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Beschäftigen sich mit Handdesinfektionsmittel: Unterstützung bekommt Jenny Adamczak von Joschka Dolling.  - © Keep Ya Hands Clean
Beschäftigen sich mit Handdesinfektionsmittel: Unterstützung bekommt Jenny Adamczak von Joschka Dolling.  | © Keep Ya Hands Clean

Hygiene gegen Corona Handdesinfektionsmittel aus Bielefeld

Eine Unternehmensgründung Mitten in der Corona-Krise? Das erfordert Mut. Die beiden Bielefelder Jenny Adamczak und Joschka Dolling wagen den Schritt trotzdem – mit viel Kreativität und Herzblut.

Jessica Weiser
28.10.2020 | Stand 15.03.2021, 13:28 Uhr

Hautfreundlich, natürlich, nachhaltig und Bio? Wenn es um diese Attribute geht, würden wohl die wenigsten an Desinfektionsmittel denken. Anders Jenny Adamczak. Für die Bielefelderin schließt das eine das andere nicht aus. Deshalb will die 25-Jährige unter dem Namen „Keep Ya Hands Clean" künftig Handdesinfektionsmittel verkaufen, das nicht nur schonend zur Haut ist und frisch duftet, sondern durch seine Glasverpackung auch noch nachhaltig und damit gut zur Umwelt ist.

Hände desinfizieren mit Bio-Produkten

„Die Idee kam mir kurz nach dem Lockdown", erinnert sie sich. „Das Thema Handdesinfektion war plötzlich in aller Munde. Aber so richtig überzeugt hat mich eigentlich keines der Produkte auf dem Markt." Verpackt waren sie in Plastikflaschen und die Mittel selbst hinterließen meist einen unangenehmen Geruch und klebrige, spröde Hände. „Für viele war das Thema damit ganz schnell wieder durch." Das muss doch auch besser gehen, dachte sich Adamczak und brachte so den Stein ins Rollen. „Keep Ya Hands Clean ist wie mein Baby."

Mit einer Idee allein lässt sich allerdings kein Geld verdienen. Das weiß auch Jenny Adamczak, die nach ihrem dualen Studium in einem Bielefelder Start-up im Bereich E-Commerce gearbeitet hat. „Dadurch habe ich viel gelernt, was mir jetzt bei meiner eigenen Gründung zugutekommt", sagt sie rückblickend. „Trotzdem sei es noch einmal etwas ganz anderes, wenn es um das eigene Start-up geht."

Nachhaltigkeit muss gewährt sein

Unterstützung bekommt sie deshalb von Joschka Dolling. Der 30-Jährige, der vor einigen Jahren aus dem hohen Norden nach Bielefeld zog, ist selbst Gründer und steht Jenny Adamczak unterstützend zur Seite. „Dadurch, dass Joschka selbst schon mal gegründet hat, ist er eine große Hilfe." Er kenne sich aus, wenn es um Themen wie Investoren und Netzwerke sowie um rechtliche Fragen ginge. Gemeinsam haben sie sich deshalb zusammengesetzt und die Idee konkretisiert.

„Dabei ging es zunächst einmal darum, die eigenen Ansprüche zu formulieren.", erklärt die Jungunternehmerin die drei Säulen, auf denen ihre Geschäftsidee fußt. „Zuallererst möchten wir natürlich, dass das Produkt nachhaltig ist, das heißt, es muss in Glasflaschen verkauft werden, die man nachfüllen kann. Deshalb haben wir uns überlegt, mit Unverpackt-Läden und Anbietern von Naturkosmetik zusammenzuarbeiten und zusätzlich Nachfüllpacks für Zuhause zum Kauf anzubieten."

Die zweite Säule beschreibt, wie sich die beiden ihr Desinfektionsmittel vorstellen. „Da ging es darum, wie man Handdesinfektionsmittel besser machen kann, um die Akzeptanz zu erhöhen. Darum setzen wir auf Bio-Inhaltsstoffe, die schützen, aber gleich-zeitig auch pflegen und gut riechen." Die dritte Säule ihres Plans liegt Adamzack besonders am Herzen. „Wir möchten gleichzeitig etwas Gutes tun. Deshalb habe ich nach einer Hilfsorganisation gesucht, mit der wir zusammenarbeiten können."

