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Ein Teil des Projektteams „Fahrplan Zukunft": (v. l.) Jessica Kowalczyk, Jannis Busse, Linn Kaßner Dingersen, Silas Ekelhoff, Lennart Hilker, Ann-Kathrin Albert, Sonja O’Reilly und Lisa Graf wollen jungen Menschen Perspektiven aufzeigen.  - © Projektteam
Ein Teil des Projektteams „Fahrplan Zukunft": (v. l.) Jessica Kowalczyk, Jannis Busse, Linn Kaßner Dingersen, Silas Ekelhoff, Lennart Hilker, Ann-Kathrin Albert, Sonja O’Reilly und Lisa Graf wollen jungen Menschen Perspektiven aufzeigen.  | © Projektteam

Digitales Angebot Mutig in die eigene Zukunft

Berufsorientierung wird in Corona-Zeiten nicht einfacher, unter anderem weil Praktika und Schnuppertage abgesagt werden. 
Die neue digitale (Berufs-)Orientierungswoche „Fahrplan Zukunft“ soll jungen Menschen kurz vor dem Schulabschluss bei ihrer Entscheid

Julia Fahl
31.03.2021 | Stand 30.03.2021, 15:28 Uhr

Der Schulabschluss gleicht einer Kreuzung. Welcher Weg wird mich schnell und sicher zu meinem (beruflichen) Glück führen? Wähle ich die Abzweigung Richtung Universität und beginne ein Studium? Aber welches? Oder wähle ich den anderen Pfad und suche mir einen Ausbildungsplatz?

Die Bad Oeynhausenerin Sonja O’Reilly ist seit 2015 selbstständige Berufsberaterin und stellt als „Coach Sonja" immer wieder bei jungen Menschen kurz vor oder nach dem Schulabschluss eine gewisse Orientierungslosigkeit und Überforderung fest. „Es gibt mehr als 20.000 Studiengänge, rund 1.600 duale Studiengänge und 400 Ausbildungsberufe – wie soll man sich bei dieser Auswahl entscheiden?"

Die Qual der Wahl werde häufig gepaart „mit einer mangelnden Freude an der Gestaltung der eigenen Zukunft und einem Angstgefühl". Viele setzten sich selbst unter zu großen Druck. Nicht selten entständen daraus sogar psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angst- oder Anpassungsstörungen. Die Corona-Pandemie erleichtere die Berufswahl auch nicht. „Und gleichzeitig fällt es immer mehr Unternehmen schwer, passende Nachwuchstalente zu finden."

Sonja O’Reilly. 

 - © Jacqueline Nolting
Sonja O’Reilly.


| © Jacqueline Nolting

Junge Menschen brauchen also Hilfe bei der Entscheidungsfindung, eine Übersicht in der Informationsflut – sie brauchen einen „Fahrplan Zukunft". So heißt die neue digitale (Berufs-)Orientierungswoche, die Sonja O’Reilly mit einem Projektteam aus jungen Menschen zwischen 18 und 23 Jahren konzipiert hat und die in Kooperation mit den Städten Bad Oeynhausen, Löhne und Vlotho stattfinden wird. Schüler und Schülerinnen aus den Abschlussjahrgängen aller Schulformen in OWL können sich vom 16. bis 21. Mai jeweils von 16 bis 20 Uhr digital reinklicken. Jeder Tag wird einen anderen thematischen Schwerpunkt haben: Technik (Montag), Soziales/Gesundheit (Dienstag), Medien/Digital (Mittwoch), Kaufmännisch/Verwaltung (Donnerstag) und Handwerk (Freitag).

Was kann „Fahrplan Zukunft", was Jobmessen nicht können? „Wichtig ist uns, dass unsere Orientierungswoche kein Ersatz für den Besuch einer Jobmesse sein soll, sondern eine Ergänzung dazu", betont O’Reilly. „Wir wollen uns aber stärker auf die Persönlichkeit und die Stärken der Teilnehmer fokussieren." Denn das fehle oft beim Gang über das Messegelände, kann der 18-jährige Silas Ekelhoff aus eigener Erfahrung berichten. „Auf den Jobmessen fehlt häufig der persönliche Bezug." Beim Bummel über das Messegelände erfahren die jungen Menschen im besten Fall viel über die Aussteller – aber nicht so viel über sich selbst.

