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Das Kohlekraftwerk Mehrum und Windräder produzieren Strom. - © dpa
Das Kohlekraftwerk Mehrum und Windräder produzieren Strom. | © dpa

Wirtschaft Räumung des Hambacher Forst: Tausende Kunden wechseln zu Greenpeace Energy

Greenpeace Energy: Ökostromanbieter verzeichnet seit der Räumung des Hambacher Forstes und mit dem Protest gegen RWE einen Ansturm von Wechselkunden

Andrea Frühauf
03.10.2018 | Stand 03.10.2018, 09:02 Uhr

Kerpen. Der Protest gegen die von RWE geplante weitere Rodung des Hambacher Forstes für den Braunkohleabbau findet immer neue Wege. Nicht nur versperren Umweltschützer dem Energieriesen mit immer neuen Baumhäusern den Weg. Jetzt laufen dem Energiekonzern auch noch die Stromkunden weg. Den Protest bekommen inzwischen auch andere konventionelle Stromerzeuger zu spüren. Der Ökoenergie-Anbieter Greenpeace Energy (GPE), der 135.000 Stromkunden hat, verzeichnet nach eigenen Angaben einen regelrechten Ansturm von Wechselkunden. „Wir erleben derzeit eine der größten Wechselwellen seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011, als viele Verbraucherinnen und Verbraucher den Atomkonzernen den Rücken kehrten", sagt Nils Müller, Vorstand von Greenpeace Energy. Viele vollzögen nun ihren „persönlichen Kohleausstieg". „Seit dem Beginn der Räumung im Hambacher Wald vor zwei Wochen beläuft sich die Zahl der zu uns gewechselten Neukunden auf ungefähr 2.000", erläutert Unternehmenssprecher Christoph Rasch. „Dies ist nach wie vor ein Drei- bis Vierfaches von dem, was wir zu normalen Zeiten an Wechselbewegung in einem zweiwöchigen Zeitraum erleben." Die Umsteiger seit dem 14. September kommen nach seinen Angaben größtenteils von konventionellen Stromanbietern – insgesamt seien es mehr als 140 unterschiedliche Versorger. Ein Drittel der Neukunden will den politischen Tarif „Deutlich sticht aber heraus: Etwas mehr als ein Drittel der Wechsler war zuvor bei Versorgern, die auf die eine oder andere Weise mit RWE verbandelt sind – darunter Eprimo, Innogy und Rheinenergie", betont Rasch. Auch Wechselbewegungen von den beiden RWE-Mitbewerbern Vattenfall und Eon seien deutlich erkennbar. Ungefähr jeder zehnte Stromkunde, der seit Mitte September zu GPE wechselte, komme von Vattenfall oder Eon. In normalen Zeiten gebe es im Ökostrom-Segment wenig Bewegung, sagt Rasch. Ein Drittel der jetzigen Neukunden hätten sich sogar für den „politischen, teureren Tarif" von Greenpeace Energy entschieden, mit dem die Energiegenossenschaft gezielt den Solarausbau in Braunkohleregionen fördere.

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