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Wertvoller Fund: Eine Szene aus dem Film über das Stalag 326. Foto: Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne - © stalag 326
Wertvoller Fund: Eine Szene aus dem Film über das Stalag 326. Foto: Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne | © stalag 326

Stukenbrock Filmaufnahmen sind Sensation für die Stalag-Forschung

Zum ersten Mal gibt es eine Filmaufnahme aus dem Lager für sowjetische Kriegsgefangene.

Lothar Schmalen
26.03.2018 | Stand 26.03.2018, 06:16 Uhr

Bielefeld. Noch nie ist eine Filmaufnahme aus dem Wehrmachtslager für sowjetische Kriegsgefangene in Stukenbrock (Stalag 326) zu sehen gewesen. Bis jetzt: Oliver Nickel, Chef der Dokumentationsstätte auf dem Gelände des ehemaligen Lagers, präsentierte die kleine historische Sensation am Ende des wissenschaftlichen Symposiums über sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg an der Universität Bielefeld. Die Historiker, allesamt Experten für die Erforschung des Schicksals der sowjetischen Gefangenen, horchten auf. Von der Existenz des Films, der offenbar eine Inspektion des Lagers zeigt, hat die Dokumentationsstätte im Sommer 2017 erfahren. Er war im Besitz des Stiefsohns eines russischen Überlebenden, der den Film nach der Befreiung mitgenommen hat. Stalag 326 galt als gößtes Lager für sowjetische Kriegsgefangene Inzwischen hat die russische Familie die Filmaufnahmen der Dokumentationsstätte übergeben. Sie dürfte eine der bisher wichtigsten Quellen bei der Erforschung der Lager-Historie sein. Die Auswertung des Films hat erst begonnen. Christian Streit, der renommierteste Forscher über das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen in Nazi-Deutschland, äußerte spontan die Annahme, das Material stamme aus einer späteren Phase des Lagers um 1944. Am Ende des zweitägigen Symposiums zur Erforschung der Hintergründe von Stalag 326 erläuterte der Lenkungskreis, der sich für eine Gedenkstätte von nationaler Bedeutung auf dem Gelände des früheren Lagers in der Senne einsetzt, seine konkreten Pläne. Stalag 326 gilt als das größte Lager für sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg auf deutschem Boden. Insgesamt durchliefen etwa 300.000 Soldaten aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion das Lager. Von bis zu 60.000 Toten ist die Rede. Über die genauen Zahlen herrscht aber noch Unklarheit – ein Feld, auf dem weiter geforscht werden müsste. Landtagspräsident André Kuper (CDU) führt den Lenkungskreis, in dem sich Politiker, Institutionen und andere Akteure der bisherigen Erinnerungsarbeit in Stukenbrock zusammengeschlossen haben. Er sagte, Ziel sei es zunächst, bis Ende des Jahres ein Konzept für die Gedenkstätte zu erarbeiten. Diese Aufgabe liegt vor allem in den Händen von Oliver Nickel und seinen Mitarbeitern. Das Konzept soll ein Raumprogramm enthalten und Vorstellungen über eine Ausstellung sowie museumspädagogische Programme entwickeln. Der Raumbedarf dürfte 1.500 bis 2.000 Quadratmeter umfassen, da auch die Nachkriegsgeschichte des Lagergeländes dargestellt werden soll. Bislang verfügt die Dokumentationsstätte über 147 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Im Laufe des Jahres 2019 soll ein Antrag auf Bundeszuschüsse gestellt werden. Der Bund könnte die erforderlichen Investitionen mit bis zu 50 Prozent fördern. Geld müssten aber auch die Kommune, der Kreis und das Land in die Hand nehmen. Außerdem muss ein Träger für die Gedenkstätte gefunden werden. Dabei dürfte der bereits seit 25 Jahren bestehende Förderverein Stalag 326 ebenso eine Rolle spielen wie möglicherweise der Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL.

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