Tatort Shisha-Bar: Sprecherin Kirsten Schüler präsentiert den Tabak, den der Zoll im Jahr 2018 in vielen dieser Lokale beschlagnahmt hat. - © Andreas Zobe
Tatort Shisha-Bar: Sprecherin Kirsten Schüler präsentiert den Tabak, den der Zoll im Jahr 2018 in vielen dieser Lokale beschlagnahmt hat. | © Andreas Zobe

Jahresbilanz Zoll beschlagnahmt 240 Kilogramm unversteuerten Tabak

Das Zollamt hat Shisha-Bars ins Visier genommen. Im Jahr 2018 wurden im Bezirk des Bielefelder Hauptzollamtes 1,6 Milliarden Euro eingenommen

Jan Ahlers
06.04.2019 | Stand 06.04.2019, 21:38 Uhr

Bielefeld. Der Zoll hat im vergangenen Jahr erneut mehr Geld eingenommen. Ob bei Alkohol-, Strom-, Kfz- oder Einfuhrumsatzsteuer, überall verzeichnete das Bielefelder Hauptzollamt (HZA) im Jahr 2018 ordentliche Zuwächse. 1,6 Milliarden Euro flossen insgesamt in die Kasse des Bundes und der Europäischen Union. "Das liegt vor allem an der guten wirtschaftlichen Lage in der Region", sagt Pressesprecherin Kirsten Schüler. Doch längst nicht alles, was durch die Hände der Zollmitarbeiter geht, wurde auf ordentlichem Wege versteuert. Die Abgabebehörde hat Jahr für Jahr mit allerlei Betrugsfällen zu tun - unter anderem mit zunehmend organisierter Kriminalität auf dem Schwarzarbeitssektor. Subunternehmen werden mit Scheingeschäften versorgt Thomas Adebar ist stellvertretender Leiter des HZA. Er ahnt, dass die Arbeitseinheit "Finanzkontrolle Schwarzarbeit" (FKS) in den kommenden Monaten nicht unter Beschäftigungsmangel leiden wird. Betroffen ist im Besonderen die Bau-, aber auch die Transportbranche. "Wir haben es dort fast schon mit einer Parallelstruktur zu tun", klagt Adebar. Ihm zufolge würden Auftraggeber dort reihenweise nicht existente Subunternehmen mit Scheingeschäften versorgen, um das zum Großteil zurückfließende Schwarzgeld in Arbeiter zu stecken. Doch wenn das Zollamt die Fahndung einleitet, "dann haben sich die Subunternehmen meist schon wieder verflüchtigt", sagt der Abteilungsleiter. Ein neuer Weg für das Zollamt Entgegenwirken will der Zoll diesen Machenschaften mit mehr Personal und neuen Befugnissen. So könne das Amt bald selbst als Ankläger vor Gericht fungieren, erläutert Adebar. Auch würde künftig gezielt neben der Schwarzarbeitskontrolle auch geprüft, ob Arbeitnehmer die vereinbarte Leistung auch erbringen. "Wir stellen fest, ob nicht gearbeitet wird, wo gearbeitet werden sollte", sagt Adebar. "Für uns ist das ein neuer Weg." Auch die klassischen Tätigkeitsfelder beschäftigten die knapp 700 Mitarbeiter des Hauptzollamtes, beispielsweise die Drogenfahndung. Vor allem die Zweigstelle in Anröchte verzeichnete einige spektakuläre Fälle, jüngst erst wurden rund sieben Kilogramm Betäubungsmittel im hohen sechsstelligen Wert sichergestellt. Immer wieder im Fokus: Die Autobahn 44 als zweite West-Ost-Achse - zahlreiche Drogen stammen aus dem osteuropäischen Raum. "Vielleicht herrscht die Auffassung, dass die A2 öfter kontrolliert wird", schätzt Dirk Waschuk, Sachgebietsleiter der Abteilung Kontrolle. "So hat sich die A44 als mögliche Ausweichroute etabliert." 90 Prozent der Shisha-Bars versteuern Tabak nicht korrekt Zugleich hat das Hauptzollamt Shisha-Bars, in den Wasserpfeifentabak konsumiert wird, im Visier. "Bei 90 Prozent der kontrollierten Betriebe haben wir Beanstandungen gemacht", sagt Waschuk. So gut wie immer werde dabei vorsätzlich betrogen, etwa weil die Tabaksteuer umgangen wird. Allein 240 Kilo unversteuerten Tabaks beschlagnahmte der Zoll 2018 bei einem Einzelfund in Bielefeld. Und auch aus dem Westen Europas droht Ungemach: Sollte Noch-Mitglied Großbritannien den Austritt aus der Europäischen Union doch noch vollziehen, müssten alle Handlungswege örtlicher Unternehmen in Richtung des Inselstaats und umgekehrt vom Zoll unter die Lupe genommen werden. Denkbar wären mobile Kontrolleinheiten bei den betroffenen Firmen, auch eine zentrale telefonische Anlaufstelle ist beim HZA geplant. "Der Aufwand würde groß", sagt Adebar. "Doch wir sind auch auf einen harten Brexit gut vorbereitet."

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