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Ein Bauarbeiter montiert die Fensterbänke an den Schwedenhäusern. - © Johannes Hülstrung
Ein Bauarbeiter montiert die Fensterbänke an den Schwedenhäusern. | © Johannes Hülstrung

Gütersloh Schwedenhäuser in Niehorst: Unterkünfte für Flüchtlinge werden gebaut

Bis zu 60 Flüchtlinge sollen dort unterkommen

Johannes Hülstrung
10.06.2016 | Stand 11.06.2016, 18:44 Uhr

Gütersloh. Es klingt nach Urlaub, Norden und Astrid Lindgren und sieht mit all dem Holz derzeit auch ein bisschen so aus. Die Schwedenhäuser im Stadtteil Niehorst dienen aber zukünftig der Existenzsicherung von Asylbewerbern. Derzeit wird am Ellernhagen fleißig gebaut. Ende Juli sollen die acht Häuser fertiggestellt sein. Die Bauarbeiten schreiten rasch voran: Die Häuser stehen, Fenster sind eingebaut, am Donnerstag wurden auch Fensterbänke angebracht. Die Türen sollen am Freitag installiert werden. U-förmig sind drei große Häuserkomplexe angelegt; ein kleinerer Bau steht mittig davor. Der Block von der Straße aus gesehen links ist bereits gedämmt und mit der Außenfassade verkleidet, auf die bald der Putz aufgetragen wird. Die übrigen Häuser sind noch kahl. Auch von innen ist bloß blankes Holz zu sehen. Der Standort Niehorst gilt im Zusammenhang mit den Flüchtlingsunterkünften als problematisch. Von Anwohnern gibt es schon seit langer Zeit Protest. In einem offenen Brief wandten sich Anfang März 54 Familien an die Stadt sowie Rats-, Kreistags-, Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Sie warfen die Frage auf, wieso ausgerechnet ein Stadtteil mit gerade einmal 300 Einwohnern 60 Flüchtlinge aufnehmen solle. Anwohner wollen weniger Flüchtlinge Neben vier anderen Punkten forderten sie die „dauerhafte Reduzierung der maximalen Zahl von Flüchtlingen in Niehorst auf 20", wie es im Wortlaut in dem Brief hieß. „Mit den Vertretern der Unterzeichner des offenen Briefes stehe ich in Kontakt", sagt Sozialdezernent Joachim Martensmeier. Er betont, dass die Stadt bereits einige Kompromisse eingegangen sei. „Die Belegung wurde von ursprünglich 96 auf bis zu 60 Bewohner als Obergrenze festgelegt", so Martensmeier. Zuvor kursierte in einem Online-Blog gar die Zahl von 180 Personen. Die Stadt will mit den Anwohnern weiter im Gespräch bleiben. Wie bei der „Dialogveranstaltung" Ende Mai mit etwa 60 Niehorstern im Schützenhaus. „Die sollte informieren, Fragen beantworten sowie Meinungen und Anregungen aufnehmen", sagt Martensmeier. Dafür wurde als „Dialoggestalter" Frank Claus von der Bertelsmann-Stiftung engagiert. Bei einem weiteren Termin am 27. Juni werden die Ergebnisse ausgewertet. Aus einer Anwohnerversammlung Anfang des Jahres wurden bereits einige Anregungen aufgenommen, beispielsweise die Einrichtung eines Gemeinschaftshauses für Bewohner und Nachbarschaft. „Zudem wurde eine sozialarbeiterische Betreuung inklusive Ansprechpartner zugesichert", sagt Martensmeier. „Ein weiterer Wunsch war das ,Schwedenhaus‘ statt der erst geplanten mehrgeschossigen Bauweise ,Typ Hannover‘." Damit haben die Anwohner also zumindest erreicht, dass es am Ellernhagen derzeit nach Urlaub aussieht.

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