Das Geld rauscht nur so durch. Der Strompreis ist einmal mehr gestiegen. - © picture alliance
Das Geld rauscht nur so durch. Der Strompreis ist einmal mehr gestiegen. | © picture alliance

Wirtschaft Preiskampf stürzt Energieversorger in die Pleite

Mit der BEV meldet erneut ein Stromanbieter Insolvenz an. Ein Grund dafür sind gut informierte Kunden, sagt ein Vebraucherschützer. Vergleichsportale geraten in den Fokus

Bielefeld. Die Energieversorger in Deutschland stehen unter Druck. Neustes Belegbeispiel dafür ist die Insolvenz der Bayerischen Energieversorgungsgesellschaft (BEV), die dem Preiskampf unter den Billigstromanbietern zum Opfer fiel. Besonders pikant in dem Fall ist die Insolvenz der schweizerischen Muttergesellschaft - der Genie Holding AG. "Der Konkursantrag der Genie Holding AG bedeutet für die Gläubiger der BEV, dass sich ihre Aussichten auf eine Befriedigung ihrer Forderungen leider erheblich verschlechtern", erläutert der BEV-Insolvenzverwalter Axel Bierbach die Konsequenzen.

"Für die Kunden wird es wohl nicht viel geben", ordnet Lundquist Neubauer, Pressesprecher für Energie bei Verivox, die Aussage des Insolvenzverwalters ein. Über das Vergleichsportal haben viele der Kunden einen Vertrag mit der BEV abgeschlossen. Zur Zeit des Insolvenzantrags hatte der bayerische Energieversorger etwa 250.000 Kunden, die nun auf Boni und Rückerstattung getätigter Vorauszahlungen verzichten müssen. Die BEV gehört nun mit Anbietern wie Teldafax, Flexstrom, Care-Energy und Eveen zu jenen Versorgern, die nach der Liberalisierung des Energiemarktes Ende der 1990er gegründet wurden und wenig später Insolvenz anmelden mussten.

Schwierige Rahmenbedingungen für Energieversorger

"Es gibt derzeit keine weitere drohende Insolvenz, aber ich würde schon davon ausgehen, dass es weitere Anbieter treffen kann", sagt Energieexperte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Ein Grund für die Schieflage seien mitunter die Kunden selbst: "Denn es gibt immer mehr Profiwechsler, die die Tricks der Anbieter durchschauen", erklärt Sieverding. Wenn diese gut informierten Kunden nach einem Jahr wieder wechselten, würden die Unternehmen in die roten Zahlen rutschen.

Hinzu komme eine schwierige Beschaffungspolitik der Stromversorger, da die Börsenstrompreise steigen. "Discounter ohne starken Partner im Rücken haben es dabei besonders schwer", bilanziert Sieverding. Die Rahmenbedingungen seien schwierig, der Konkurrenzdruck hoch, heißt es auch von Verivox. Diesen Preiskampf konnte die Münchner BEV, die auf günstige Tarife und relativ hohe Boni-Zahlungen setzte, nicht mehr mithalten. Nach kräftigen Preiserhöhungen Ende vergangenen Jahres sprangen dem Unternehmen Zehntausende Kunden ab.

Vergleichsportale im Fokus

Auf der anderen Seite befeuert die BEV-Insolvenz erneut die Diskussion darüber, welche Verantwortung Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24 zukommt. Denn dort zählen die Discounter-Anbieter zu jenen, die auf den Webseiten aufgrund der günstigen Tarifstrukturen in den Ergebnissen oben erscheinen. "Wir listen nur das, was am Markt ist. Denn wir sind kein Kontrollgremium", sagt Neubauer. Das könne nur die Bundesnetzagentur übernehmen.

Dennoch fordern Verbraucherzentralen eine "Fair-Play-Regelung" für Portale, wonach beispielsweise klar erkennbar sein muss, nach welchen Kriterien die Rankings entstehen. Weitere Aspekte sind die Gewährleistung eines umfassenden Marktüberblicks und die Ausweisung von Provisionen, die ein Portal von Energieversorgern erhält. Verivox verweist auf eine neue Selbstverpflichtung, die "bereits auf den EU-Kriterien für Qualität und Transparenz basiert" und einige der Kritikpunkte aufgreift.

Die ehemaligen Kunden der insolventen BEV werden zu einem großen Teil vorübergehend durch ihre örtlichen Grundversorger mit Strom beliefert. Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale rät beim nächsten Vertragsabschluss über ein Vergleichsportal zu Vorsicht: "Kunden sollten die Tricks kennen und insbesondere bei untergeschobenen Preiserhöhungen wachsam sein und weiterwechseln. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, ist bei den ersten Plätzen auf den Vergleichsportalen hingegen nicht gut aufgehoben."

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