„Welches sind meine Stärken? Und wie kann ich sie am besten einsetzen und zu welchem Job passen sie am besten?", fasst Silas die wichtigen Fragen zusammen. Er rät Gleichaltrigen, sich mehr mit sich selbst auseinanderzusetzen und genau zu reflektieren, was einem liegt und was man für sich und seine Zukunft wünscht – und was nicht. „Kaum jemand nimmt sich die Zeit, sich zu hinterfragen." Die Folge ist oft, dass sich junge Menschen an ihren Eltern, ihrer Familie oder den Lehrern orientieren. „Wenn beide Eltern Akademiker sind, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Sohn Tischler wird", fasst O’Reilly zusammen. „Man selbst muss mit seiner Berufswahl glücklich werden – nicht die Eltern", ergänzt Silas. „Deshalb sollte sich jeder bewusst die Zeit für diese wichtige Entscheidung nehmen. Und alle Informationen sammeln, die er dafür benötigt."

Den 18-Jährigen habe geärgert, dass er in seiner Schulzeit nur ein zweiwöchiges Praktikum machen konnte. „Das Angebot war für mich nicht ausreichend. Es kommt also auch auf Selbstinitiative an. Man muss sich selbst kümmern. Vielen fällt das aber gar nicht so leicht. Genau deshalb engagiert er, der momentan ein Praktikum in dem sich im Aufbau befindenden Bad Oeynhausener Bildungszentrum „der.hive- Zukunftswerkstatt" macht, sich auch im Projektteam für die digitale Orientierungswoche. „Fahrplan Zukunft" ist das erste Projekt, das in dem neuen Berufsbildungszentrum auf der Rehmer Insel umgesetzt wird. „Die Schulen können die Berufsorientierung nicht alleine stemmen", sagt Sonja O’Reilly. Wir brauchen gute außerschulische Angebote. Und wir brauchen gute Mentoren und Vorbilder."

Silas Ekelhoff, Jessica Kowalczyk, Jannis Busse, Lennart Hilker, Ann-Kathrin Albert, Lisa Graf, Linn Kaßner-Dingersen und weitere Mitwirkende stellen deshalb gemeinsam mit regionalen Unternehmen aus Ostwestfalen-Lippe ein vielseitiges Programm auf die Beine, das junge Menschen informiert, motiviert, Mut macht, mit Musik regionaler Abibands unterhält und Perspektiven aufzeigt. „Gemeinsam mit den Unternehmen können kleine praktische Projekte umgesetzt werden: zum Beispiel eine kleine Webseite programmieren, einen Artikel schreiben oder eine Idee für ein Produkt entwickeln", sagt O’Reilly.

Unter den Speakern werden junge Menschen sein, die von ihren eigenen Erfahrungen bei der Berufswahl berichten, aber auch Jungunternehmer und Gründer. Andere Vorträge werden sich lebenspraktischen Themen wie der Steuererklärung, Finanzen, handwerklichen Grundkenntnissen und der eigenen Wohnung widmen. Das haben sich die jungen Organisatoren gewünscht, „denn solche Themen kommen in der Schule viel zu kurz", sagt Silas. Darüber hinaus wird es genug Möglichkeiten geben, sich mit Gleichaltrigen auf Augenhöhe auszutauschen. „Ein Tagesticket wird fünf Euro kosten, um Verbindlichkeit und Wertschätzung zu schaffen", erklärt O’Reilly.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.fahrplanzukunft.de und auf Instagram (@fahrplanzukunft). OWL-Firmen, die Interesse haben, sich an der Orientierungswoche zu beteiligen, können sich über die Webseite beim Projektteam melden.

Information

Zur Person: Sonja O'Reily

Sonja O’Reilly ist Berufsberaterin für die Zeit nach dem Schulabschluss und hat dazu auch den Ratgeber „Los geht’s Leben" zusammen mit dem StudyHelp-Verlag herausgebracht. Sie ist mit ihren Vorträgen und Workshops zu den Themen Berufsfindung und Persönlichkeit an Schulen, Universitäten sowie in ihrem eigenen Bildungszentrum aktiv.

Neben Berufserfahrung im In- und Ausland ist O’Reilly ausgebildete Persönlichkeitstrainerin, Hochschuldozentin und Mit-Gründerin der gemeinnützigen Organisation #SheDoesFuture. Mit dem Ziel, Berufsorientierung zielführender und moderner zu gestalten, hat sie das Projekt „Fahrplan Zukunft" ins Leben gerufen und baut gemeinsam mit Unternehmen, Experten und jungen Menschen in Bad Oeynhausen ein eigenes Bildungszentrum unter dem Namen „der.hive- Zukunftswerkstatt" auf.

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