Musste herben Aktienkursverfall erklären: Paragon-Chef Klaus Dieter Frers bei der Hauptversammlung in Delbrück. - © Martin Krause
Musste herben Aktienkursverfall erklären: Paragon-Chef Klaus Dieter Frers bei der Hauptversammlung in Delbrück. | © Martin Krause

Aktionärstreffen Paragon-Chef Frers in Erklärungsnot

Die Bilanzierungsfehler bei der Tochter Voltabox und die massiven Aktienkursverluste im Jahr 2018 brockten dem Autozulieferer herbe Kritik ein. Doch der Chef verspricht eine rosarote Zukunft

Delbrück. Es hätte alles sehr harmonisch sein können. Denn die Zahlen, die der Delbrücker Autozulieferer Paragon seinen Aktionären bei der Hauptversammlung präsentieren konnte, sehen durchaus eindrucksvoll aus: Vor allem dank des Erfolges der Elektromobilitätstochter Voltabox wuchs der Umsatz 2018 um 50 Prozent auf 187,4 Millionen Euro. Und der operative Gewinn (Ebit vor Zinsen und Steuern) schnellte auf 14,8 Millionen Euro nach oben, ein Plus von 174 Prozent. Daher sprach Christian Retkowski von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) der Firma, ihren 1.032 Mitarbeitern und dem Vorstand unter Führung von Klaus Dieter Frers ausdrücklich „Dank und Lob" aus. Doch Retkowski fand bei der Hauptversammlung in Delbrück mehr negative Aspekte als positive, „das weinende Auge überwiegt", sagte der Aktionärsschützer. Der massive Rückgang der Liquidität und die hohe Nettoverschuldung (61,7 Millionen Euro), vor allem aber der katastrophale Absturz des Aktienkurses um fast 78 Prozent im Jahr 2018 machen ihm demnach Sorgen. Am schärfsten aber kritisierte er die Fehler, die die „Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung" in der im Herbst 2018 geprüften Bilanz der Tochter Voltabox für 2017 fand: Es seien „keine kleinen Nichtigkeiten", die da entdeckt worden seien. Auch habe die mit der staatlichen Finanzaufsicht (Bafin) kooperierende Prüfstelle neun Fehler aufgedeckt – deutlich mehr, als in anderen Sündenfällen üblich. „Es bedarf einer gründlichen Aufarbeitung, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen", bohrte Retkowski. Und er vermisste auch eine Entschuldigung von Seiten der Verantwortlichen. Kein Zweifel an der Kompetenz der Wirtschaftsprüfer Eine echte Entschuldigung kam Paragon-Vorstandschef und Mehrheitsaktionär Frers, der zugleich Aufsichtsratschef von Voltabox ist, auch jetzt nicht über die Lippen. Er „bedauere aufrichtig" die entstandene Verunsicherung. Richtige „Fehler" mochte er in dem vorgelegten Konzernabschluss aber nicht erkennen: Bei den beanstandeten Buchungen handele es sich überwiegend um „Ermessensentscheidungen", für die es zum Teil keine festen Vorgaben gebe. Und einige geforderte Korrekturen seien „für sich allein betrachtet sicher (...) unwesentlich". Den von den Aktionärsschützern Christian Retkowski und Ulrich Back (DSW) geforderten Wechsel der Wirtschaftsprüfer – das Testat für den getadelten Abschluss kam von der Gesellschaft Baker Tilly – lehnte Frers ab: Die Kompetenz der Düsseldorfer stehe für ihn nicht in Zweifel. Da die Korrekturen bereits in den Abschluss für 2018 eingearbeitet worden seien und die Mängel zum Teil mit dem Börsengang der Tochter Voltabox zusammenhingen – also einem einmaligen Vorgang – seien weitere negative Konsequenzen nun nicht mehr zu erwarten. Paragons Sprachassistent sei der Konkurrenz um Jahre voraus Ansonsten malten Frers und sein neuer Vorstandskollege Matthias Schöllmann die Paragon-Zukunft in hellsten Farben: Paragon strebe einen Umsatzanstieg auf bald 500 Millionen Euro an und wolle „mit einer gewissen westfälischen Sturheit" Weltmarktführer in einigen Produktgruppen werden. Bei Künstlicher Intelligenz sieht Frers seinen Konzern dank der Übernahme der saarländischen Firma Semvox schon weit vorn: Der von Paragon Semvox im Januar in Las Vegas vorgestellte Sprachassistent „Edwin" sei den US-Giganten Google und Amazon und ihren Sprachassistenten Alexa & Co. um Jahre voraus. Die Aktionäre - darunter Frers mit 50 Prozent der Anteile plus einer Aktie - genehmigten sich eine Dividende in Höhe von 25 Cent je Aktie. Ausgeschüttet werden 1,13 Millionen Euro. Microlino-Erfinder unzufrieden mit der Produktion bei Artega Ärger hat Klaus Dieter Frers auch als Chef und Eigentümer des Elektroautoherstellers Artega: Die Auslieferung des Elektro-Kleinwagens „Microlino", der bei einer Artega-Tochter in Delbrück produziert wird, verzögert sich. Das teilte die Schweizer Microlino AG mit, die das Auto entwickelt hat. Es gebe mit Frers Uneinigkeit über die geforderte Qualität, sagten Mitglieder der Unternehmerfamilie Ouboter. Frers hatte den Start der Microlino-Produktion für Januar 2019 angekündigt. Er weist die Unzufriedenheit der Schweizer zurück: Er selbst wolle den Microlino verbessern. Daher plane Artega nun die Produktion einer weiterentwickelten Variante – den „Karolino". Der werde auf der Messe IAA im September vorgestellt. Frers bestätigte bei der Paragon-Hauptversammlung, dass Voltabox und Paragon für die Microlino-Produktion zuliefern.

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