Wirtschaft Wie Mittelständler sich für weibliche Nachwuchskräfte „schön machen“ können

Unternehmen sollen Mitarbeiterinnen schätzen

Andrea Frühauf
19.02.2016 | Stand 19.02.2016, 11:56 Uhr

Bielefeld. Wie stellen sich junge Frauen ihren Traumarbeitsplatz vor? „Wenn ich eine Familie gründe, möchte ich danach trotzdem Karrierechancen haben", sagt die Schülerin Laura Corves. „Ich möchte mitarbeiten, mitdenken und mitgefragt werden", nennt Verena Liane Ottermann, beim Antriebstechnikentwickler Lenze in Aerzen zuständig für Personal, ihre Ansprüche. Nicht nur die Arbeitsatmosphäre muss passen, auch das Umfeld spielt eine Rolle. Helle Räume statt fensterlose Werkshallen, eine schöne Kantine, wo Mitarbeiter „wertgeschätzt" werden, sind weitere Wünsche. Rund 40 Schülerinnen und Studentinnen sowie elf Maschinenbau- und IT-Unternehmen aus OWL beteiligten sich an dem dreijährigen Modellprojekt „MINTrelation Zukunftswerkstatt Technikberufe", das das Bundesarbeitsministerium im Rahmen seiner Initiative „Neue Qualität der Arbeit" mit 600.000 Euro gefördert hat. Organisiert haben es der OWL Maschinenbau und die LizzyNet Gmbh (Köln). Warum OWL für das einzigartige Projekt auserwählt wurde? „In OWL gibt es viele innovative Unternehmen. Doch Hidden Champions auf dem Land haben es schwerer, Fachkräfte zu finden", sagt LizzyNet-Sprecherin Rosemarie Stolz. Beim Abschlussforum in der Fachhochschule Bielefeld diskutierten 130 Fachleute über frauen- und familienfreundliche Unternehmenskultur. Wie können Mittelständler aus technischen Branchen ihre Attraktivität erhöhen, um auch junge Frauen als Beschäftigte zu gewinnen? Bei der voranschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt ( „Industrie 4.0") fehle es an Menschlichkeit, warnte Reimund Overhage vom Ministerium. Die Schülerinnen und Studentinnen erarbeiteten eine Checkliste und besuchten die Unternehmen. Sie sprachen mit Mitarbeiterinnen und Personalleitern, arbeiteten einen Tag mit. Gemeinsam entwickelten sie Ideen, die auch Männern gefielen. So ersetzte Lenze den Blaumann durch ein pfiffiges T-Shirt. Brasseler (Lemgo) rückte auf seiner Webseite Beschäftigte in den Vordergrund. POS Tuning (Bad Salzuflen) hat nun eine Kita. Beispiele finden sich im Internet unter www.minttoolbox.de. Kommentar Lob allein reicht nicht Die Ansprüche junger Arbeitnehmer an Arbeitgeber wachsen. Wer auf dem Land fehlende Fachkräfte locken will, muss sich inzwischen einiges einfallen lassen. Mit einem rauen Arbeitsalltag können Maschinenbauer oder Elektronikhersteller bei jungen Frauen nicht punkten. Frauen wünschen Wertschätzung. Mit gelegentlichem Lob ist es da nicht getan. Auch eine ansprechende Umgebung, etwa eine gepflegte Kantine oder ein Fitnessraum, befördert ein gutes Betriebsklima – und lockt Nachwuchskräfte. Es sind oft wirtschaftlich starke IT-Firmen, die sich modern und kreativ zeigen. Kleine Willkommenspräsente könnten neue Auszubildende empfangen, lautet einer der gesammelten Vorschläge. Das Modellprojekt in OWL lieferte viele Beispiele, die Schule machen könnten. Familienfreundliche Arbeitszeiten wünschen sich auch Männer. Kontakt zur Autorin

realisiert durch evolver group