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Denkt auch digital: Friseurmeister Hans Wieghorst aus Bielefeld eröffnet bald den digitalen Salon und möchte für mehr Wertschätzung seiner Branche in der Bevölkerung sorgen.  - © Sarah Jonek
Denkt auch digital: Friseurmeister Hans Wieghorst aus Bielefeld eröffnet bald den digitalen Salon und möchte für mehr Wertschätzung seiner Branche in der Bevölkerung sorgen.  | © Sarah Jonek

Bielefelder Friseur kümmert sich um Mitarbeiter Mehrwertsteuersenkung direkt weitergeben

Der Bielefelder Friseur Hans Wieghorst gibt die Mehrwertsteuersenkung an seine Mitarbeiter weiter. Außerdem will er das 
Bewusstsein für seine Branche ändern und hat das digitale Zeitalter mit dem klassischem Handwerk verbunden.

Patrick Schlütter
01.07.2020 | Stand 21.08.2020, 14:28 Uhr

Jetzt ist sie da: die Absenkung der Mehrwertsteuer. Wochenlang haben sich bundesweit Dienstleister von Kassensystemen, Buchhalter und Kaufleute Gedanken gemacht, wie sie ihre Ware anders auszeichnen und um Kunden in Zeiten von Corona werben. Doch Hans Wieghorst ist das egal. Er verzichtet auf die Weitergabe der Steuersenkung an seine Kunden. „Ich möchte damit viel mehr etwas für die Mitarbeiter tun", so der Friseur.

Mehrwertsteuersenkung für Mitarbeiter statt für Kunden

Und Wieghorst rechnet vor: „Bei der Senkung von 19 Prozent sind das netto 2,52 Prozent weniger. Ein einzelner Kunde spürt davon fast nichts. Wir richten jetzt dafür ein Treuhandkonto bei einem Anwalt ein und darauf werden diese 2,52 Prozent von jedem Haarschnitt eingezahlt. Wenn, wie geplant, das Gesetz am 31. Dezember 2020 wieder ausläuft, sollten da ein paar tausend Euro zusammenkommen. Und das Geld geht dann an die Mitarbeiter." Für Wieghorst ist Corona auch eine Chance. „Klar, wir hatten Kurzarbeit und klar, es macht keinen richtigen Spaß mit der Maske zu arbeiten. Wir brauchen mit all den Hygienemaßnahmen mehr Zeit pro Kunde, müssen allen die Haare waschen usw. Das geht ja allen so. Aber wir haben jetzt die Chance, den Menschen den Wert unserer Arbeit neu vor Augen zu führen." Schon vor 30 Jahren sei er über die Bezahlung der Friseure in Deutschland verärgert gewesen. Damals gab es eine Tariferhöhung um 1,5 Prozent, während die IG Metall mehr als 6 Prozent herausgeschlagen habe. „Über Jahrzehnte sind Berufe am Menschen schlechter gestellt worden. Und die Schere ist heute absolut auseinander gegangen. Pfleger, Verkäufer oder eben Friseure stehen ganz unten in den Gehaltstabellen. Dabei machen sie einen von den Kunden sehr geschätzten Job." Für Wieghorst ist klar, er möchte die ihm übrig bleibenden eigenen Berufsjahre dafür nutzen, das Friseurhandwerk wieder attraktiver zu machen – eine entsprechende Bezahlung ist für ihn Grundvoraussetzung.

Idee für einen zweiten Lockdown steht

Und auch im Falle eines erneuten Lockdowns hat sich der pfiffige Bielefelder etwas einfallen lassen. „Wir stehen kurz vor der Eröffnung unseres ersten digitalen Salons." Unter 
haartipp.de bietet er mit seinem Team klassische Friseurberatungen wie Stylingtipps, Farbtipps oder Maßnahmen gegen Haarausfall an. Die Nutzer können online einen Termin vereinbaren und sich dann via Videoschalte beraten lassen. Es gibt diverse Fragebögen, um den aktuellen Zustand zu erfahren und dann wird der Kunde individuell beraten. „Dahinter gibt es dann eine Verlinkung zu unserem Onlineshop, so dass der Nutzer mit einem gewissen Preisvorteil direkt seine Produkte bestellen kann", sagt Wieghorst. Die Idee habe er schon lange gehabt, Corona hat ihm jetzt Zeit zur Umsetzung verschafft. Wieder ein Vorteil in Zeiten der Krise.

Information
Inflation sinkt: Welche Rolle spielt Mehrwertsteuersenkung?


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