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OWL Frohe Botschaft für die Landessynode

50 Millionen Euro mehr als geplant

Lothar Schmalen
17.11.2015 | Stand 18.11.2015, 06:43 Uhr

Bielefeld. Einen besseren Abschied hätte sich Klaus Winterhoff, der für die Kirchenfinanzen zuständige Juristische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen (EvKW), kaum vorstellen können: Er konnte der Synode der Landeskirche verkünden, dass die EvKW in diesem Jahr einen neuen Rekord bei den Kirchensteuereinnahmen erzielen dürfte. Mit 505 Millionen Euro rechnet Winterhoff, der im April 2016 nach 20 Jahren im Amt in den Ruhestand geht. Das sind noch einmal 50 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Schon 2014 war der alte Kirchensteuerrekord von 1992 übertroffen worden. 490 Millionen Euro betrugen im letzten Jahr die Einnahmen. Der alte Rekord hatte bei 477 Millionen Euro gestanden. Die hohen Kirchensteuereinnahmen führt Winterhoff vor allem auf die gute konjunkturelle Entwicklung in Deutschland und die damit verbundenen Steuermehreinnahmen zurück. Von den hohen Steuereinnahmen profitieren auch die 501 Kirchengemeinden der EvKW. Sie sollen laut Plan im kommenden Jahr 280 Millionen Euro erhalten, das sind 7,3 Millionen Euro mehr als in diesem Jahr. Außerdem kann die EvKW nun eine Million Euro in das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 stecken und den Fonds „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“ um zusätzliche 500.000 Euro aufstocken. Aus dem Fonds finanzieren Bund, Länder und Kirchen Entschädigungszahlungen, die Betroffenen zustehen, die unter den teilweise unhaltbaren Zuständen in der Heimerziehung in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gelitten haben.Die Kirchengemeinden erhalten mehr Geld Winterhoff warnte in seiner Haushaltsrede vor der Synode vor allzu großer Euphorie wegen der hohen Kirchensteuereinnahmen: „Das können wir dankbar zur Kenntnis nehmen – gewöhnen dürfen wir uns daran nicht.“ Denn die konjunkturelle Entwicklung werde nicht ewig so bleiben. Langfristig entscheidend für die Finanzkraft der Kirche sei und bleibe allein die Zahl ihrer Mitglieder. Und die sei aufgrund der demografischen Entwicklung seit Jahren im Sinken begriffen. Wie berichtet, geht die EvKW bis 2040 von einem Rückgang von 2,3 auf 1,7 Millionen Mitglieder aus. Für das Haushaltsjahr 2016 rechnet die Landeskirche mit Steuereinnahmen in Höhe von 465 Millionen Euro. Der größte Anteil fließt an die Kirchengemeinden (2016: 279,9 Millionen Euro, 2015: 272,6 Millionen Euro). Die höchste Summe (25,3 Millionen Euro, das entspricht 9,05 Prozent) erhält allein Dortmund, der größte Kirchenkreis der EvKW. Die größten Empfänger in Ostwestfalen sind die Kirchenkreise Herford (14,0 Millionen Euro), Gütersloh (12,6 Millionen) und Bielefeld (11,9 Millionen). Des Weiteren fließen die Kirchensteuermillionen in den Finanzausgleich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Mittel, die vor allem den mittel- und ostdeutschen Landeskirchen zukommen (geplant für 2016: 11,7 Millionen Euro; 2015: 11,9 Millionen). Für die Verwaltung der Landeskirche (inklusive Schulen) stehen 40,8 Millionen Euro (2015: 39,4 Millionen) bereit, für die gesamtkirchlichen Aufgaben 33,4 Millionen Euro (31,5 Millionen) und für die Pfarrerbesoldung 99,1 Millionen Euro (94,5 Millionen). Die Verabschiedung des Haushaltsplans der Landeskirche ist für Donnerstagmorgen geplant. Die Synode in Bielefeld-Bethel dauert noch bis Freitag. Pfarrer haben ein öffentliches Amt Mit einer Grundsatzrede von Präses Annette Kurschus hat auf der Synode der Landeskirche eine Diskussion über die Rolle der Pfarrer in der Kirche begonnen. „Die Fülle der Aufgaben eines Pfarrers oder einer Pfarrerin hat ihre Mitte in Predigt, Taufe und Abendmahl“, sagte Kurschus. Pfarrer hätten ein öffentliches Amt und repräsentierten die Kirche in besonderer Weise. Wer ein Pfarramt ausübe, werde deshalb als Vorbild wahrgenommen. Ein Pfarrer müsse deshalb kein unfehlbarer Tugendbold sein. Wichtiger sei es, mit Schuld und Scheitern richtig umzugehen. Auch Pfarrer seien auf Gottes Vergebung angewiesen.

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