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Für Millionen Smartphone-Nutzer wird das Netz langsamer - trotz 5G-Netz. - © picture alliance
Für Millionen Smartphone-Nutzer wird das Netz langsamer - trotz 5G-Netz. | © picture alliance

Schnelles Netz 5G-Ausbau macht für Millionen Deutsche das mobile Surfen teurer

3G-Nutzer stehen bald praktisch ohne Netz da. Vor allem Kunden von Mobilfunkdiscountern sind betroffen, obwohl das Netz schneller wird.

Andreas Niesmann
08.08.2019 | Stand 08.08.2019, 22:46 Uhr

Berlin. Auf dem neuen superschnellen Handy-Internet 5G liegen große Hoffnungen. Doch ausgerechnet der Ausbau des High-Speed-Netzes wird für Millionen Deutsche das mobile Surfen langsamer machen - oder teurer. Betroffen sind vor allem Kunden von Mobilfunkdiscountern. Thomas Welling aus Essen hat es Schwarz auf Weiß. Sein Handynetzbetreiber hat es im bestätigt. „Derzeit arbeiten unsere Netzexperten hart, um die 5G-Abdeckung herzustellen. Dadurch wird die 3G-Versorgung leider beeinflusst", heißt es in einem Schreiben des Telekommunikationsriesen Vodafone. Im Klartext: Weil gerade das superschnelle Mobilfunknetz 5G ausgebaut wird, surft Welling nun langsamer. Und nicht nur er. Das Nachsehen haben Nutzer mit 3G-Verträgen Millionen Deutsche erleben gerade ein böses Erwachen. In dem Maße, in dem die Telefonanbieter ihre 5G-Netze ausbauen, schalten sie ihren alten 3G- oder UMTS-Funkmasten ab. Für Handynutzer, die einen 4G- oder LTE-Vertrag mit entsprechendem Gerät haben, ist das kein Problem. Sie surfen in gewohnter Geschwindigkeit weiter. Das Nachsehen haben Handynutzer, deren Vertrag nur eine 3G-Nutzung vorsieht. Und das sind mehr, als man vermuten würde. Die Marktdurchdringung von LTE lag 2018 laut einer Schätzung des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen bei etwa 30 Prozent. Das heißt, die überwiegende Zahl der deutschen Mobilfunkkunden telefoniert und surft noch immer mit 3G-Verträgen. Vor allem Handy-Discounter haben viele 3G-Verträge verkauft Vor allem der Preis spielt dabei eine Rolle. Anders als beim Aufbau des LTE-Netzes waren die Telekommunikationskonzerne bei der 3G-Technologie verpflichtet, ihre Netze auch für andere Anbieter zu öffnen. Handydiscounter haben diese Chance genutzt und viele 3G-Verträge verkauft. Deren Nutzer profitierten lange von günstigen Preisen - doch nun sehen sie immer häufiger das E in ihrem Display. Es taucht auf, wenn kein 3G-Netz zur Verfügung steht und das Handy auf die Vorgängertechnologie EDGE umspringt. Die bedeutet vor allem: Warten. Thomas Welling, der mit echtem Namen anders heißt, hat es ausprobiert. Er hat sich die App der Bundesnetzagentur heruntergeladen, mit der man die Datengeschwindigkeit messen kann. 21,6 Mbit pro Sekunde sollen ihm laut Vertrag zur Verfügung stehen. Laut seinen Messprotokollen erreicht er im Schnitt nur 2,9 Mbits pro Sekunde, also nur 14 Prozent jener Leistung, die ihm zugesagt worden ist - und für die er bezahlt. An stark frequentierten Orten sieht es noch schlechter aus. "Am Essener Hauptbahnhof etwa gibt es praktisch gar keinen 3G-Datendienst mehr”, sagt Welling. Die Lücken in der 3G-Versorgung werden immer größer Sein Handyanbieter, das zur Freenet-Gruppe gehörende Unternehmen Klarmobil weist jede Verantwortung von sich. Es bewirbt und verkauft sogar weiter reine UMTS-Verträge. "Da der UMTS-Standard nahezu deutschlandweit ausgebaut ist, surfen Sie besonders zuverlässig und sicher im Netz und profitieren zudem von kurzen Ladezeiten”, heißt es auf der Seite des Unternehmens. "Musik und Videos laufen flüssig und Websites laden schnell.” So lange das Netz da ist, stimmt das auch - aber die Lücken in der 3G-Versorgung werden immer größer. "Die Funklöcher bei 3G erreichen mancherorts die Größe von Landkreisen”, sagt der grüne Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer. Der 3G-Rückbau werden in den nächsten Monaten noch Tempo gewinnen, prophezeit er. "Bei den meisten Betreibern dürfte das Netz in einigen Jahren komplett abgeschaltet werden.„ Vor allem für jüngere und ärmere Menschen ist das ein Problem. "Mit der Ausdünnung und absehbaren Abschaltung des 3G Netzes werden gerade Menschen mit geringem Einkommen in wesentlich teurere LTE Tarife gedrängt”, kritisiert Krischer. Er fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. Für immer mehr Handynutzer heißt es: Warten oder zahlen Die LTE-Tarife müssten billiger werden, die Einnahmen aus der kürzlich beendeten 5G-Versteigerung in ein entsprechendes Förderprogramm fließen. Darüber hinaus müsse die Bundesregierung verfügen, dass Drittanbieter ohne eigenes Netz ein Recht auf Zugang zu den LTE-Frequenzen haben. Ansonsten heißt es für immer mehr Handynutzer: Warten. Oder zahlen.

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