Frank Riedel, Sebastian Heer und Michael Röckner (v.l.) sowie die Koordinatorin Claudia Köhler. - © Barbara Franke
Frank Riedel, Sebastian Heer und Michael Röckner (v.l.) sowie die Koordinatorin Claudia Köhler. | © Barbara Franke

Wirtschaft Uni Bielefeld: Forschungsbereich will Auswüchse an Finanzmärkten verhindern

Der neue Bereich will interdisziplinär theoretische Methoden entwickeln

Andrea Frühauf
26.10.2017 | Stand 25.10.2017, 21:16 Uhr

Bielefeld. „Unsicherheiten, Unordnung und Zufall sind in modernen Gesellschaften allgegenwärtig." So hätten beispielsweise die Finanz- und Eurokrise große Turbulenzen ausgelöst, sagt Professor Frank Riedel, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Mathematische Wirtschaftsforschung der Uni Bielefeld. Gerade Entwicklungen auf den Finanzmärkten hätten gezeigt, dass es auch mathematisch weniger exakt fassbare Unsicherheit gibt, die zu großen Verwerfungen führen kann. Diese Unsicherheit zu zähmen, aber auch nicht vorhersehbare Zufälle in Wirtschaft, Physik (etwa Turbulenzen während des Flugs) und Biologie besser zu verstehen, ist Ziel eines neuen Sonderforschungsbereichs (SFB) an der Universität Bielefeld. Wissenschaftler vor allem aus der Mathematik wollen interdisziplinär theoretische Grundlagen und Methoden entwickeln, um solche Auswüchse wie an den Finanzmärkten strukturell zu verhindern. Bielefeld steht auf der Landkarte Die Bankregulierung habe Risiken falsch gemessen und damit zu „Tricksereien" verholfen. Investmentbanken hätten Ratings zudem fälschlicherweise als exakte Wahrscheinlichkeiten interpretiert, sagt Professor Michael Röckner, SFB-Sprecher und Dekan der Fakultät für Mathematik, der mit Riedel und Professor Sebastian Heer (Fakultät für Mathematik) zum SFB-Vorstand gehört. Die Schweiz habe eine erste wissenschaftliche Erkenntnis umgesetzt, Banken müssten mehr Geld hinterlegen, um sich vor Risiken zu schützen. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligte SFB erhält in den nächsten vier Jahren 9,4 Millionen Euro Fördermittel. Bei einer möglichen Verlängerung von zweimal vier Jahren wären es insgesamt 26 Millionen. 19 interdisziplinäre Teilprojekte werden finanziert, die zumeist an der Fakultät für Mathematik, aber auch an der Fakultät für Physik, dem Institut für Mathematische Wirtschaftsforschung und der Technischen Fakultät angesiedelt sind. Forscher in China und Italien arbeiten zu. Zur Eröffnungsfeier kamen internationale Gastredner. Bielefeld stehe auf der Landkarte, habe ein Kollege von der Pariser Sorbonne anerkennend gesagt.

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