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Der ICE der Deutschen Bahn ist flink unterwegs - bislang aber leider nicht immer pünktlich. - © picture alliance / Geisler-Fotopress
Der ICE der Deutschen Bahn ist flink unterwegs - bislang aber leider nicht immer pünktlich. | © picture alliance / Geisler-Fotopress

Deutsche Bahn Schnellstrecke von Bielefeld nach Hannover: Wie OWL profitiert

Joachim Künzel ist Geschäftsführer des Nahverkehrs Westfalen-Lippe (NWL). Im Gespräch erklärt er, wie ein Deutschlandtakt gelingen kann und welche Strecken ausgebaut werden müssen.

Matthias Bungeroth
30.05.2019 | Stand 30.05.2019, 13:48 Uhr

Bielefeld. Mobilität ist ein Schlüsselthema unserer Zeit. Wir sind beruflich und privat so viel unterwegs wie nie zuvor. Das Resultat: Straßen und andere Verkehrswege sind überfüllt; Staus sind an der Tagesordnung, die Bahnen oft nicht zuverlässig. Was ist zu tun, um für Ostwestfalen-Lippe umweltfreundliche Mobilität entwickeln zu können? Joachim Künzel, Geschäftsführer des Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), hat viele Ideen. Deutschlandtakt "Ich halte den Deutschlandtakt der Bahn für absolut notwendig und sinnvoll", sagt Künzel. Er fügt hinzu: „Ein verlässliches Zusammenspiel zwischen Nah-und Fernverkehr ist nötig. Und dafür braucht es auch einen Aufgabenträger für den Fernverkehr." Doch die Realisierung dieses Projektes gelinge „nur mit massivem Infrastrukturausbau". Aktuell laufe Nah-, Fern-und Güterverkehr über die gleichen Gleise „und das mit extrem unterschiedlichen Geschwindigkeiten". Man werde durch das vorhandene System nicht mehr viel zusätzlichen Verkehr nachhaltig durchbringen können, betont der Geschäftsführer. Streckenausbau Der Deutschlandtakt basiere auf Knotenzeiten, zu denen Umstiege an bestimmten Bahnhöfen zwischen und innerhalb von Nah- und Fernverkehr erreicht werden könnten, erläutert Künzel. So gehe die aktuelle Planung davon aus, dass der Fernverkehr nur noch rund eine Stunde zwischen Hamm und Hannover brauche. „Dazu braucht es nicht nur eine Ertüchtigung vorhandener Gleise", betont Künzel. Trassendebatte Der NWL-Geschäftsführer befürwortet ausdrücklich die jüngst heftig debattierten Pläne des Neubaus einer Bahntrasse zwischen Bielefeld und Hannover. „Ich halte eine Bündelung von Infrastruktur für total sinnvoll", so Künzel. Deshalb ist Künzel auch für eine Neubautrasse, die in diesem Bereich entlang der A 2 entstehen könnte. „Ich bin überzeugt, dass wir das perspektivisch brauchen." Nahverkehr in OWL Der Schienennahverkehr in Ostwestfalen-Lippe werde von einem Ausbau der Ferntrasse zwischen Bielefeld und Hannover kräftig profitieren, ist Künzel überzeugt. „Kein Ort, gerade Minden nicht, wird abgehängt und keine neue Schneise würde durch die Natur getrieben." Man eröffne im Gegenteil die Perspektive, den Nahverkehr künftig auszubauen, da es dann mehr Platz auf den Gleisen geben werde. So könnten auf der wichtigen Achse Hamm, Bielefeld, Minden mehr Züge verkehren. Debatte um den Ausbau Die Diskussion um den möglichen Neubau einer Fernbahntrasse zwischen Bielefeld und Hannover verfolgt Künzel nachdenklich. „Es ist kein gutes Klima entstanden", sagt er mit Blick auf Informationen, die nur häppchenweise zu diesem Projekt in die Öffentlichkeit gelangt sind. „Wir dürfen den Ausbau regionaler Strecken nicht gegen den Neubau auf Hauptachsen ausspielen", sagt Künzel. Ihm ist wichtig, das Projekt in einen größeren Gesamtrahmen einzuordnen. „Das Motto: ,Verkehrswende ja, aber bitte nicht bei uns' kann es nicht sein." Mobilität der Zukunft Wenn man gleichzeitig den Klimawandel bekämpfen und eine Energiewende einleiten wolle, reichten die bisherigen Anstrengungen im Bereich der Mobilität bei weitem nicht aus, so Künzel. Die Vision sei, Mobilität zu gewährleisten, ohne zwingend auf ein eigenes Auto angewiesen zu sein. „Nur mit Schienenverkehr wird das nicht gehen", so Künzel. Die Haltestelle des öffentlichen Personennahverkehrs müsse zur Mobilitätsdrehscheibe werden, fordert Künzel. „In fünf bis sechs Jahren könnten wir so etwas sehen." Der NWL wolle diesen Weg mitgestalten und auf eine vernetzte Mobilität hinwirken. Pünktlichkeit Künzel versteht die Verärgerung der Bahnkunden über nicht pünktlich oder gar nicht verkehrende Züge. Er sagt: „365 Tage im Jahr fährt die Bahn. Aber sie fährt an keinem Tag nach Plan." Gerade deshalb sei es dringend geboten, an der Infrastruktur zu arbeiten. Die Abmahnungen der Eurobahn wegen der Unzuverlässigkeit im Betriebsablauf durch den NWL sei richtig gewesen. „Aber es darf keiner glauben, dass solche Maßnahmen sofort Sprünge in der Pünktlichkeit bringen." Denn ein großer Teil sei in diesem Bereich auf externe Einflüsse wie Baustellen und unzureichende Infrastruktur zurückzuführen.

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