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Haben Gründungsreport 2019 vorgestellt: Thomas Niehoff (Hauptgeschäftsführer der IHK Bielefeld, v.l.), Firmengründer Wilhelm Klat, der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe und Referatsleiter Thomas Mikulsky.  - © Heiko Stoll
Haben Gründungsreport 2019 vorgestellt: Thomas Niehoff (Hauptgeschäftsführer der IHK Bielefeld, v.l.), Firmengründer Wilhelm Klat, der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe und Referatsleiter Thomas Mikulsky.  | © Heiko Stoll

Gründungsreport Viele Menschen scheuen unternehmerische Risiken

Zahl der Firmengründungen in Ostwestfalen sinkt wegen der guten Arbeitsmarktlage. Industrie- und Handelskammer befürchtet weitere Zunahme der Unternehmens-Abmeldungen

Martin Krause
19.06.2019 | Stand 20.06.2019, 16:20 Uhr

Bielefeld/Paderborn. Wilhelm Klat (35) ist ein Hoffnungsträger der Region. Der Betriebswirt aus Paderborn, der seit vier Jahren in Bielefeld lebt, ist gerade dabei, ein Unternehmen zu gründen. Er hat den „AiZUBI" erfunden, eine Mischung aus „künstlicher Intelligenz" (AI) und Azubi. Dahinter verbergen sich Computer, die mit einem „Sinnesorgan" (etwa einer Kamera) verbunden sind und die aus Erfahrungen lernen können. Nach einer individuellen „Lehrzeit" können Firmen sie vielfältig einsetzen: In der Industrie zum Beispiel, um Ausschuss zu erkennen. Oder in der Müllentsorgung, um falsch sortierte Stoffe auszusortieren. Oder in der Pflege, um häusliche Unfälle zu melden. „Einen ersten Großkunden habe ich jetzt in der Industrie gefunden", freut sich Klat. Die offizielle Firmengründung steht noch aus, bis 2020 will er mit seiner Entwicklung, die er als mietbaren Service anbieten will, in die Gewinnzone.

Der AiZUBI ist nicht Klats erste Geschäftsidee, schon fünfmal habe er Firmen gegründet, wie er sagt. Eines der Geschäftsmodelle habe er vor kurzem in die USA verkauft.

Erhöhter Druck durch Digitalisierung könnte zu Stilllegungen führen

Klat ist Hoffnungsträger, weil die Wirtschaft neue Firmen braucht – doch die Gründungszahlen sinken trotz der Start-up-Welle. „Die gute Lage am Arbeitsmarkt ist der Hauptgrund dafür", sagte Thomas Niehoff, Hauptgeschäftsführer der IHK Bielefeld, bei der Vorstellung des „Gründungsreports 2019". Viele Menschen scheuen demnach unternehmerische Risiken. Erstmals seit 2012 sei die Zahl der Gründungen in der Region unter 10.000 gesunken – auf 9.885 (minus 2,7 Prozent). Die höchste Gründungsintensität (Gewerbeanmeldungen pro Kopf) gebe es im Kreis Herford, die geringste im Kreis Höxter.

Niehoff warnte, dass es vermehrt zu Stilllegungen kommen werde, weil die Digitalisierung den Druck erhöhe, und weil immer mehr Unternehmer aus der Babyboomer-Generation in Rente gehen. Ein Problem sei auch, dass immer mehr Gründungen nur ein Nebenerwerb seien. Bisher aber gebe es noch immer mehr Neugründungen als Abmeldungen, betonte Niehoffs Stellvertreter Harald Grefe. 2018 stieg die Zahl der IHK-Unternehmen in Ostwestfalen um 2.336 auf gut 113.000.

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