Weiße Fahrräder als Symbol für im Verkehr tödlich verunglückte Radfahrer. - © picture alliance / dpa
Weiße Fahrräder als Symbol für im Verkehr tödlich verunglückte Radfahrer. | © picture alliance / dpa

Bielefeld Jeder achte Verkehrstote ist ein Radfahrer

Unfälle: Immer weniger Menschen sterben im Straßenverkehr. Nur die Zahl der getöteten Radler bleibt hoch. Wir nennen die Gründe

Tessa Rinkes
Carina Schmihing

Bielefeld. In Deutschland sind im vergangenen Jahr erneut Hunderte Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Während die Zahl der Verkehrstoten innerhalb von sieben Jahren stark gesunken ist, blieb die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer nahezu konstant. Anders als im bundesweiten Trend ist die Zahl der getöteten Radler in Ostwestfalen-Lippe allerdings leicht gesunken. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sowie der Automobilclub ADAC fordern höhere Rücksicht. In OWL verunglückten vergangenes Jahr sieben Radfahrer tödlich. Sieben Jahre zuvor waren es noch zwölf Opfer, wie aus den Zahlen des Statistischen Landesamtes hervorgeht. Über alle Verkehrsmittel hinweg sind vergangenes Jahr 69 Menschen in der Region zu Tode gekommen. Bundesweit starben 3.180 Menschen bei Verkehrsunfällen. Dies sei der niedrigste Stand seit mehr als 60 Jahren, teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Zahl der bundesweit getöteten Radfahrer blieb konstant bei 382. Damit war jeder achte Verkehrstote ein Radfahrer. "Das Verständnis der Autofahrer gegenüber Fahrradfahrern nimmt ab" Dabei sind Autos mit Abstand die häufigsten Unfallgegner von Fahrradfahrern. Meist handelt es sich um Unfälle beim Abbiegen, häufig sind die Autofahrer schuldig. Dabei dürfe aber nicht das verkehrswidrige Verhalten der Fahrradfahrer außer Acht gelassen werden, sagt Ralf Collatz vom ADAC Ostwestfalen-Lippe. "Auch die Aggressivität aller Verkehrsteilnehmer nimmt zu." Das bestätigen interne Umfragen des ADAC. Er plädiert für eine höhere Rücksichtnahme und ein faires Miteinander im Straßenverkehr. Auch Andreas Edler vom ADFC Minden-Lübbecke kritisiert, dass es auf den Straßen immer ruppiger werde, sieht das aber vor allem auf Seiten der Autofahrer. "Das Verständnis der Autofahrer gegenüber Fahrradfahrern nimmt ab, weil viele schnell vorankommen wollen", sagt Edler, "obwohl die Zeitersparnis marginal ist." Damit Radler auf dem Radweg beim Abbiegen nicht mehr übersehen werden, fordert Edler, dass Radfahrer mit den Autos in Städten auf derselben Fahrbahn fahren. "Ich lasse mich lieber bepöbeln als umfahren", sagt Edler. Das sei sicherer. ADAC-Sprecher Collatz sieht das auf kleineren Straßen ähnlich. Da führen Radler sicherer auf der Fahrbahn. "Auf Hauptverkehrsstrecken ist es aber gefährlicher." Dort sei ein getrennter Radweg besser. Die Fahrradbeauftragte der Stadt Bielefeld Barbara Choryan stimmt Collatz im Grundsatz zu. Sie gibt zu bedenken, dass sich Radfahrer zwischen den Autos auf der Fahrbahn unsicher fühlen könnten.

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