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Training noch verboten: Fitnessstudios dürfen ab dem 11. Mai wieder öffnen – mit strengen Vorschriften. - © iStockphoto
Training noch verboten: Fitnessstudios dürfen ab dem 11. Mai wieder öffnen – mit strengen Vorschriften. | © iStockphoto
Gesundheit

„Fitness ist systemrelevant“

Mehr als acht Wochen durften Fitnessstudios wegen Corona nicht öffnen – dabei liegen detaillierte Hygienekonzepte vor. Studiobetreiber wie Antonios Kompodietasaus Verl haben inständig gehofft, dass es endlich wieder losgehen kann. Sie würden erhört.

Jessica Weiser
09.05.2020 | Stand 08.05.2020, 20:04 Uhr

Es ist die Ungewissheit, die Antonios Kompodietas zu schaffen gemacht hat. „Wir konnten nur abwarten, was in Berlin entschieden wird", sagt der Betreiber des Genesis Vital & Gesundheitsclub in Verl. Theoretisch konnte er jeden Tag sofort wieder öffnen, praktisch darf er das ab dem 11. Mai wieder. Er und sein Team sind bestens vorbereitet. „Wir haben uns in den letzten Wochen intensiv mit den Hygienevorschriften auseinandergesetzt und ein eigenes Konzept erarbeitet", erzählt er. Masken und Handschuhe sowie Desinfektionsmittel für Hände und Flächen sind in großen Mengen vorhanden. „Hygiene ist nicht erst seit Corona in unserem Studio ein wichtiges Thema", betont Kompodietas.

Auch die Abläufe im Studio habe man für die Zeit nach dem Corona-Lockdown vollkommen überarbeitet. Unter anderem wurden Laufwege markiert, Ein- und Ausgang separiert und Geräte umgestellt. „Wir halten uns dabei strikt an die Zwei-Meter-Abstandsregel. Deshalb haben wir alles weiträumiger auseinander gestellt. Wo das nicht möglich war, haben wir einzelne Geräte gesperrt. Auch unser Kursraum wäre groß genug, um ausreichend Abstand zu halten."

Bereit: Studiobesitzer Antonios Kompodietas. - © Privat
Bereit: Studiobesitzer Antonios Kompodietas. | © Privat

Und nicht nur das. „Außerdem können wir den Zugang zum Studio problemlos begrenzen und wissen jederzeit, wer gerade trainiert", ergänzt Kompodietas. Dank einer eigenen App, die bisher zum Beispiel genutzt wurde, um über Mitgliedsbeiträge zu informieren oder individuelle Trainingspläne zur Verfügung zu stellen, könnten sich Studiogänger künftig sogar darüber informieren, wie voll es gerade im Studio am Lerchenweg ist. „Ich kann verstehen, dass sich aktuell der ein oder andere gerade in der Gegenwart mehrerer Personen nicht wohlfühlt. In dem Fall reicht ein Blick in die App."

An welche Vorschriften sich Betreiber und Kunden künftig tatsächlich halten müssen, daran wird aktuell noch gearbeitet. Letztendlich könne ein Fitnessstudio aber dieselben Regeln umsetzen, die schon in anderen Branchen gelten. „Ich freue mich wirklich für jeden, der in dieser schweren Zeit wieder aufmachen darf", betont Kompodietas. „Ich habe mir nur gewünscht, dass die Fitnessstudios nun auch endlich an der Reihe sind." Die Aussage von Gesundheitsminister Jens Spahn, dass jeder, der sich mit dem nötigen Abstand zu anderen beim Sport im Fitnessstudio fit halten kann, dies auch tun sollte, hat dem Verler in den letzten Tagen Hoffnung gemacht. „Das Training im Studio ist in meinen Augen auch systemrelevant. Sport ist nachweislich gut für das Immunsystem, stärkt den Bewegungsapparat und schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen." Schon vor den Corona-bedingten Maßnahmen hätten sich viele Menschen zu wenig bewegt, ein Trend, der sich in der Krise gerade noch verstärkt hätte.

Damit die Mitglieder seines Studios nicht auf ihre gewohnten Trainingseinheiten verzichten müssen, hat sich das Genesis-Team einiges einfallen lassen. „Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, haben wir verliehen", sagt Kompodietas und lacht. „Unsere Kunden konnten sich Stepper, Kurzhanteln und anderen Trainingsutensilien bei uns abholen, damit sie zu Hause vernünftig arbeiten können. Jemand hat sich sogar gleich die Hantelbank abgeholt." Dieses Angebot sei dankbar angenommen worden. Darüber hinaus gibt es Trainingsvideos und jeden Tag eine neue Challenge. Ganz besonders gut angenommen würden vor allem die Live-Kurse. „Jeder kann sich per Zoom dazu schalten und so gemeinsam mit einem Trainer und anderen Mitgliedern trainieren. Da hatten wir schon mal an die 80 Leute in einem Kursus." Das Videochat-Programm werde auch dazu benutzt, um zum Beispiel Trainingsfragen zu beantworten. „Außerdem kümmert sich immer ein Mitarbeiter um die telefonischen Anfragen." Gerade in den vergangenen Tagen werde vor allem die Frage nach der Wiedereröffnung gestellt. Denn so viel Mühe sich auch alle Beteiligten geben, das Training im Studio – ob angeleitet durch einen Trainer oder nicht – können Videokurse auf Dauer nicht ersetzen. „Die Motivation ist im Studio ganz anders."

Kompodietas hat den Kopf aber nicht in den Sand gesteckt. „Ich möchte Menschen dabei helfen, gesund und fit zu bleiben oder es zu werden. Das ist mein Antrieb", sagt er. Zusätzlich trage er Verantwortung für seine 20 Mitarbeiter. Er habe bereits an den Bürgermeister, den Landrat und den Bundestag geschrieben und sogar Rückmeldungen bekommen. „Natürlich können die mir auch nichts versprechen", weiß Kompodietas. Aber immerhin habe er sich Gehör verschafft. Das sich jetzt endlich tatsächlich etwas bewegt, sorgt bei Antonios Kompodietas für Freude: „Es ist toll! Endlich können wir wieder aufmachen, damit unsere Mitglieder bei uns wieder etwas für ihre Fitness und ihr Immunsystem tun können." Ehe es soweit ist, wartet allerdings noch Arbeit. „Das gesamte Team ist versammelt und wir warten auf die Verordnung der Landesregierung, um dann für den Feinschliff vor der Wiedereröffnung zu sorgen."

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