Höxter/Paderborn Bosseborn-Urteil: Warum Angelika W.s Verteidiger Revision eingelegt hat

Jürgen Mahncke

Bielefeld. Der Foltermord-Prozess vor dem Landgericht Paderborn schien mit den Urteilen gegen die beiden Angeklagten Angelika und Wilfried W., die am 5. Oktober gesprochen wurden, abgeschlossen zu sein. Nun hat Peter Wüller, Strafverteidiger von Angelika W., überraschend Rechtsmittel gegen die für seine Mandantin ausgesprochene Freiheitsstrafe von 13 Jahren eingelegt. Am späten Freitagabend – um Mitternacht wäre das Urteil rechtskräftig geworden – stellte der Bielefelder Jurist dem Landgericht ein entsprechendes Schreiben zu. „Der Vorwurf des zweifachen Mordes durch Unterlassen, der fast zwei Jahre vor dem Landgericht verhandelt wurde, ist in der deutschen Rechtssprechung äußerst selten und kein Standardverfahren", sagte Peter Wüller der Neuen Westfälischen. Er sei es seiner Mandantin schuldig, die schriftliche Urteilsbegründung, die über viele Seiten geht, genauestens zu prüfen. „Dies ist aber in der Kürze der Zeit und der schwierigen Materie nicht möglich. Deshalb gehe ich vorsorglich in Revision", begründete der Jurist seine Entscheidung. Urteil gegen Wilfried W. rechtskräftig Sollte er jedoch keine gravierende Mängel in der Urteilsbegründung finden, würde er kurzfristig den Revisionsantrag zurückziehen. Im Rahmen einer Revision wird das Urteil von einer höheren gerichtlichen Instanz auf Verfahrens- und Rechtsfehler hin überprüft. Eine erneute Beweisaufnahme, die viel Zeit kosten würde, findet nicht statt. Rechtskräftig ist inzwischen die Freiheitsstrafe von 11 Jahren gegen Wilfried W. und seine sofortige Unterbringung in eine geschlossene Einrichtung. Von keiner Seite wurden Rechtsmittel eingelegt.

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