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Campus Handwerk: Der Bau wurde erst vor wenigen Monaten bezogen. Nun soll daneben (l.,) ein Erweiterungsbau entstehen. - © Jens Reddeker
Campus Handwerk: Der Bau wurde erst vor wenigen Monaten bezogen. Nun soll daneben (l.,) ein Erweiterungsbau entstehen. | © Jens Reddeker

Wirtschaft Vertreter des Handwerks in OWL streiten um Neubau am Campus

Kreishandwerkerschaft erbost: „Wir sind bei Zentralisierungsplänen niemals involviert gewesen“

Martin Teschke
18.05.2016 | Stand 18.05.2016, 06:59 Uhr
Andrea Frühauf

Bielefeld. Die Handwerkskammer OWL will noch in diesem Jahr die „fördertechnischen Voraussetzungen" für den gut 35 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau am Campus Handwerk in Bielefeld schaffen, den die Innungen des Kfz-Handwerks in Bielefeld, Gütersloh und Lippe nutzen sollen. Kammerpräsidentin Lena Strothmann und Hauptgeschäftsführer Michael Heesing gehen nach dem Protest der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe gegen die Pläne in die Offensive. „Wir werden mit den Kfz-Ausbildungsbetrieben in Lippe reden", sagte Strothmann. Heute sind die Innungen des Kfz-Handwerks in Bielefeld und Gütersloh zum Gespräch geladen. Die Kammer will auch mit den Gewerken Bau, Maler und Tischler noch über die Zentralisierung sprechen. Die Präsidentin betonte, der zweite Bauabschnitt für die überbetriebliche Ausbildung im Kfz-Handwerk sei schon bei dem Architektenwettbewerb für den Campus-Neubau vorgesehen gewesen. Den damaligen Beschlüssen habe die Vollversammlung zugestimmt. „Aus Kostengründen wurde dies nicht ausgeführt." Doch die Förderverhältnisse seien günstig. Die guten Chancen für Bielefeld dürften nicht vertan werden. Das Handwerksbildungszentrum in Bielefeld-Brackwede müsse ohnehin saniert werden, argumentierte Strothmann. Wie berichtet, befürchtet vor allem die Kreishandwerkerschaft Lippe, dass dort die überbetriebliche Ausbildung verschwindet und den Betrieben in der lippischen Provinz damit der Nachwuchs ausgeht. Der Nutzungsvertrag für das Handwerksbildungszentrum Lemgo endet Ende 2020. „Wer so etwas behauptet, der lügt" Auf den Vorwurf des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, Michael Lutter, der die „zentralistische Denke" der Kammer kritisierte, entgegnete Heesing: „Dieses Thema ist kein Wunschkonzert." Die überbetriebliche Ausbildung, die sich auf ein bis drei Wochen im Jahr belaufe, sei Aufgabe der Kammer. Wegen der rückläufigen Zahl der Auszubildenden, die allein im Kfz-Gewerbe in OWL von 1980 bis 2015 von 2.999 auf 1.300 sank, wollen die vier lippischen Innungen die überbetriebliche Ausbildung auf Dauer in Lippe in die eigene Hand nehmen. Dazu sagte Heesing nur: „Dann bekommen sie keine öffentlichen Fördermittel mehr." Denn dafür bräuchten die Werkstätten eine Auslastung von 75 Prozent. Die werde durch eine zentrale überbetriebliche Ausbildung eher gewährleistet. Strothmann betonte: „Wir brauchen Fördermittel für teure moderne Maschinen." Auch die Ausbildung im Kfz-Handwerk werde mit Elektroautos anspruchsvoller. Die Kreishandwerkerschaft Lippe widersprach der Darstellung der Kammer vehement. „Wir sind beim Bau des Campus‘ Handwerk und den Zentralisierungsplänen niemals involviert gewesen", sagte Lutter dieser Zeitung. „Wer so etwas behauptet, der lügt." Die Handwerkerschaft habe zwar die Entscheidung für richtig gehalten, ein „Kompetenzzentrum" für das Facility Management zu errichten, also im Wesentlichen für die Gewerke Elektro, Metall sowie Sanitär, Heizung und Klima, was auch die lippischen Gewerke mit einbezogen hätte – aber nichts darüber hinaus. „Schon bei den Fusionsgesprächen der Handwerkerschaften Paderborn und Lippe im Jahr 2012 haben wir betont, dass die überbetriebliche Ausbildung in der Hoheit der Innungen bleiben muss", so Lutter. „Und das haben wir der Kammer auch unmissverständlich mitgeteilt." Die Kammer habe diese Haltung allerdings vom ersten Tag an torpediert. Das Bauvorhaben auf dem Campus Handwerk sei dafür nur ein weiteres Beispiel.

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