Ganz schön teuer: Rund 200 Stromanbieter erhöhen im kommenden Jahr die Preise. - © imago/Christian Ohde
Ganz schön teuer: Rund 200 Stromanbieter erhöhen im kommenden Jahr die Preise. | © imago/Christian Ohde

Verbraucher Hilfe beim Wechsel des Stromanbieters

Switchup: Das Berliner Start-up sorgt dafür, dass Verbraucher nie mehr von der nächsten Preiserhöhung eiskalt erwischt werden

Stefan Schelp

Bielefeld. Nach Jahren im Ausland zurück in Berlin: neue Wohnung, kein Stromanbieter. Arik Meyer war im Stress. Auf einem Vergleichsportal machte er sich schlau – und blieb beim Stromanbieter „Löwenzahn" hängen. „Klingt sympathisch, die Tarife passen", entschied der Unternehmer. „War falsch", berichtet Meyer. Löwenzahn war als Tochtergesellschaft von Flexstrom schon wenig später Pleite. Und Meyer war zugleich seine Vorauszahlung los. Sein Gutes hatte der Fehlschlag aber auch. Denn Meyer erkannte: „Lebenszeit ist kostbar. Und es gibt Wichtigeres, als sich mit den Stromtarifen zu beschäftigen." Meyer gründete den Tarifoptimierer Switchup. Das Unternehmen hat sich zur Aufgabe gemacht, seinen Kunden den gesamten Stress mit den Strompreisen abzunehmen. Anhand von Algorithmen findet Switchup nach Vorgaben des Verbrauchers den passenden Anbieter heraus. Angesichts der angekündigten Preiserhöhungen ein verlockendes Angebot. Unseriöse Anbieter werden aussortiert Das aber ist nur der erste Schritt. Denn danach behält Switchup auch drohende Preiserhöhungen im Auge, weist auf Kündigungsfristen hin und arbeitet mögliche Alternativ-Angebote aus. Die Zusammenarbeit mit dem Versicherer ARAG sorgt dafür, dass im Falle eines Falles der Versorger seine vertraglichen Leistungen auch tatsächlich erbringt. Nur in ganz wenigen Fällen sei das bisher überhaupt nötig geworden, sagt Meyer. „Unseriöse Anbieter sortiert das System von vornherein aus", sagt Meyer. Überhaupt sei es nur eine Handvoll von Unternehmen, die rund 90 Prozent aller Beschwerden auf sich ziehen. Eine fünfstellige Kundenzahl betreut das Berliner Unternehmen bislang. Genauer mag Meyer das nicht beziffern. Nur, dass die Zahl kräftig steige, verrät er. Das Potenzial ist groß genug. Vor 20 Jahren hat der Gesetzgeber den Strommarkt liberalisiert. Seither gibt es Wettbewerb unter den Anbietern – jedenfalls theoretisch. Denn tatsächlich haben bis heute 72 Prozent der Verbraucher noch nicht ein einziges Mal den Stromanbieter gewechselt. „Wir sprechen diejenigen Menschen an, die den Anbieter noch nie gewechselt haben", sagt Meyer. Das Konzept geht auf, denn nach seinen Angaben haben zwei Drittel der Verbraucher, die Switchup in Angriff nehmen, keinerlei Wechselerfahrung. Treue Kunden nicht bestrafen Das Ziel des Berliner Unternehmens ist es, wegzukommen von der Systematik vieler Stromanbieter, die neue Kunden mit einem Bonus locken, treue Kunden aber dadurch bestrafen, dass sie ihnen manchmal happige Tariferhöhungen aufdrücken. „Wir versuchen, eine Langfristbeziehung zu schaffen." Damit stoßen die Berliner nicht in jedem Fall auf Gegenliebe. Manche Energieversorger sehen es nicht gern, dass Switchup sich ihrer Tarife annimmt. „Da gibt es unterschiedliche Fraktionen", deutet Meyer an. Doch die Einsicht, dass sich auf dem Strommarkt etwas ändern müsse, gewinne mehr Fürsprecher. Finanzierung über Provisionen Switchup finanziert sich, wie die meisten klassischen Vergleichsportale, über Provisionen. Haben sie einen Kunden vermittelt, gibt es vom neuen Anbieter einen Obolus, wobei Meyer versichert, dass sie keineswegs nur Wechsel zu Switchup-Partnern organisieren. Im kommenden Jahr will Switchup dann auch nicht mehr nur mit Stromkunden wachsen. Dann kümmert sich das Unternehmen mit jetzt 25 Mitarbeitern auch um den Vergleich von Gas-, DSL- und Mobiltarifen.

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