Atomkraft: Atommüll muss in solchen Transportbehältern aufbewahrt werden. In Jülich lagern 152 von ihnen ohne Erlaubnis. - © picture alliance
Atomkraft: Atommüll muss in solchen Transportbehältern aufbewahrt werden. In Jülich lagern 152 von ihnen ohne Erlaubnis. | © picture alliance

Radioaktive Stoffe 152 Castor-Behälter mit Atommüll lagern illegal - aber wohin damit?

Ahaus wehrt sich gegen Castor-Transporte aus Jülich. Dort lagert radioaktiver Müll schon seit vier Jahren ohne Genehmigung

Lothar Schmalen
06.11.2018 | Stand 06.11.2018, 17:35 Uhr

Ahaus/Jülich. Seit vier Jahren lagert auf dem Gelände der ehemaligen Kernforschungsanlage (KFA) Jülich Atommüll ohne Genehmigung. Es handelt sich um insgesamt 290.000 kleine hoch radioaktive Kugeln in insgesamt 152 Castor-Behältern. Weil die Bundes- und Landesbehörden untätig bleiben, ist völlig unklar, wann diese illegale Praxis ein Ende hat. Zuletzt hatte der für Reaktorsicherheit in NRW zuständige Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) im Landtag von drei möglichen Lösungen des Problems gesprochen: Ein Transport des Atommülls in die USA, von wo aus sie einst auch angeliefert wurden (rechtlich kaum durchsetzbar). Oder ein Transport der Castoren nach Ahaus ins Zwischenlager. Oder der Neubau eines eigenen Zwischenlagers in Jülich (Kosten: 200 Millionen Euro, Planungs- und Bauzeit: etwa neun Jahre). Man werde sich für die Lösung entscheiden, die am schnellsten zu realisieren sei. Rechtsstreit könnte noch Jahre andauern Aber wann wird das sein? Lange Zeit sah es so aus, als könnte der radioaktive Müll nach Ahaus transportiert werden. 2016 erteilte das damalige Bundesamt für Strahlenschutz dafür die Genehmigung. Dagegen aber klagten ein Jahr später die Stadt Ahaus und ein Anlieger vor dem Verwaltungsgericht Münster. Die Klage hat aufschiebende Wirkung. Es dürften noch viele Jahre ins Land ziehen, bis der Rechtsstreit letztinstanzlich entschieden ist. Die „Atommüllkonferenz" – das ist ein Zusammenschluss von rund 70 Anti-Atom-Initiativen – hat jetzt ein Positionspapier zum Thema Zwischenlagerung hoch radioaktiver Abfälle vorgelegt. Darin fordert sie unter anderem den Neubau eines erdbebensicheren Zwischenlagers in Jülich, das den Sicherheitsstandards für längerfristige Lagerung genüge. „Bis zur Errichtung eines Endlagers wird es nach dem derzeitigen Stand auf jeden Fall noch Jahrzehnte dauern", sagt Henning Garbers von der „Atommüllkonferenz". Aus München kommt bald noch mehr Atommüll Noch größere Sorgen machen die Gegner des Ahauser Atommülllagers sich darüber, dass ab 2019 zusätzlich noch Atommüll aus dem Forschungsreaktor Garchin bei München im Westmünsterland eingelagert werden sollen – insgesamt 36 Behälter mit jeweils fünf Brennstäben. Die ausgedienten Brennelemente aus Garching seien hoch radioaktiv. Das darin enthaltene Uran sei mit 87 Prozent angereichert und deshalb waffenfähig, sagt Felix Ruwe, Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus". „Der Inhalt eines Reaktorbehälters aus Garching reicht, um fünf Hiroshima-Bomben zu produzieren", so die Ahauser Initiative in einem Informationsblatt. Eine Klage gegen die Genehmigung der Transporte aus Garching sei in Vorbereitung. Doch auch in Garching läuft die Uhr. Denn bislang werden die hoch radioaktiven ausgedienten Brennelemente nach Angaben von Ruwe in einem Abklingbecken aufbewahrt. Und das Becken werde 2019 voll sein. Die Atommüllkonferenz fordert auch hier die Errichtung eines eigenen Zwischenlagers vor Ort. Was die Gegner des Zwischenlagers kritisieren Die Gegner des Ahauser Zwischenlagers kritisieren vor allem dessen unzureichende Sicherheitsstandards. So seien die Betonwände und -decken des Lagergebäudes lediglich 20 Zentimeter dick. Zum Vergleich: Im niederländischen Zwischenlagerkonzept seien Wandstärken von 1,70 Meter umgesetzt. Zwei deutsche Zwischenlager-Konzepte sähen 85 Zentimeter dicke Seitenwände und 55 Zentimeter dicke Decken oder sogar 1,20 Meter dicke Wände und 1,30 Meter dicke Decken vor. Die Genehmigung für das Zwischenlager in Ahaus, das seit 1990 besteht, läuft nur noch bis 2036. Eine Verlängerung der Genehmigung oder einen Neubau eines Lagers am gleichen Standort hält Ruwe wegen der heutigen Umwelt- und Sicherheitsbestimmungen für nicht durchsetzbar.

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