Nach intensiver Recherchearbeit stieß sie im Internet auf die Organisation „Kleine Hilfsaktion e.V.", die sich unter anderem dafür einsetzt, dass Menschen in Entwicklungsländern sauberes Trinkwasser und den Zugang zu Toiletten bekommen sowie die Möglichkeit erhalten, sich die Hände zu waschen. „Was für uns selbstverständlich ist, ist in vielen Ländern Utopie. Rund drei Milliarden Menschen haben nicht die Möglichkeit, sich die Hände zu waschen", sagt Adamczak. „Uns war klar, dass wir mit unserem Produkt nicht nur gut verkaufen möchten, sondern gleichzeitig auch dort helfen wollen, wo es am dringendsten nötig ist."

Bio-Produkt aus Bielefeld unterstützt durch Crowdfunding

Deshalb spenden sie nun mit jedem verkauften Produkt die gleiche Menge an Desinfektionsmittel an Gesundheitszentren in ländlichen Regionen in Kambodscha. Dort sei aktuell nicht mal die Grundsicherung gegeben. „Natürlich schicken wir nicht unser Desinfektionsmittel nach Kambodscha, das wäre schon aus ökologischen Gesichtspunkten gar nicht tragbar." Stattdessen unterstützen sie und ihr Geschäftspartner die Menschen vor Ort mit Desinfektionsmitteln, die lokal gekauft werden. „Uns war wichtig, dass unsere Hilfe auch zu 100 Prozent bei den Menschen ankommt", erklärt die 25-jährige Bielefelderin. Die „Kleine Hilfsaktion" sei ein kleiner, mit viel Herz geführter, Verein. „Für uns ein absoluter Glücksgriff."

Nachdem die Grundsteine gelegt waren, ging die Arbeit für Jenny Adamczak und Joschka Dolling aber erst richtig los. „Zunächst mussten wir einen Hersteller finden, der mit uns eine Rezeptur ganz nach unseren Vorstellungen entwickelt." Allein das habe etwa vier Monate gedauert. „Wir haben die Rezeptur gemeinsam immer wieder angepasst, bis wir schließlich mit der Qualität zufrieden waren. Die Hauptkomponenten des Produkts sind Bio-Alkohol, Glycerin, ein pflegender Birkenzuckerkomplex, Lavendel- und Minzöl", verrät Adamczak. Sie hätten sich bewusst für einen Hersteller entschieden, der nicht nur seinen Sitz in Deutschland hat, sondern seine Produkte auch hier abfüllt und „Zutaten" aus kontrolliert biologischem Anbau verwendet.

Parallel galt es das Verpackungsmaterial auszusuchen, am Design des Produkts zu werkeln und eine Webseite an den Start zu bringen. Zudem sind die Macher von „Keep Ya Hands Clean" auf diversen Social-Media-Kanälen aktiv und haben eine Startnext-Kampagne ins Leben gerufen. Das Crowdfunding soll ihnen bei den Kosten unter die Arme greifen. Zusätzlich war Klinkenputzen angesagt. Von Stress ist bei Jenny Adamczak jedoch keine Spur. „Das macht tatsächlich viel Spaß, weil man mit Menschen ins Gespräch kommt und so unheimlich viel Input erhält."

Damit sie sich der Umsetzung ihres Traums widmen kann, hat sich die Bielefelderin für das Gründerstipendium NRW für innovative Ideen beworben und dieses auch erhalten. „Damit erhalte ich 1.000 Euro monatlich für ein Jahr lang und kann mich voll auf das Projekt konzentrieren, anstatt Vollzeit arbeiten zu gehen und das „ein bisschen nebenbei" machen zu müssen."

Aktuell läuft noch die Crowdfunding-Kampagne (erreichbar unter startnext.com/keepyahandsclean), bei der das Projekt unterstützt und bereits Produkte vorbestellt werden können. Anfang November soll das Desinfektionsmittel dann erhältlich sein. Die Vorfreude bei Jenny Adamczak ist groß – trotz Corona-Krise. Sie ist sich sicher: „Es war der richtige Moment." Zukünftig könne sie sich sogar vorstellen, das Sortiment, um Naturkosmetika zu erweitern. „Natürlich auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit."

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