespräch mit dieser Zeitung bekräftigt er: „Ich würde wieder jemanden aufnehmen". Name und Ort will er allerdings nicht in der Zeitung lesen, um nicht von Hilfesuchenden überrannt zu werden. Martin Decking, Referent des Dekanats Minden-Lübbecke, sind dagegen keine Initiativen bekannt und erklärt: „Das ist stark abhängig von den Immobilien. Anders als beispielsweise im Sauerland haben wir wenig Immobilien." Die meisten Räumlichkeiten seien zudem nicht bewohnbar. Karl Josef Auris, Leiter des Pastoralverbands Schloß Holte–Stukenbrock, erklärt: „Wenn die Stadt uns bittet, Flüchtlinge aufzunehmen, werden wir das tun." Das sei bis jetzt aber nicht geschehen. Noch vor dem Papst hatte auch der Paderborner Erzbischhof Hans-Josef Becker seine Pfarrgemeinden aufgerufen, die Unterbringung von Flüchtlingen zu prüfen. Außerdem wurde vom Erzbistums Paderborn ein Flüchtlingsfond mit drei Millionen Euro eingerichtet – von dem aktuell bereits 1,2 Millionen ausgegeben wurden. 340 Anträge wurden von den Kirchgemeinden gestellt. Das Erzbistum stellt mit dem Klarissenkloster in Paderborn auch selbst Wohnraum zur Verfügung. Die Klarissen sind aus Altergründen zu den Franziskanern nach Salzkotten umgezogen.

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