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Eine Tankstelle für Elektrofahrzeuge ist am 16.08.2016 in Leipzig auf der Straße am Lindenauer Markt markiert. - © picture alliance / Volkmar Heinz/dpa-Zentralbild/ZB
Eine Tankstelle für Elektrofahrzeuge ist am 16.08.2016 in Leipzig auf der Straße am Lindenauer Markt markiert. | © picture alliance / Volkmar Heinz/dpa-Zentralbild/ZB

Berlin Warum E-Autos noch lange kein ökologisches Vorzeigeprodukt sind

Laut einer Studie zu den benötigten Rohstoffen sind sie es langfristig nur dann, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden

Hannes Koch
17.10.2017 | Stand 17.10.2017, 16:45 Uhr

Berlin. Das Elektro-Auto ist ein Öko-Auto. „Umweltmäßig alles okay" – so lautet die Werbebotschaft. Aber so einfach ist es nicht. Damit Strom-Fahrzeuge auch langfristig ökologische Fortschritte bringen, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Darauf deutet eine Studie des Instituts Agora Energiewende hin, die sich mit den Rohstoffen beschäftigt. Vor allem Kobalt ist problematisch: Der Großteil des Metalls stammt aus dem Kongo, wo es oft unter miesen sozialen und ökologischen Bedingungen abgebaut wird. Kobalt braucht man, um Batterien zu fertigen. Möglicherweise wird der Bedarf künftig stark steigen, weil es das heute verwendete Lithium zum Teil ersetzen könnte. 2016 lieferten die Minen 54 Prozent der weltweiten Kobalt-Produktion, heißt es in der Studie „Strategien für die nachhaltige Rohstoffversorgung der Elektromobilität". Erhebliche Kobaltmengen kommen im Kongo aus Kleinbergwerken, in denen die Arbeiter mit armseliger Ausrüstung schuften. Es gibt Berichte über Kinderarbeit. Vorwürfe gegen Rohstoffkonzerne Im Osten des Kongo ist zudem ein seit Jahrzehnten dauernder Krieg zwischen unterschiedlichen Milizen und Armeen im Gange. Teilweise finanzieren sich die Militärs durch Einnahmen aus dem Bergbau. Hinzu kommt, dass aus Kobaltminen nicht selten säurehaltige Abwässer austreten, die die Umwelt schädigen. Solche Vorwürfe erheben Kritiker auch gegenüber dem Schweizer Rohstoff-Konzern Glencore, der in der kongolesischen Region Katanga den riesigen Tagebau Mutanda betreibt. Derartige Probleme können die Glaubwürdigkeit der vermeintlich sauberen Elektromobilität schädigen. Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende, plädiert deshalb dafür, neue Sorgfaltspflichten für Unternehmen einzuführen, die Kobalt ausbeuten, handeln und verarbeiten. Für die Konfliktmineralien Zinn, Wolfram, Tantal und Gold haben die USA solche Regeln bereits festgelegt. In der EU gibt es vergleichbare Regularien. Für Kobalt gelten sie jedoch noch nicht. „Eine Ausweitung auf diesen Rohstoff ist notwendig", schreiben die Experten von Agora und Öko-Institut, die die Studie erarbeiteten. Grafit wird in stark steigenden Mengen gebraucht Neben den ökologischen Fragen spielt aber auch die Verfügbarkeit der Rohstoffe eine Rolle. Für die Batterien der E-Autos wird neben Kobalt und Lithium auch Grafit gebraucht – und zwar in stark steigenden Mengen. Will man das Ziel, den Anstieg der globalen Temperatur auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, umsetzen, werden demnach um 2030 jährlich rund 50 Millionen Strom-Pkw verkauft. Angesichts einer solchen Entwicklung rechnen die Forscher mit einer stark ansteigenden Nachfrage zunächst nach Lithium. Dieses Element ist zentral für die Herstellung gebräuchlicher Lithium-Ionen-Batterien. Die Technologie „wird mittel- und langfristig eine für die globale Elektromobilität dominante Rolle einnehmen". Von heute rund 35.000 Tonnen Jahresproduktion könnte der Absatz bis 2050 auf etwa die zehnfache Menge wachsen. Ein Problem sehen die Experten dabei nicht. Lithium kommt vor allem aus stabilen Staaten wie Argentinien, Australien und Chile. Und die Vorräte in der Erdkruste dürften ausreichen. Weiterentwicklung der europäischen Batterierichtlinie Allerdings empfehlen die Experten, die Rückgewinnung des Lithiums aus alten Batterien zu forcieren. „Dringend erforderlich ist die Weiterentwicklung der europäischen Batterierichtlinie. Notwendig sind zukünftig Recyclingquoten für strategische Schlüsselrohstoffe." Die Experten fordern ein „weltweites Recyclingsystem für Lithium-Ionen-Batterien". Bei Kobalt könnte es zur Verdopplung des Bedarfs bis 2030 kommen. Im Vergleich zu gut 100.000 Tonnen 2015 würden dann über 200.000 Tonnen gebraucht. Bis 2050 stiege der Absatz dann auf 500.000 Tonnen. Für Grafit rechnet die Studie mit der Verfünffachung des Bedarfs bis 2050. Aus diesem Material bestehen Elektroden in den Batterien der E-Autos. Ein großer Teil der bekannten Lagerstätten liegt in der Türkei, in Brasilien und China. Die Vorkommen sind so gigantisch, dass „eine Verknappung auch langfristig ausgeschlossen werden kann".

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